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Deutscher Fußball-Botschafter

Bischof: "Fantastische Arbeit im Hintergrund"

Initiator Roland Bischof spricht im DW-Interview über gesellschaftliches Engagment, kleine Geschichten und die Einfachheit des Fußballs. Er hat erlebt, wie viel ein Einzelner bewirken kann - positiv wie auch negativ.

Wann hat es alles angefangen und wie kam es überhaupt zu der Idee?

Die Idee kam 2011. 2012 haben wir sie öffentlich bekannt gemacht und ab 2013 gibt es die Preisverleihung. Angefangen hat es alles auf einer der vielen Reisen. Ich habe immer gesehen, dass Fußball ein Schlüsselprojekt ist. Es hat was mit Austausch zu tun, aber vor allem habe ich ein Leben lang Deutsche getroffen. Die einen haben sich klasse engagiert und bei anderen war es eher "Fremdschämen", aber das haben wir auseinander gehalten. Die Frage war: Wie verbindet man Fußball mit dem Engagement der Deutschen im Ausland? Da war die Idee auch schon da und ich musste mich absichern, dass ich da keinen "Tunnelblick" habe. Dementsprechend habe ich mit Rainer Holzschuh (Herausgeber des Fußballmagazins "Kicker", Anm. d. Red.) gesprochen, der auch vierzig Jahre Fußballerfahrung hat, und wollte wissen, was er davon hält. Wir wurden immer mehr zu Partnern, sind der Idee immer weiter nachgegangen und es macht nach wie vor einen riesen Spaß.

Wie haben Sie das Projekt konkret gestartet?

Ich habe Menschen aus meiner Karriere kontaktiert, um mir deren Meinung anzuhören und zu wissen, ob sie sich eventuell beteiligen wollen. Fast jeder hat mitgemacht und das hat mich motiviert, einfach weiterzumachen. Eine Sache, die mich sehr gewundert hat, war, dass es bisher noch nichts ähnliches gab. Anfänglich haben wir fünf Länder ausgezeichnet und als ich in den ersten Ländern war, wie zum Beispiel auf den Phillipinen, kannten die Menschen Rudi Gutendorf und seine Geschichten noch, obwohl er Jahrzehnte zuvor da war. Da wurde mir sofort klar, wie viel ein Einzelner in einem Land bewirken kann, sowohl positiv als auch negativ. Es ist eine sehr große Verantwortung, die die deutschen Spieler und Trainer tragen. Und umso schöner ist es zu sehen, wie sie mit dem Ganzen umgehen.

Was sind die Kriterien, um nominiert zu werden?

Es geht definitiv nicht darum, wer am besten Fußball spielt! Erfolg ist ein wichtiges Element, zeichnet aus und bringt Anerkennung, sowohl individuell als auch für das jeweilige Land - aber ist nicht das einzige Kriterium. Die soziale Komponente und auch das Engagement neben dem Platz sind sehr wichtig. Der Austausch zwischen dem Trainer und der Bevölkerung und was er auch außerhalb seiner Trainingszeiten macht, sind essenzielle Kriterien. Bei jeder Reise war es auch toll zu sehen, wie diejenigen dort aufgenommen wurden. Um das Ganze zu "verbildlichen", ist das Beispiel des ersten Fußballbotschafters, den wir ausgezeichnet haben, angebracht. Holger Obermann engagiert sich vor Ort in unserem Sozialprojekt in Nepal. Der Preis, den er bekommen hat, unterschreibt auch sein Engagement von 30 Jahren. Leider wird selten darüber berichtet, da es ja im Ausland stattfindet, und deswegen wollen wir dadurch der ganzen Sache eine Bühne geben.

Haben Sie noch ein Beispiel dafür, wie der Fußball in einem Land gesellschaftlich etwas verändert hat?

Es dauert natürlich, bis sich gesellschaftlich etwas bewegt. Aber einzelne Trainer haben es oft geschafft, den Menschen Selbstbewusstsein zu geben. Oft war es der Fall bei Kindern in Resozialisierungsprogrammen, die über den Fußball gehen, wie zum Beispiel in Burkina Faso mit Gernot Rohr oder mit Winfried Schäfer in Jamaika. Was ich besonders bezeichnend fand, war die Siegerin des letzten Jahres, Monika Stab, die sich in einem Großteil ihrer Karriere dem Mädchen- und Frauenfußball in muslimischen Ländern gewidmet hat. Ich habe sie besucht, als sie Nationaltrainerin in Qatar war und dort gibt es schon Schwierigkeiten, so etwas durchzusetzen. Aber durch ihr Wissen und Engagement sind Fortschritte erkennbar.

Fußball Kamerun Trainer Winfried Schäfer (imago/WEREK)

Einer, der auffällt: Winfried Schäfer

Was ist dein Ziel für die Zukunft?

Wir verbinden jede Nominierung mit einem sozialen Projekt. Es geht nicht darum irgendwo einmal Geld hinzuschicken, sondern darum, sich vor Ort zu engagieren und auch nachhaltig die Situationen zu verfolgen und in Verbindung mit den Menschen zu bleiben. Wir wollen zeigen was Engagement, vorallem im Ausland, alles verbinden kann - und das alles vom Fußball ermöglicht. Auch wenn wir Prominenz brauchen, wie z.B. mit Jürgen Klinsmann in Amerika, geht es uns nicht nur um die großen Stories. Die Prominenz ist mit unbekannteren Personen gekoppelt, die auch eine wunderbare Arbeit leisten.

Wieso ist ausgerechnet Fußball dazu geeignet auf der Welt so viel zu bewegen?

Ich glaube nur, wenn man viel herum reist, kriegt man das mit. Überall bekommt man Dialoge über Fußball mit, es wird überall auf der Welt gespielt und geliebt. Es geht, glaube ich, um die Einfachheit. Man hat einen Ball, fängt an und das verbindet, weil diese Aktivität ja fast überall stattfinden kann. Hinzu kommen natürlich auch die Medien, die Interesse wecken, und die Stars, die eine Vorbildfunktion haben. Es ist schade, dass dabei einige in den Vordergrund rücken, obwohl andere im Hintergrund eine fantastische Arbeit leisten. Da kriege ich das Bedürfnis über diese kleinen Geschichten zu berichten, und dafür brauchen wir einen Partner.

Das Interview führte Steffen Focke

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