Bitcoin - lässt die Südsee-Blase grüßen? | Wirtschaft | DW | 06.01.2018
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Kryptowährungen

Bitcoin - lässt die Südsee-Blase grüßen?

Trotz vieler Warnungen setzen viele auf Bitcoin und das schnelle Geld. Manche Experten sehen das Platzen einer Blase kommen - ähnlich wie im 18. Jahrhundert, als Südsee-Inseln märchenhaften Reichtum versprachen.

Es gibt sie - die Pioniere, die zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher haben und investieren, wo andere nur Wüste oder verstaubte Garagen sehen. Unter den Wüsten fanden die Glücklichen mitunter schwarzes Gold, aus einer Garage erwuchsen zum Beispiel die Giganten Apple, Google oder Microsoft. Einer, der einen solchen Riecher hat, ist der deutschstämmige Internet-Investor Peter Thiel. Er hat den Bezahldienst Paypal mitgegründet, er hat früh in Unternehmen wie Facebook oder Airbnb sein Geld gesteckt - und es so zum Milliardär geschafft.

USA Peter Thiel und Elon Musk von PayPal (picture-alliance/AP Images/P. Sakuma)

Im Jahr 2000: Peter Thiel (links), damals noch Chef von PayPal - zusammen mit PayPal-Gründer Elon Musk.

Und seine Erfolgsstory hält offenbar an. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat einer seiner Fonds für 15 bis 20 Millionen Dollar Bitcoins gekauft. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die digitale Währung weit entfernt stand von ihrem aktuellenWert von rund 15.000 Dollar. Der Erfolg von Menschen wie Peter Thiel ist Teil der Erklärung, weswegen - trotz all der Warnungen - viele Menschen nicht loslassen können vom digitalen Goldrausch des 21. Jahrhunderts.

Von Tulpen und Südesee-Inseln

"Der soziale Vergleich spielt hier eine wichtige Rolle", sagt Joachim Goldberg. Er ist Verhaltensökonom und beschäftigt sich unter anderem mit der Motivation, die Menschen dazu bringt, ökonomische Risiken einzugehen - trotz aller Warnhinweise vor Verbrennungsgefahr oder Totalverlust. "Geschichten von Erfolgen machen die Runde unter Nachbarn, Niederlagen werden verschwiegen. Und Digitalwährungen wie der Bitcoin verheißen zudem schnellen Reichtum, ohne dass man etwas über Digitalwährungen wissen müsste."

Keukenhof Niederlande Tulpen 2017 (DW/V.Kropman)

Heute unvorstellbar, dass diese Blumen einst einen Börsencrash ausgelöst haben

Was natürlich nicht richtig ist. Kritiker wenden ein, dass hinter dem Bitcoin kein realer Wert stehe. Sie vergleichen den aktuellen Hype um die digitalen Währungen  mit der Tulpenblase im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. Diese Tulpenmanie gilt als einer der ersten Börsencrashs in der Geschichte. Die Blumenzwiebeln waren heiß begehrt. Nur entkoppelte sich in der Folge der Preis für das Grünzeug und stieg in schwindelerregende Höhen. Bis dann der Absturz kam.

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Joachim Goldberg zieht eine andere Parallele zur derzeitigen Manie um die digitalen Währungen. Er vergleicht sie mit der Südsee-Blase. Anfang des 18. Jahrhunderts versprachen Südsee-Inseln mit ihren exotischen Waren und Rohstoffen märchenhafte Gewinne. Handelsgesellschaften gaben Aktien heraus, deren Wert explodierte. "Keiner wusste genau, was die machten, aber alle wollten mitmachen und profitieren - das ist bei den digitalen Währungen heute ähnlich", meint Goldberg.

Nobelpreisträger für Verbot

An Warnungen vor einer Blase der digitalen Währungen jedenfalls mangelt es nicht.  Der berühmte Investor Warren Buffet nennt Währungen wie Bitcoin einen "Betrug". Der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Shiller warnt vor dem Platzen der Bitcoin-Blase. Und Joseph Stiglitz, ebenfalls Ökonom und Nobelpreisträger, fordert sogar ein Bitcoin-Verbot. Das hat die US-Bank Merrill Lynch gerade konzernintern ausgesprochen. Sie verbietet ihren rund 17.000 Beratern, Bitcoin-bezogene Investitionen zu tätigen und Kundenanfragen für den Handel mit einem bestimmten Bitcoin-Fonds auszuführen.

Steht nun ein Absturz des Bitcoin bevor? Hier scheiden sich die Geister. Denn es gibt durchaus Prognosen, die dem Aufstieg der Digitalwährungen mindestens noch etwas Zeit geben; und Schätzungen, die von einem deutlichen Anstieg der Kurse von Digitalwährungen ausgehen. Fest steht: Der Bitcoin-Kurs schwankt unglaublich stark. War er im vergangenen Jahr von 1.000 auf zeitweise 20.000 Dollar gestiegen, folgte im Dezember wieder ein heftiger Absturz. Mittlerweile hat sich der Bitcoin wieder auf rund 15.000 Dollar verteuert.

Man muss nicht ins Silicon Valley reisen, um Bitcon-Profiteure wie den deutschen Internetmilliardär Peter Thiel zu finden. Hendrik Leber arbeitet für eine bodenständige Vermögensberatung in Frankfurt mit dem Namen Acatis. Für seine Fondsgesellschaft hat auch er einige Millionen Euro in Bitcoin investiert - ebenfalls zu einem Zeitpunkt, als der Bitcoin  bedeutend billiger war als heute. Und er will dieses Geld auch genau dort belassen, wo es ist: In verschiedenen Digitalwährungen. "Das sind für mich Langzeit-Investments", sagt Leber. Er denke gar nicht daran, nun zu verkaufen. Denn er ist einer von denjenigen, die noch an deutliche Steigerungen von Bitcoin und Co. glauben. Bisher jedenfalls gibt ihm seine Strategie Recht.

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