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Kultur

Björks Popmusik als Kunstwerk

Die isländische Sängerin Björk gilt als Eiskönigin des Pop. Das Museum of Modern Art würdigt ihren eigenwilligen Musikstil und ihre kunstvolle Inszenierung in einer Schau. Sie startete am Internationalen Frauentag.

Eine Ausstellung über das eigene Schaffen im berühmtesten Museum der Welt – welcher Künstler hat davon nicht schon geträumt? Für Popmusiker aber dürfte der Gedanke eher fremd sein, die Musik und Videos ihres Künstlerlebens zwischen Museumswände zu packen. Auch die experimentierfreudige isländische Sängerin

Björk

musste daher erst vom New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) überzeugt werden, dass sich ihr Werk überhaupt ausstellen lässt.

Sie habe sich zwar sehr geehrt gefühlt, aber zunächst abgelehnt, gibt Björk in einem

Interview

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu. Doch vor zwei Jahren machte ein Freund der Popsängerin Mut. "Er sagte: Mach es für die Frauen! Und mach' es für den Sound! Das, fand ich, war ein Argument", berichtet Björk. Pünktlich zum Internationalen Frauentag am 8. März zeigt das

MoMA

nun eine allumfassende Retrospektive dieser bekannten Musikerin, die sich gerne als starke und innovative Frau präsentiert. Drei Monate lang, bis zum 7. Juni, läuft die ungewöhnliche Schau.

Das ganze Leben ist Kunst

Björk Guðmundsdóttir ist übrigens nicht die erste Musikerin, die das MoMA mit einer großen Ausstellung würdigt. Der britische Sänger David Bowie, die deutsche Elektropop-Gruppe Kraftwerk und die New Yorker Rockband Sonic Youth durften sich und ihre Musik bereits im wichtigsten Kunstmuseum der Welt präsentieren. Neu ist diesmal allerdings, dass eine Popsängerin ihr gesamtes Leben als Kunstwerk mit Liedern und Videos, Kostümen und Instrumenten, Filmen und Objekten, Klängen und Vorführungen in Szene setzt.

Dafür hat Björk sogar den neuen Song "Black Lake" geschrieben, der den Besuchern in einer Wiederholungsschleife präsentiert wird. "Es ist eine interessante Aufgabe für eine Musikerin", sagt sie, "dass man an irgendeinem Punkt in den Song einsteigt und er trotzdem einen Sinn ergibt." Die Besucher wandern mit einer interaktiven App und Kopfhörern durch die Welt ihrer Lieder. Auch ihre Musikvideos, Filme, in denen sie mitspielte, und eigens angefertigte Instrumente ihres letzten Albums "Vulnicura" werden ausgestellt.

Ein Wesen zwischen Elfe und Roboter

Die Schau bietet reichlich Stoff, denn die 49-jährige Popsängerin mit den Mandelaugen ist schon lange im Musikgeschäft. Bereits mit elf Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Album, das sie in Island zum Kinderstar machte. 1987 gründete sie die Band "Sugarcubes", mit der sie vier international erfolgreiche Alben bespielte. Sie zog von Island nach London und brachte dort 1993 ihr Soloalbum "Debut" heraus, das mit 3,5 Millionen verkauften Platten auf Anhieb ein Hit wurde.

In ihrer Musik verschmilzt Björk Elemente zahlreicher Musikrichtungen, experimentiert mit Gesang und Instrumenten. Sie arbeitete mit international bekannten Produzenten, Regisseuren, Designern und Fotografen zusammen. Sie schlüpft in unterschiedlichste Kostüme und Rollen, präsentiert sich in ihren Videos als Elfe und Fee, Roboter und strenge Wissenschaftlerin. Weltweit verkaufte sie bislang mehr als 20 Millionen Alben.

In der MoMA-Ausstellung präsentiert sich Björk auch als Roboterfrau (Copyright: MoMA)

Äußerst wandlungsfähig: In der MoMA-Ausstellung präsentiert sich Björk auch als Roboterfrau.

Der Film und die große Liebe

Auch als Schauspielerin versuchte sich die umtriebige Künstlerin. In Lars von Triers Film "Dancer In The Dark" spielte sie eine junge Frau, die an einer Erbkrankheit erblindet und ihren Sohn vor dem gleichen Schicksal bewahren will. Beim Filmfestival in Berlin erntete sie viel Kritik für ihre schauspielerische Leistung, in Cannes dagegen erhielt der Kinostreifen die "Goldene Palme" und Björk wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Im Jahr 2000 lernte Björk den Kunstfilmer Matthew Barney kennen und lieben. Doch 2013 trennten sich die beiden Künstler, die als Traumpaar galten. In ihrem aktuellen Album "Vulnicura" hat die Musikerin den Schmerz der Trennung verarbeitet. Sie singt aber auch von ihrer Heilung. "Die ersten sechs Stücke dokumentieren den Verfall der Beziehung in chronologischer Reihenfolge", erzählte sie dem Fachmagazin

Musikexpress

. "Dann gibt es einen Bruch, und danach handeln die Songs davon, wie es gelingen kann, damit klarzukommen."

Die Tücken der digitalen Welt

Síngen mit offener Wunde: Björk auf dem Cover ihres aktuellen Albums.(Copyright: Björk)

Síngen mit offener Wunde: Björk auf dem Cover ihres aktuellen Albums

Eigentlich sollte das Album gleichzeitig mit der Ausstellung veröffentlicht werden. Doch zwei Monate vorher tauchten die Lieder schon im Internet auf. Björk reagierte nicht verärgert, sondern blieb gelassen und entschied sich, "Vulnicura" sofort herauszugeben. Schließlich wären die Lieder, so sagt sie, ohnehin nicht geeignet gewesen für die Ausstellung. Sie sind wohl ein wenig zu altmodisch, zu traurig – und für die "Eiskönigin des Pop" zu emotional.

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