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Musik

Bis zum letzten Atemzug spielen

Von Charlie Parker bis Charles Mingus, Charlie Mariano spielte Jazz mit den Weltbesten, bevor er sich auf die Suche nach dem Geist der Musik in fremden Kulturen machte.

(Quelle: ullstein bild)

Agil bis ins hohe Alter

Charlie Mariano kam 1923 in Boston als Sohn italienischer Einwanderer auf die Welt. Spätestens als er mit 14 Jahren den Saxofonisten Lester Young spielen hörte, beschloss er gegen den Willen seiner Eltern Musiker zu werden. In den frühen 40er Jahren des letzten Jahrhunderts begann Marianos Karriere als Jazz-Saxophonist in seiner Heimatstadt. Dort lernte er auch die japanische Pianistin Toshiko Akiyoshi kennen, mit der er nach New York und später nach Tokio zog. Er pendelte zwischen Amerika und Europa und trat mit fast allen Berühmtheiten der Jazzgeschichte auf wie zum Beispiel Dizzy Gillespie und Charles Mingus. In zahlreichen Formationen zeigte sich der Alt- und Sopransaxofonist Mariano als virtuoser Solist und origineller Improvisateur mit einem unverkennbaren Ton.

Immer wieder Asien

Charlie Mariano (Quelle: picture alliance/kpa)

Lyrischer Ton und Liebe zur asiatischen Musik prägten das Werk des Saxofonisten und Weltmusikpioniers.

Sieben Jahre lang war Charlie Mariano Lehrer am renommierten Berklee College of Music. Dort spielte er zum ersten Mal mit malaiischen und südindischen Musikern zusammen. Vor allem die karnatische Musikkultur Südindiens hat ihn seitdem immer wieder fasziniert und inspiriert. Ein Jahr lang lebte Mariano später in einem indischen Dorf, um Musikkultur und traditionelle Lebensweise zu studieren. Eine lange musikalische Freundschaft verband ihn seit den 80er Jahren mit den Musikern des Karnataka College of Percussion aus Bangalore mit denen er immer wieder CDs produzierte und gemeinsam auftrat. Kennengelernt hatte er die Musiker um den Meistertrommler T.A.S. Mani durch die musikalischen Weltreisen der deutschen Gruppe Embryo.

Leuchtturm des europäischen Jazz

Charlie Mariano (Quelle: ullstein bild/tollkühn)

Auftritt beim Jazzfest Berlin 1998

Seit den 70er Jahren gehörte Charlie Mariano fest zur deutschen und europäischen Jazzszene. Er war Mitglied bei Eberhard Webers Colours und im United Jazz and Rock Ensemble. Aber auch mit jungen Musikern, deren Förderung er für äußerst wichtig hielt, trat der Wahlkölner immer wieder auf. Charlie Mariano war kein Purist. Sein lyrischer, warmer Ton war auf den Produktionen des Libanesen Rabih Abou-Khalil ebenso zu hören wie auf Herbert Grönemeyers Hit Bochum oder im Konzert mit Konstantin Wecker. Charlie Mariano, der einmal gesagt hat, dass er sich wünscht, bis zum letzten Atemzug auftreten zu können, begeisterte bis zuletzt durch sein intensives Spiel und seine Bühnenpräsenz. Er starb am Dienstagmorgen im Alter von 85 Jahren.

Autor: Matthias Klaus

Redaktion: Klaus Gehrke

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