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Welt

"Bischof der Armen" als Märtyrer anerkannt

In Lateinamerika wird Óscar Romero längst wie ein Heiliger verehrt. Doch die römische Kurie sperrte sich lange gegen seine Kanonisierung. Nun hat der Papst die Seligsprechung des ermordeten Bischofs vorangetrieben.

Die Kugeln trafen ihn, während er mit der Gemeinde in einem Krankenhaus die Eucharistie feierte. Am 24. März beendete eine Todesschwadron, was dem Militärregime von El Salvador seit Jahren ein Dorn im Auge war: die Existenz von Óscar Romero.

Doch es war nur die physische Existenz des Erzbischofs von San Salvador, die das Killerkommando auslöschte. Seine spirituelle und weltliche Lehre aber wirkt bis heute. Und sie wirkt weit über das mittelamerikanischen Land hinaus: In ganz Lateinamerika wird der Befreiungstheologe seit seiner Ermordung als Märtyrer verehrt.

Papst Franziskus selbst soll sich schon als Jorge Mario Bergoglio, Kardinal von La Plara, für Romeros Seligsprechung ausgesprochen haben.

Am Dienstag (03.02.2014) hat er Romeros Märtyrertod anerkannt.

Wirren des Kalten Krieges

Óscar Romero wurde ermordet, weil er das herrschende Militär-Regime kritisierte, weil er Partei für die Armen und Unterdrückten ergriff und vielleicht sogar, weil er Teilen der Römischen Kirche ein Dorn im Auge war. Bewiesen ist das alles nicht, denn das Verbrechen und seine Hintergründe wurden nie aufgeklärt.

Menschen halten auf einem Friedensmarsch im Dezember 2014 Plakate mit Fotos von Oscar Romero hoch (Foto: Marvin Recinos/AFP/Getty Images)

Friedensmarsch in San Salvador: Noch heute verehren die Salvadorianer ihren ermordeten Erzbischof Óscar Romero

Zwischen 1979 und 1981 schwollen die Auseinandersetzungen zwischen den rechten Militärs und der linken Opposition zu einem Bürgerkrieg an, der in zwölf Jahren 75.000 Menschenleben forderte. Unter dem Mantel des Amnestie-Gesetzes, das 1992 zum offiziellen Ende des Konflikts erlassen wurde, lehnen Justiz und Regierung bis heute eine Wiederaufnahme der Untersuchungen ab.

Als Befreiungstheologe sah Romero die herrschenden Machtgefüge im Widerspruch zur christlichen Lehre und sprach sich für mehr soziale und poltische Teilhabe der armen Bevölkerung aus. Zudem galt die salvadorianische Militärjunta, die er so scharf kritisierte, den USA und ihren Verbündeten als Bollwerk gegen die kommunistischen Guerillas in Lateinamerika. Deshalb stand er im Verdacht, auf Seiten der marxistischen Rebellen zu stehen.

Zweifel an Romeros Glaubensgrundsätzen

Dieser Verdacht veranlasste offenbar auch einflussreiche Vertreter der katholischen Kirche aus Lateinamerika, Romeros Vatikan-Treue in Zweifel zu ziehen. "Sie beschuldigten ihn, unter dem Einfluss einer marxistisch inspirierten Befreiungstheologie zu stehen", sagt der britische Ökonom und Entwicklungsexperte Julian Filochowski im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Obama in El Salvador vor dem Grab Bischof Romero (Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)

Als "Inspiration" bezeichnete US-Präsident Barack Obama Romero 2011 am Grab der Friedens-Ikone

Filochowski kannte Óscar Romero persönlich, Romero bezeichnet ihn in seinen Tagebüchern als Freund. Seit Romeros Ermordung setzt sich Filochowski für dessen Kanonisierung ein. Tatsächlich eröffnete das Erzbistum San Salvador 1990 den Prozess für die Seligsprechung, weitere sieben Jahre später erreichte der Fall die zuständige Kongregation in Rom. Doch selbst dann tat sich lange Zeit nicht mehr viel. Wahrscheinlich, sagt Filochowski, hätten die Gegner der Befreiungstheologie zu großen Einfluss auf die Päpste Benedikt XVI. und Johannes Paul II. ausgeübt.

Weg frei zur Seligsprechung

Jahre lang prüften die Mitglieder der Kommission Akten und Schriften von und über den ermordeten Erzbischof, hörten Hunderte von Zeugen. Erst 35 Jahre nach Romeros gewaltsamemTod scheint für die Kirche festzustehen, dass er ein Mann des rechten Glaubens war.

Im September 2013 dann das positive Signal: Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, teilte der Öffentlichkeit mit, dass er in Romeros Schriften keinerlei Abweichungen zur katholischen Lehre feststellen könne. Im März 2014 teilte der Direktor der Katholischen Universität von San Salvador José María Tojeira mit, dass die dortige Diözese beginnen werde, Dokumente für die Seligsprechung vorzubereiten.

35 Jahre nach dessen Ermordung hat Papst Franziskus nun die Möglichkeit, Óscar Romero selig zu sprechen. Mit der Erhebung in den Stand des Märtyrers, macht er nun endlich den Weg frei für die Kanonisierung des "Bischofs der Armen".

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