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Wirtschaft

Bittersüße Zukunft für Ugandas Zuckerwirtschaft

Das weiße Gold könnte für Uganda ein Weg aus der Armut sein. Doch die internationale Konkurrenz ist mächtig und die EU-Zuckermarktreform wenig hilfreich. Bauern wie Sebidai Kasangaki sind die Leidtragenden.

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Bauern im Westen Ugandas

Sebidai Kasangaki ist kaum noch zu sehen, mitten im fast zwei Meter hohen Zuckerrohr auf dem kleinen Feld hinter seinem Bauernhof. In ein paar Tagen soll es losgehen mit der Ernte, und deshalb schlägt er ein paar Stangen ab, um den Zuckergehalt zu prüfen. Er ist zufrieden.

Auf dem Hof laufen Hühner herum, es gibt Ziegen, ein paar Schweine, drei Kühe. Nur einen der drei Hektar Land, die sie besitzen, haben Sebidai Kasangaki und seine Frau Glandys für Kartoffeln, Bohnen, Mais und Gemüse reserviert. Auf dem größten Teil ihrer Fläche bauen die beiden seit fünf Jahren Zuckerrohr an.

Die Schulgebühren für seine fünf Kinder konnte er nicht mehr zahlen, da suchte er nach neuen Einnahmequellen, erzählt Sebidai, und seit er ins Zuckerrohrgeschäft eingestiegen ist, habe er jedes Jahr ein wenig expandieren können. Seine Frau Glandys stimmt zu: "Der Zucker hat uns etwas gebracht, sagt sie, wir haben die Kinder in der Schule, und wir können uns Salz und Paraffin und andere wichtige Dinge für den Haushalt leisten."

Karte von Uganda

Karte von Uganda

Tatsächlich - ausgerechnet in der Abgeschiedenheit des Masindi District, gut vier Autostunden nordwestlich der Hauptstadt Kampala, wo es kaum Strom gibt oder fließendes Wasser, haben es die Kasangakis für ugandische Verhältnisse zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Ihre Lehmhütte haben sie immerhin durch ein gemauertes Haus ersetzen können. Mehr als 150 Tonnen Zuckerrohr verkaufen sie nach der Ernte komplett an den einzigen Großabnehmer in der Region, die Zuckerfabrik von Kinyara, für umgerechnet knapp elf Euro pro Tonne.

Zucker schafft Barvermögen

Die Kasangakis gehören damit zu den rund 900 so genannten Outgrowers, den Kleinbauern im Masindi District, die per Vertrag ihr selbst angebautes Zuckerrohr an das Unternehmen Kinyara Sugar Works Ltd. liefern. Ein sinnvolles System, weil Bauern gerade hier Märkte für ihr Produkt brauchen. Mit Landwirtschaft für den eigenen Bedarf allein kommen sie aus der Armut nicht heraus. Außerdem sind bei Ugandas anderen Anbauprodukten wie Kaffee oder Tee die Margen für Kleinbauern sehr gering.

Zucker schafft Barvermögen, und das trägt zur Armutsbekämpfung bei - so sieht das auch Rudolf Buntzel, Agrarexperte des Evangelischen Entwicklungsdienstes: "Zucker ist besonders attraktiv. Es gibt eine Fabrik, die einem die Vermarktung garantiert. Die Vermarktung ist ansonsten das größte Problem der Kleinbauern, da es diese wahnsinnigen Transport- und Infrastrukturproblemen gibt. Wenn einem das eine Fabrik abnimmt, ist das ideal."

Folgen der Diktatur

Die Zuckerherstellung ist eine der ältesten Industrien in Uganda, ihre Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1924. Bis in die frühen 1970er-Jahre wurden mehr als 150.000 Tonnen pro Jahr produziert, das meiste davon für den Eigenbedarf - 20.000 Tonnen wurden innerhalb Ostafrikas und auch in die USA exportiert. Diese Entwicklung fand ein jähes Ende, als 1971 Diktator Idi Amin seinen Vorgänger Milton Obote aus dem Amt jagte und eine Schreckensherrschaft errichtete.

Idi Amin

Idi Amin, früherer Präsident in Uganda

Bis zum Sturz von Idi Amin 1979 waren nicht nur 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Auch mehr als 50.000 Asiaten wurden in einem Wahn von Nationalismus vertrieben - darunter auch die indischen Betreiber der ältesten Zuckerfabrik. An die fatalen Folgen erinnert sich auch der Parlamentarier und Gewerkschafter Joram Pajobo: "Idi Amins Regime hat mit den Asiaten genau diejenigen aus dem Land vertrieben, die hier seit der Kolonialzeit die Wirtschaft mit aufgebaut hatten. Wir Ugander blieben zurück, ohne wirtschaftlichen Einfluss. Nichts funktionierte mehr."

Auf diesem Weg sieht sich Uganda seit 1986, als mit Präsident Yoweri Museveni endlich stabile Verhältnisse zurückkehrten - abgesehen vom blutigen Konflikt mit der Lord’s Resistance Army im Norden des Landes. Dass es aber mit Ugandas Wirtschaft aufwärts geht, zeigt sich besonders an der Zuckerindustrie, die sich langsam aber stetig erholt vom völligen Zusammenbruch bis Mitte der 1980er-Jahre.

80 US-Dollar für den Transport

Gegenwärtig hat das Land drei große Zuckerfabriken, die in ihrem weiteren Umfeld kleine, aber beachtliche Inseln des Wohlstands und der Beschäftigung geschaffen haben.

Doch Zucker zu exportieren, ist für Ugandas Zuckerwirtschaft derzeit noch Zukunftsmusik, und das hat viele Gründe: Bisher deckt das Land seinen eigenen Bedarf noch nicht, muss also weiterhin Zucker importieren und vornehmlich für sich selbst produzieren. Und das zu Preisen, die auf dem Weltmarkt derzeit keine Chance hätten - auch weil die Binnenlage das Land dazu zwingt, bis zu 80 US-Dollar pro Tonne Zuckerrohr für den Transport zum nächsten Hafen zu investieren - der liegt nämlich im kenianischen Mombasa. Im Zuge der politischen Instabilität nach Obote und Idi Amin hat Uganda seine Exportquoten für die EU verloren. Zudem würde die Europäische Union ohnehin nur Rohzucker einführen, den sie dann als raffinierten Weißzucker wieder exportieren könnte.

Schwieriger Weltmarkt

Uganda gehört zu den AKP-Staaten, die nach dem Lomé-Abkommen grundsätzlich Handelspräferenzen der Europäischen Union (EU) genießen. Gleichzeitig ist Uganda ein so genanntes LDC-Land, eines der Least Developed Countries, also eines der am wenigsten entwickelten Länder. Diese LDC-Länder haben seit ein paar Jahren die Möglichkeit, im Rahmen der Initiative "Alles außer Waffen" ohne Mengenbegrenzung und zollfrei in die EU einzuführen.

Zucker

Bei Zucker gilt das allerdings erst ab 2009. Genau hier kommt die bevorstehende Reform des EU-Zuckermarktes ins Spiel. Dieser Markt muss reformiert werden, das hat die Welthandelsorganisation WTO nach einer Klage der großen Zuckerexportländer wie Brasilien so entschieden: Die hohen Subventionen für teuer produzierten europäischen Zucker schützen bisher die europäischen Bauern und garantieren ihnen einen hohen Preis. Das verzerrt den Wettbewerb, denn Europa wirft jedes Jahr etwa fünf Millionen Tonnen Zucker billig auf den Weltmarkt, drückt so künstlich die Preise und bringt Produzenten in Entwicklungsländern um ihre Einnahmen.

Die EU schüttet das Kind mit dem Bade aus

Damit soll jetzt Schluss sein - aber die Pläne der EU verheißen nichts Gutes. Denn statt die Quoten für Zuckerexporte zu kürzen, wird der garantierte Zuckerpreis massiv um 42 Prozent gesenkt. Das bedeutet für Entwicklungsländer wie Uganda, dass der Nutzen der Initiative "Alles außer Waffen" für sie gering wäre - auch ohne Quotenbegrenzung, weil sie auf dieses niedrige Preisniveau überhaupt nicht vorbereitet sind. Letztlich, so Buntzel vom Evangelischen Entwicklungsdienst, wird weder das Exportdumping beseitigt, noch der Marktzugang für die ärmsten Länder verbessert.

Was daraus zu lernen ist? Die EU schüttet das Kind mit dem Bade aus. Und eine weltweite Liberalisierung des Zuckermarktes nach Gusto der Bürokraten der EU bringe gar nichts, sagt Buntzel: "Der Süden ist nicht homogen. Und eine weltweite Liberalisierung des Zuckermarktes würde bedeuten, dass Brasilien, Thailand und Australien auch die Entwicklungsländer überschwemmen würde mit Zucker. Die guten Ansätze würden platt gemacht - obwohl hier die besten Voraussetzungen für Zucker sind."

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