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Wirtschaft

Bizarre Mülltrennung in Deutschland

Gelbe Säcke, blaue Eimer, grüne Tonnen: Die Deutschen sind international bekannt für ihre Mülltrennung. Aber was gehört wohin? Zum Beispiel eine Zahnbürste? Das wissen viele Deutsche nicht.

In deutschen Haushalten gibt es mehrere Mülleimer: gelbe für Verpackung, blaue für Papier, grüne für Glas, graue für Restmüll. Die Deutschen müssten also eigentlich genau Bescheid wissen, welcher Müll wohin gehört. Doch die Realität sieht anders aus.

Eine Frau legt eine Tüte mit Restmüll in eine Mülltonne (c) dpa - Bildfunk

Mülltrennung als Wissenschaft: Was kommt in welche Tonne?

Die Müllentsorgungsfirma Remondis hat festgestellt, dass beispielsweise in Bonn knapp die Hälfte des Inhaltes in den gelben Tonnen sogenannte "Fehlwürfe" seien, sprich: Es landen Dinge darin, die dort gar nicht hinein gehören. Zum Beispiel Zahnbürsten. Doch laut einer nichtrepräsentativen DW-Umfrage glauben die meisten Bürger, dass Zahnbürsten in die gelbe Tonne gehören.

Das Anfang der 1990er Jahre durch die Verpackungsverordnung eingeführte System sieht eigentlich vor, möglichst viel Kunststoff- und Metallmüll zu recyclen. Deswegen hoffen die Bürger auch, dass sie die Umwelt schonen, indem sie alle Wertstoffe aussortieren. Nicholas Müller von Remondis sagt zur DW: "Bei vielen Bürgern ist verankert, dass in die gelben Tonnen in Prinzip alles geworfen werden kann, was aus Kunststoff ist."

Und da beginnt die Verwirrung: Obwohl eine Zahnbürste aus einem Kunststoffhandgriff und einem plastischen Borstenkopf besteht, ist sie kein "gelber" Müll, weil sie keine Verpackung ist.

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Deutsche haben Umweltbewusstsein

Hohe Kosten für Verwerter

Wenn der Müll in der hochmodernen Anlage von Remondis sortiert wird, erkennt die Maschine Zahnbürsten und ähnliches nicht als Verpackung und sondert sie aus - "Fehlwurf" eben. Nicholas Müller betont, das Entsorgen solcher Fehlwürfe könne sehr teuer sein, denn sie werden mit sämtlichem Restmüll "energetisch verwertet" - im Klartext: verbrannt. Und die Müllverbrennung kostet pro Tonne etwa 100 bis 200 Euro. Im Gegensatz dazu kann er gepresste Kunststoffflaschen oder Aluminium auf dem freien Markt zum guten Preis verkaufen.

Doch nach geltendem Gesetz ist es völlig legal, dass alles verbrannt wird, was falsch entsorgt wird. Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass nur 36 Prozent der Plastikabfälle überhaupt im Recycling landen müssen. Obwohl Experten längst gefordert haben, das System für die Wiederverwertung der Plastikabfälle zu verbessern, haben Müllfirmen weder Pflicht noch Anreiz, mit zusätzlichem Aufwand die Recyclingquote zu erhöhen.

Blick auf eine Müllsortier-Anlage (Foto: afp/getty)

Trennen oder Verbrennen? Nicht immer lohnt sich das Sammeln...

Neue Anlagen für bessere Sortierung

Technisch gäbe es bereits das Potential, auch Zahnbürsten und ähnliches zu recyceln, sagt Arnd Urban, Experte für Abfallwirtschaft an der Universität Kassel, gegenüber der DW. Mit neuartigen Sortieranlagen sei es zwar möglich, die Wiederverwertungsquote zu erhöhen. Aber: "Neue Anlagen kosten Geld, für die Investition, für Personal, für Strom zum Betrieb und ähnliches."

Der ökonomische Vorteil des neuen Systems ist zwar gering, aber der ökologische Vorteil wäre groß. Deshalb soll 2015 ein neues Wertstoffgesetz kommen. Die heutigen gelben Tonnen und Säcke werden dann von sogenannten "Wertstofftonnen" abgelöst. In die gehört dann nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch anderer Plastikabfall - wie zum Beispiel die alte Zahnbürste.

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