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Kultur

Bischofssynode: Reden, beten und streiten

Nach heftigen Kontroversen unter Kardinälen hat Papst Franziskus im Vatikan die Bischofssynode zum Thema Familie eröffnet. Klar ist: Die nächsten zwei Wochen werden zur Debatte zwischen Erneuerern und deren Gegnern.

Für Bilder der Eintracht ist der Vatikan immer gut. Da zogen in langer Reihe gut 60 Kardinäle in den Petersdom ein, noch weit mehr Bischöfe, einige Patriarchen in ihren goldgelb leuchtenden Gewändern und ganz am Ende Papst Franziskus. Er eröffnete mit einem Gottesdienst die mit Spannung erwartete Außerordentliche Bischofssynode der katholischen Kirche zum Thema Familie.

Aber Eintracht hin, geschlossene Reihen her, auch aus der Predigt des Papstes sprach die Spannung dieser römischen Tage. Da warnte er vor einer eitlen Debatte, vor einem Wettbewerb, "wer intelligenter ist". Die kirchliche Lehre sei nicht das alleinige Kriterium, denn der Geist Gottes schenke Weisheit, "die über das Wissen hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten".

Franziskus sagte kaum etwas über mögliche Ergebnisse, aber sehr viel über Stil. In den vergangenen Tagen hatten sich Befürworter einer - zurückhaltenden - kirchlichen Öffnung mit Blockierern einen Schlagabtausch geliefert, wie er, gelinde gesagt, selten ist in der römischen "Zentrale".

Stichwort Barmherzigkeit

Im vorderen Teil der sonntäglichen Festgemeinde zogen auch die Kurienkardinäle Gerhard Ludwig Müller, Raymond Leo Burke und George Pell in den Petersdom ein. Näher am Papst folgten Walter Kasper und Christoph Schönborn. Kasper will - Stichwort "Barmherzigkeit" - begrenzte Zugeständnisse der Kirche an wiederverheiratete Geschiedene, die die Kirche derzeit von den Sakramenten ausschließt. Schönborn zieht wohl mit ihm an einem Strang.

Der US-Amerikaner Burke nannte Kasper hingegen "unverschämt", der Australier Pell erklärte, dass Kaspers Denken doch kaum päpstliches Denken sein könne, und der Deutsche Müller meinte, dass zu diesem Thema wirklich alles schon geschrieben und gesagt sei.

Ist es vielleicht aber nicht. Katholiken aus vielen Ländern hatten vor einen Jahr den Wunsch nach Änderungen der strikten kirchlichen Linie beim Familienbild und der Sexualmoral signalisiert. So geht es bei den Gesprächen der 191 "Synodenväter" - Kardinäle und Bischöfe aus mehr als 100 Ländern - und weiterer Berater und Beraterinnen auch um gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Paare ohne Trauschein, Sexualmoral, Familien in Armut und Schwierigkeiten bei der Erziehung.

Dabei hat die katholische Basis weltweit wohl ganz unterschiedliche Probleme mit der Lehre. In Mitteleuropa dominieren der Umgang mit Scheidung und Homosexualität, in Afrika ist es die auch unter Katholiken verbreitete Polygamie, in Lateinamerika, dem Heimatkontinent des Papstes, die wirtschaftliche Not, die Familien auseinanderreißt.

Papst Franziskus beim Auftakt der Außerordentlichen Synode im Vatikan (Foto: Getty Images/F. Origlia)

Keine leichte Aufgabe für Papst Franziskus

"Riss in der Mauer"

In Rom hat die Basis der "Kirchenreformer", der bald 20 Jahre alten internationalen Bewegung "Wir sind Kirche", in diesen Tagen Quartier gefunden bei Dominikanerinnen auf der anderen Seite des Tiber. Die Schwestern begrüßen die Journalisten, die zur Pressekonferenz kommen, so freundlich wie die (zahlreicheren) Obdachlosen Roms, die zur klösterlichen Armenspeisung pilgern.

Bei der Pressekonferenz sitzen dann acht Repräsentanten auf der Bühne, allesamt von der Nordhalbkugel der Erde. Sie wollen mehr Rechte für ehemalige Priester und Frauen ohne kirchliches Amt, für Lesben, Schwule, Transgender - und für wiederverheiratete Geschiedene. Sie sprechen zwar nicht immer mit einer Stimme, aber in einem sind sie sich doch einig: Die katholische Kirche könnte nach vielen Jahren der Erstarrung an einem Wendepunkt stehen. Miriam Duignan aus London etwa spricht von einem "Riss in der Mauer". Es sei "wie mit der Berliner Mauer. Wenn man bei einem Detail sagt 'wir ändern was', dann kann man auch andere Punkte diskutieren und ändern."

Die kritische Basis kann bei der Pressekonferenz, die auf Englisch und Italienisch mit Simultanübersetzung stattfindet, auf umfassende internationale Studien von Meinungsforschern verweisen. Die Sehnsucht nach Änderung ist da, nur bei der Frage, wo denn die Reformer aus den südlichen Ländern seien, werden die Äußerungen merkwürdig vage. Man habe sie vorher auf "Schattensynoden" gehört, die Wege seien zu weit, die Reisen zu teuer. Mehr als jeder zweite Katholik weltweit spricht Spanisch, hier spricht niemand Spanisch.

"Betet für mich"

Papst Franziskus spricht nach der Messe von "zwei intensiven Wochen", die nun anstünden. Etwas überraschend hat der Vatikan vor einigen Tagen erklärt, die Synode solle nicht nur Vorschläge für einen Text des Papstes, sondern mutig eine eigene Erklärung vorlegen. Über diese könne dann bis zur "Ordentlichen Bischofssynode" zum gleichen Thema weltweit debattiert werden.

Franziskus scheint um die Herkulesaufgabe zu wissen, die darin besteht, zwischen den unterschiedlichen Lagern zu vermitteln. Immer wieder spricht er vom Heiligen Geist, bittet die Gläubigen um ihr Gebet, schließt auch seinen Mittagssegen mit einem "Betet für mich". Römische Journalisten twittern in diesen Tagen mit dem Hashtag "synod14". Bei den Tweets des Papstes heißt es "prayforsynod".