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Wirtschaft

Bislang größte Firmenübernahme in Russland

Das staatliche Energie-Unternehmen Gazprom kauft dem Milliardär und Eigner von Chelsea London Abramowitsch den Ölförderer Sibneft ab. Mit dem Schritt weitet der Kreml seinen Einfluss auf die Ölreserven des Landes aus.

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Mehr Erdöl für den Kreml: Putin (l.) und Abramowitsch

In der bislang größten Konzernübernahme Russlands hat sich der staatlich kontrollierte Gasförderer Gazprom für rund elf Milliarden Euro die Mehrheit am Ölunternehmen Sibneft gesichert. Knapp 73 Prozent des bislang vom Milliardär Roman Abramowitsch kontrollierten Sibneft-Konzerns gehen mit Hilfe eines westlichen Bankenkredits an Gazprom. Darauf einigten sich der weltweit größte Gasförderer und der Sibneft-Hauptaktionär am Mittwoch (28.9.) in Moskau.

Zusammen mit einer bereits gehaltenen kleinen Beteiligung addiert sich der Gazprom-Anteil nun auf knapp 76 Prozent. Der Ölkonzern gilt als hochprofitabel. Nach Medienberichten betrug sein Reingewinn im Jahr 2004 umgerechnet 1,7 Milliarden Euro.

Größter ausländischer Kredit in Russland

Roman Abramovich Eigner von Sibneft

Roman Abramowitsch, Eigner von Sibneft

Der Einstieg bei Sibneft markiert für Gazprom einen Meilenstein auf dem Weg von einem Quasi-Ministerium aus Sowjetzeiten zu einem der größten Energiekonzerne der Welt. An Gazprom hält die deutsche E.ON Ruhrgas derzeit rund 6,5 Prozent der Anteile. Sibneft war bisher mehrheitlich im Besitz der Holding Millhouse Capital des russischen Oligarchen Abramowitsch. Der 38-Jährige ist Gouverneur der abgelegenen ostsibirischen Provinz Chukot und Eigner des britischen Ligaclubs Chelsea London. Mit dem Verkauf der Sibneft-Aktien trennt sich der Milliardär von seinen letzten großen Vermögenswerten in Russland.

Zur Finanzierung des Kaufs verhandelt Gazprom nach russischen Presseberichten mit ABN Amro, der Dresdner Bank, Citigroup, Credit Suisse First Boston, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Mit einer Größenordnung von rund zwölf Milliarden US-Dollar wird dies der mit Abstand größte ausländische Kredit in der Geschichte Russlands sein. Aus dem Umfeld der Kreditgeber wurden in den vergangenen Tagen Medienberichte dementiert, wonach das Finanzgeschäft bereits unter Dach und Fach sei.

"Positiv für beide Seiten"

Finanzexperten werteten die Übernahme als positiv für beide Seiten. "Ein internationales Bieterverfahren für Sibneft hätte den Preis in die Höhe getrieben", meinte der Fondsmanager Bill Browder von Hermitage Capital Management gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Abramowitsch andererseits verkaufe ein Unternehmen für über elf Milliarden Euro, für das er vor neun Jahren nahezu nichts bezahlt habe.

Der Kreml bekommt mit der Übernahme Zugriff auf den nach Lukoil, TNK-BP, Rosneft und Surgutneftegas fünfgrößten Ölkonzern des Landes. Im vergangenen Jahr 2004 förderte Sibneft ingesamt 34,04 Millionen Tonnen Öl.

Kritik am Kreml

Hauptquartier von Gazprom

Gazprom Hauptquartier in Moskau

Kritiker werfen der Regierung von Präsident Wladimir Putin vor, über Gazprom den Anfang der 1990er-Jahre privatisierten Energiesektor wieder verstaatlichen zu wollen. Der russische Staat will seinen Anteil an dem profitreichen Gas-Unternehmen bis Ende Dezember für 7,1 Milliarden US-Dollar um weitere zehn Prozent auf über 50 Prozent aufstocken. Auch der Sibneft-Rivale Rosneft wird bereits vom Kreml kontrolliert. Rosneft hatte Ende 2004 die wichtigste Fördertochter des größtenteils zerschlagenen privaten Ölkonzerns Yukos - Yukanskneftegas - übernommen. Eine Fusion zwischen Rosneft und Gazprom war allerdings an einem Streit zwischen beiden Unternehmen gescheitert.

Nach dem Gazprom-Einstieg bei Sibneft liegen etwa 30 Prozent der russischen Ölproduktion wieder in staatlicher Hand. (ert)

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