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Deutschlehrer-Info

„Blackfacing“ ist Anglizismus des Jahres

Bis zur Entlehnung des englischen „Blackface“ hatte das Deutsche keinen Begriff für die Darstellung Dunkelhäutiger durch schwarz geschminkte Weiße. Auch deshalb wurde der Ausdruck nun zum Anglizismus des Jahres gewählt.

Fremdwörter, speziell englische Wörter, können die deutsche Sprache bereichern, vor allem, wenn sie einen Sachverhalt ausdrücken, für den es kein geeignetes deutsches Wort gibt. Davon ist eine Jury unter dem Vorsitz des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch überzeugt und wählt jedes Jahr den „Anglizismus des Jahres“. Für 2014 kürte sie nun den Ausdruck „Blackfacing“ und entschied sich damit für einen Begriff, der seit etwa 10 bis 15 Jahren im deutschen Sprachgebrauch sei. Das Phänomen, das dieser Begriff beschreibt – das Schwarz-Anmalen von weißen Gesichtern, um Menschen mit einer dunklen Hautfarbe darzustellen –, ist allerdings schon deutlich älter.

Ursprünglich stammt der Ausdruck in der englischen Form „Blackface“ aus dem amerikanischen Theater des 19. Jahrhunderts. In den sogenannten ‚Minstrel-Shows‘ malten sich weiße Darsteller das Gesicht schwarz an und spielten den damaligen rassistischen Stereotypen entsprechend naive, dumme und lustige Sklaven. In Deutschland ist der Begriff laut Jury erst seit der Jahrtausendwende zu beobachten, anfangs noch in Zusammenhang mit Diskussionen über die amerikanische Theatergeschichte, später auch in Bezug auf deutsche Aufführungen.

In letzter Zeit wird der Begriff in der Form „Blackfacing“ verstärkt auch außerhalb des Theater-Kontextes verwendet. Als rassistisch kritisiert wurde Ende 2013 etwa die Fernseh-Show „Wetten, dass …“, in der Dutzende schwarz geschminkter Menschen als dunkelhäutige Kinderfigur „Jim Knopf“ auftraten. Bei der Fußball-WM 2014 sorgten einige deutsche Fans für Aufsehen, weil sie sich beim Spiel gegen Ghana schwarz schminkten. „Blackfacing“-Vorwürfe werden auch in Zusammenhang mit der Sternsinger-Tradition erhoben, bei der einer der Heiligen Drei Könige oft von einem schwarz geschminkten Kind gespielt wird.

Über den Begriff „Blackfacing“ schreibt die Jury: „Diese Praxis gilt weithin als rassistisch, da sie die komplexe Identität einer diskriminierten Gruppe als Kostüm behandelt, das beliebig an- und abgelegt werden kann, und da sie der betroffenen Gruppe die Fähigkeit abspricht, sich und ihre Erfahrungen selbst darzustellen.“ In der Begründung für die Wahl führt die Jury weiterhin an, dass die entsprechende Tradition schon sehr lange existiere, „dass [es] aber erst seit der Entlehnung und Anpassung des englischen Blackface/Blackfacing ein Wort gibt, mit dem diese Tradition benannt und bewertet werden kann“.

Auf die folgenden Plätze kamen die Ausdrücke „Big Data“ als Bezeichnung für riesige Datenmengen und die Methoden ihrer Auswertung sowie „Selfie“, das digitale Selbstporträt mit dem Smartphone. Letzterer war auch der Publikumsliebling.

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