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Kultur

Bitterlemons - eine israelisch-palästinensische Internetzeitschrift

Wenn ein ehemaliger Mossad-Mitarbeiter und ein palästinensischer Ex-Minister miteinander telefonieren, dann kann dabei auch eine spannende Wochenzeitschrift entstehen.

Palästinensisches Flüchtlingslager im Gaza-Streifen

Eigentlich könnten sie Feinde sein: Yossi Alpher, früherer Mitarbeiter des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, und Ghassan Khatib, ehemaliger Minister für Arbeit der Palästinensischen Autonomiebehörde. Und dennoch arbeiten die beiden seit langer Zeit eng zusammen. Seit November 2001 geben sie "bitterlemons" heraus: eine wöchentliche Zeitschrift zum israelisch-palästinensischen Konflikt, die über das Internet ihre Leser findet.

Yossi (Joseph) Alpher

"Wir richten uns an Eliten und publizieren nur in Englisch", sagt Yossi Alpher, der Berater des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak. "Und das Grundprinzip ist Vielfältigkeit sowie zivilisierte Diskussionen über unterschiedliche Meinungen." Ihre Zeitschrift, bitterlemons.org, funktioniert dank klarer Regeln: Jede Woche nur vier Texte zu einem Thema - zwei israelische und zwei palästinensische. Streit zwischen den beiden Herausgebern gibt es nicht, sagt Ghassan Khatib. "Israelis und Palästinenser können über bestimmte Dinge uneinig sein, bei anderen können sie aber auch der gleichen Meinung sein. Yossi Alpher und ich waren uns darüber einig, dass man sich über bestimmte Themen in einer zivilisierten Art und Weise austauschen können muss."

Einigkeit nur über das Thema der Woche

Sobald sich die beiden auf ein Thema geeinigt haben, folgen Schritt zwei und drei ihrer gemeinsamen Arbeit. "Ghassan kennt die palästinensische Szene und ich die israelische", sagt Yossi Alpher. "Haben wir uns auf ein Thema geeinigt, dann frage ich mich: Was werde ich darüber schreiben? Und dann suche ich nach jemandem mit einer anderen Meinung - das kann ein Linker oder ein Rechter sein." Einigkeit herrscht oft nur über das Thema der wöchentlichen Ausgabe. "Er hat seine Meinung und ich meine. Er sucht die israelischen Co-Autoren und ich die palästinensischen”, fügt Ghassan Katib hinzu. Wie etwa den Hamas-Experten Hisham Ahmed, den Khatib für die aktuelle Ausgabe interviewt hat.

Ghassan Khatib

Denn diese Woche haben sich die beiden Herausgeber und Autoren darauf geeinigt, den wachsenden Einfluss islamistischer Gruppen auf den israelisch-palästinensischen Konflikt zu diskutieren. Während Yossi Alpher über die strategische Gefahr islamistischer Gruppen für Israel schreibt, blickt Ghassan Khatib dagegen zuerst besorgt auf die Hamas und die Einflüsse von islamistischen Gruppen von außerhalb. "Wird die Hamas ihre Wahlversprechen gegenüber der Bevölkerung nicht einlösen können und wird Israel mit amerikanischer Unterstützung an seiner Politik festhalten, die jede politische Lösung und ökonomische Verbesserung verhindert, dann wird das in naher Zukunft ein Umfeld schaffen, das es noch extremeren Gruppen leichter machen wird, in einigen Gegenden von Palästina, wie etwa Gaza, Fuß zu fassen."

Wie die Königskinder

Yossi Alpher und Ghassan Khatib sind wie die zwei Königskinder - der eine im Norden von Tel Aviv, der andere in Ramallah. Nur selten können sie zusammenfinden. Nicht das Wasser ist so tief, sondern die Mauer zwischen beiden so hoch - die Mauer zwischen Israelis und Palästinensern. "Wir treffen uns nur selten und müssen uns telefonisch auszutauschen", sagt Ghassan Khatib. "Kommentare und Vorschläge schicken wir per Mail." Treffen können sie sich nur im Ausland, auf Tagungen oder Konferenzen. "Denn ich darf wegen der Einschränkungen durch die israelische Besatzung nicht nach Israel und Yossi darf nicht in die palästinensischen Gebiete reisen", bedauert Ghassan Khatib.

Kennen gelernt haben sie sich auf einer Diskussionsveranstaltung der Harvard-Universität, Anfang der 1990er Jahre. Danach trafen sie in Arbeitsgruppen im Rahmen der Nahostfriedenskonferenz von Madrid wieder aufeinander. Längst haben sie eine größere Leserschaft erreicht, als sie sich anfangs vorstellen konnten. "Unsere Artikel finden sich auf syrischen Internetseiten, in der libanesischen Presse, auf iranischen Internetseiten, in Saudi-Arabien, der israelischen Presse und in der ganzen Welt", sagt Yossi Alpher. "Das führt dazu, dass wir jede Woche etwa 100.000 Leser erreichen und dass 'bitterlemons' in viele Sprachen übersetzt wird: Arabisch, Hebräisch, Portugiesisch, Französisch und viele mehr, von denen wir es wahrscheinlich nur noch nicht wissen."

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