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Global Ideas

Bitte einsteigen!

Zugegeben: Neben Elektroauto, Hybridantrieb und Pedelec hört sich Zugfahren erst einmal nicht so spannend an. Und doch gibt es auch nach 200 Jahren Bahngeschichte auf der Schiene noch immer viel zu entdecken.

Fahrgäste steigen in S-Bahn ein

Einsteigen, Aussteigen, Gleis wechseln - Alltag beim Bahnfahren

Um direkt mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die Ansage „Der Zug verspätet sich um soundsoviel Minuten“ haben wir auf unserer Reise erstaunlich selten gehört. Das ist bemerkenswert, denn immerhin haben wir auf unserer Fahrt quer durch den Süden Deutschlands über 1500 Kilometer hinter uns gebracht und dabei auch Dorfbahnhöfe wie Altenstadt, Kämpfelbach-Bilfingen und Langenprozelten kennengelernt. Doch alles der Reihe nach.

Vorsicht bei der Einfahrt

Garmisch-Partenkirchen mit Alpen im Hintergrund

Alpine Idylle: Hier in Garmisch ging unsere Reise los

Los ging's mit unserem Schienenabenteuer am Fuße der Alpen, genauer gesagt am Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen. Unsere wichtigste Ausrüstung: Neben Aufnahmegerät, Handy und Fotokamera hatten wir einen ganzen Stapel an Fahrkarten und Sitzplatzreservierungen im Gepäck, die uns auch an die abgelegensten Orte der Republik bringen sollten.

Gerade die Sitzplatzreservierungen waren eine verhältnismäßig kleine, aber doch überaus sinnvolle Investition - bei drei Koffern, fünf Taschen und häufig jeder Menge Menschen im Zug. Die Bahn spricht von sogenannten Stoßzeiten. Die sind vor allem zum Ferienanfang, vor Feiertagen sowie freitags und sonntags abends, wenn die Wochenend-Pendler unterwegs sind. Hinzu kommen natürlich der übliche Berufsverkehr, Messen und große Sportereignisse.

Schlecht für die Stimmung, gut fürs Klima

Volll besetzter ICE

Ein voll besetzter ICE - gut, dass wir eine Reservierung hatten

Doch neben diesen rational erklärbaren Stoßzeiten hatten wir es auch mit einer Reihe scheinbar unerklärlicher Phänomene bei der Zugauslastung zu tun. So war an einem normalen Wochentag um die Mittagszeit der ICE zwischen Freiburg und Karlsruhe absolut voll, ein Regionalexpress in Pforzheim zur Rushhour dafür fast menschenleer. Also, eine Sitzplatzreservierung lohnt sich bei Fernverkehrszügen in jeden Fall. In Zügen des Nahverkehrs – also Regionalbahn, Regionalexpress und Interregio – ist eine Reservierung ohnehin nicht möglich und Stehen ist manchmal leider die einzige Alternative.

Ein Trost dabei: Je voller der Zug, desto besser ist es für das Klima. In einem durchschnittlich besetzten ICE verbraucht jeder Fahrgast umgerechnet rund 2,5 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Schon da ist die Bahn eindeutig im Vorteil gegenüber dem Auto, das pro Person auf ca. 5,5 Liter kommt. Ist die Auslastung des Zugs aber über dem Durchschnitt, verbessert sich seine Bilanz im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln noch einmal deutlich.

Endstation Altenstadt

Symbole im Zug - keine Zigarette, kein Handy

Keine Zigartte, kein lautes Handy: die Bahn ist sauber - und manchmal auch ein wenig streng

Doch ganz auf die Unterstützung von Verbrennungsmotoren konnten auch wir nicht verzichten. Um nach Gutenzell zu kommen, einer 1.800-Einwohner-Gemeinde in Oberschwaben, führte kein Weg an einem Taxi vorbei. Der nächstgelegene Bahnhof in Altenstadt ist immerhin knapp 15 Kilometer entfernt, einen Bus gibt es nicht. Solche "Seitensprünge“ gehen natürlich ins Geld. Doch preiswert ist Bahnfahren ja ohnehin nicht: Für unsere gesamte Route von Garmisch über Altenstadt, Freiburg, Pforzheim und Würzburg bis nach Nierderdorla, der geografischen Mitte Deutschlands, haben wir ohne Ermäßigung 245 Euro pro Person bezahlt.

Dafür hatten wir – zumindest was die Fortbewegung angeht – eine erfreulich stressfreie Reise. Wir konnten während der Fahrt lesen, arbeiten, schlafen, mit anderen Fahrgästen ins Gespräch kommen oder einfach die idyllische süddeutsche Landschaft an uns vorbeiziehen lassen. So sind wir im Vergleich zu unseren motorisierten oder muskelstarken Kollegen sicherlich am entspanntesten an unserem Zielort angekommen. Und sogar pünktlich.

Autor: Jan-Philipp Scholz

Redaktion: Monika Griebeler