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Wirtschaft

Blackberry geht zielgerichtet in die Nische

Lang, glatt und meistens schwarz. Heutige Smartphones sehen ziemlich uniform aus. Das neueste Handy des kanadischen Herstellers sucht bewusst die Nische. So wie das ganze Unternehmen.

In den 2000er Jahren waren sie "Managers Darling", die Blackberry-Handys des kanadischen Herstellers "Research in Motion". Wenn es bei Meetings irgendwo brummte und in dem kleinen, schwarzen Kasten eine rote Lampe blinkte, dann wusste man: So sieht die Zukunft aus. Denn dass Handys E-Mails empfangen und noch dazu Alarm schlagen, gerade in dem Moment, in dem die Mail im Postfach ankommt, das war seinerzeit neu.

Viel hat sich seitdem getan, Apple und das iPhone haben die Welt erobert, Google und Android-Geräte haben sie anschließend bevölkert. Und für Blackberry blieb nur eine Nische. Diese aber will der Konzern, der inzwischen nicht mehr "Research in Motion" heißt, sondern in "Blackberry" umbenannt wurde, konsequent ausfüllen.

Viel Standard-Technik - und ein quadratischer Bildschirm

Dabei helfen soll das neue Flaggschiff, das Smartphone "Blackberry Passport". Wer es das erste Mal sieht oder in der Hand hält, hat sofort eine Meinung dazu. Und die lautet entweder: "Total hässlich" oder: "Genial, warum ist keiner vorher auf die Idee gekommen?" Dazwischen gibt es wenig. Das Passport-Handy polarisiert - vor allem durch seine Form. Statt möglichst langgezogen ist der Bildschirm quadratisch. Und unter dem Display findet sich eine Tastatur mit echten Mini-Tasten.

Besonderes Highlight: Die Oberfläche dieser Tastatur kann als Touchpad genutzt werden; ähnlich wie bei Laptops, bei denen man den Mauszeiger über einen solchen, berührungsempfindlichen Bereich steuert. Der Rest ist Handy-Technik mehr oder weniger von der Stange: Akku, Kamera, Prozessor, Speicher - alles auf aktuellem technischen Stand, aber nichts, was das Gerät wirklich aus der Masse heraushebt. Nicht weiter schlimm, denn Blackberry hat sich vom Massenmarkt weitgehend zurückgezogen. Die "lukrative Nische" ist das aktuelle Ziel. Und dafür braucht man Geräte, die zwar auffallen, aber keine exotische und damit teure Technik enthalten müssen.

Kontrollieren und verschlüsseln

So wie in den Anfangsjahren sucht Blackberry auch heute seine Kunden vor allem in Unternehmen. Allerdings haben sich die Schwerpunkte deutlich verschoben. Mit der mobilen und schnellen E-Mail-Kommunikation kann man heute nicht mehr punkten; das gehört inzwischen in der gesamten Smartphone-Welt zum Standard. Blackberry packt die Unternehmen aber an zwei Stellen, die für sie interessant sind, die die Massenherstellern aber bis vor kurzem haben links liegen lassen: Eine bessere Kostenkontrolle für alle Geräte der Mitarbeiter und die Verschlüsselung der gesamten Kommunikation.

Einen Teil des Know-Hows dafür hat Blackberry in den letzten Jahren zusammengekauft; erst Ende Juli beispielsweise hat man das Düsseldorfer Unternehmen "Secusmart" übernommen, das unter anderem das Krypto-Handy für Bundeskanzlerin Angela Merkel produziert. In Zeiten, in denen die NSA-Abhöraffäre auch in den Unternehmen für viel Verunsicherung sorgt, scheint dieser Kauf ein kluger Schachzug von Blackberry zu sein.

Wann wird es wieder ungemütlich in der Nische?

BlackBerry CEO John Chen mit dem neuen Passport Smartphone (Foto: rtr)

CEO John Chen

Von der Börse ist der neue Unternehmenskurs schon honoriert worden. Seit dem Amtsantritt des neuen Blackberry-Chefs John Chen im November 2013 ist der Aktienkurs um satte 60 Prozent gestiegen. Kein Vergleich allerdings zum einstigen Höhenflug: Heute liegt der Kurs bei gut 10 Dollar pro Aktie; 2008 - wenige Monate, nachdem Apple das iPhone vorgestellt hatte - waren es noch fast 150 Dollar. Dort wieder hinzukommen, scheint derzeit absolut unrealistisch.

Auch mit dem quadratischen Passport-Handy wird man das nicht schaffen. Aber das Handy sorgt dafür, dass Blackberry im Gespräch bleibt und so die selbst gesuchte Nische gewinnbringend ausfüllen kann. Wie lange das trägt, ist nicht abzusehen. Schon jetzt gibt es Firmen, die mit Software für Standard-Geräte ähnliche Funktionen anbieten wie Blackberry.

Und auch Apple selbst will sich mehr um Unternehmenskunden kümmern und ist dafür vor kurzem eine Partnerschaft mit IBM eingegangen. Gut möglich, dass es in der Nische bald wieder ungemütlich wird - und dass das Blackberry Passport dann ganz schnell wieder vom Markt verschwindet.

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