1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Biswas: "Chinesische Touristen meiden Malaysia"

Über einen Monat ist es her, dass Malaysia Airlines-Flug MH 370 verschwunden ist. Der Vorfall hat in China zu anti-malaysischen Protesten geführt, die nach Ansicht des Ökonomen Rajiv Biswas wirtschaftliche Folgen haben.

Deutsche Welle: Warum hat sich der Zorn vieler Chinesen in erster Linie gegen die malaysischen Autoritäten gerichtet?

Rajiv Biswas: Es gibt eine verständliche Frustration nicht nur in China, sondern in der ganzen Welt darüber, dass ein Passagierflugzeug einfach so verschwinden kann und dass es trotz internationaler Suchmission so schwierig ist, den Absturzort genau zu bestimmen. Die Öffentlichkeit war auch irritiert über die teils widersprüchlichen Angaben der malaiischen Behörden über Flug MH 370.

Viele können auch nicht glauben, dass militärische Luftverteidigungssysteme nicht in der Lage sein sollen, ein großes Passagierflugzeug, das von seiner Flugroute abweicht, aufzuspüren. Eigentlich sollte das Militär genau das tun: Flugzeuge aufspüren, auch wenn sie keine Signale senden. Das ist ja die Aufgabe des Militärs etwa bei der Terrorismusabwehr oder militärischen Bedrohungen.

Was werfen viele Chinesen den malaysischen Behörden vor?

Es ist verständlich, dass die Chinesen hoch emotional reagieren. Die weltweite Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung durch die Medien und der dabei gezeigte Schmerz der Angehörigen haben sich in China zu einem sehr negativen Bild verdichtet.

Inwiefern hat dieses Negativbild einen Einfluss auf die bilateralen ökonomischen Beziehungen?

Man muss wissen, dass China seit 2009 der wichtigste Handelspartner für Malaysia ist. Deswegen ist das südostasiatische Land in besonderer Weise von jedem Handels- und Investitionsrückgang aus Peking betroffen. China ist der drittgrößte ausländische Investor und zentral für den malaysischen Tourismussektor, der Wesentliches zur Wirtschaft des Landes beiträgt. 2013 haben fast zwei Millionen Chinesen Malaysia besucht. Jüngste Berichte belegen, dass die Buchungen nach dem Verschwinden von MH370 eingebrochen sind. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass dieser Einbruch von langer Dauer ist.

Die chinesisch-malaysischen Wirtschaftsbeziehungen sind nämlich im letzten Jahrzehnt stark gewachsen und betrugen 2013 mehr als 72 Milliarden Euro. Der Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping in Malaysia im Oktober 2013 hat die bilateralen Verbindungen weiter gestärkt. Die enge kulturelle Bindung zwischen Malaysia und China, die von der großen chinesischstämmigen Ethnie in Malaysia ausgeht, wird die wirtschaftlichen Verbindungen weiter vertiefen.

Rajiv Biswas

Rajiv Biswas Chefökonom für die Asien-Pazifik-Region am IHS

In China kam es zu Boykottaufrufen. Die Menschen sollten keine Waren aus Malaysia mehr kaufen.

Das führt vielleicht zu einem Rückgang bei Immobiliengeschäften. Viele Festlandchinesen haben in den letzten Jahren Wohnungen und Häuser in Malaysia gekauft. Aber auch in diesem Fall ist keine langwierige Beeinträchtigung zu befürchten. Einen systematischen Boykott aller Waren aus Malaysia erwarte ich auch nicht.

Sollte die Blackbox gefunden und das Rätsel um Flug MH 370 gelöst werden, könnte das die Spannungen zwischen China und Malaysia reduzieren?

Das Auffinden des Flugzeuges würde helfen, die Beziehungen zu normalisieren. Allerdings wird es sicherlich lange dauern, bis die Gründe für das Verschwinden von MH 370 aufgeklärt werden - wenn sie überhaupt jemals geklärt werden können.

Was tun beide Regierungen, um Vertrauen zurückzugewinnen?

Zwar sind die Reaktionen chinesischer Bürger teilweise sehr heftig gewesen, aber die übergeordneten politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen China und Malaysia betrachtet die Regierung in Peking unter einer langfristigen Perspektive. Eine einzige Tragödie wird die wirtschaftlichen Beziehungen nicht langfristig belasten.

Die malaysische Regierung hat darüber hinaus große Anstrengungen unternommen, um die chinesische Regierung und die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Das wird ebenfalls helfen, um in China die negative Einstellung gegenüber Malaysia aufzulösen.

Seit einem Monat sind Suchspezialisten aus mehreren Ländern damit befasst, den Indischen Ozean nach dem Flugzeug abzusuchen. Was wissen Sie über die Kosten und wer übernimmt diese?

Die geschätzten Kosten der internationalen Suchaktion betragen bisher 36 Millionen Euro. Doch die Suche dauert noch an und eine eventuelle Bergungsoperation kann leicht weitere 36 Millionen Euro kosten. Die Regierungen der USA, Großbritanniens und Australiens haben zugesagt, die Unkosten für militärisches Gerät und die Spezialisten aus dem eigenen Verteidigungshaushalt zu übernehmen. Sie wollen zeigen, dass sie sich weltweit kooperativ an solchen Rettungsmissionen beteiligen.

Rajiv Biswas ist Chefökonom für die Asien-Pazifik-Region am IHS in Singapur, einem globalen Thinktank für Wirtschaft und Ökonomie.