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Kultur

Bis zu 40.000 Tote im Iran befürchtet

Nach dem katastrophalen Erdbeben im Iran schwanken die Opferzahlen zwischen 20.000 und 40.000 Toten. Erste Hilfsteams sind inzwischen eingetroffen. Fehlende Notunterkünfte machen den Menschen zu schaffen.

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Verletzte in Bam werden weggetragen

Nach dem verheerenden Erdbeben im Iran am Freitag (26.12.2003) haben Rettungskräfte Hunderte von Toten aus den Trümmern geborgen. Das volle Ausmaß der Katastrophe ist noch immer nicht absehbar. Während das Innenministerium die Zahl der Opfer im Erdbebengebiet auf 20.000 schätzte, rechnete der Bürgermeister der Provinzhauptstadt Kerman, Akbar Alawi, mit bis zu 40.000. Mindestens 30.000 Menschen wurden laut Innenministerium verletzt. Rettungskräfte aus aller Welt eilten den Einwohnern von Bam und Umgebung zu Hilfe.

Überlastete Krankenhäuser

In der 80.000-Einwohner-Stadt gruben Einsatzkräfte und Überlebende mit Schaufeln und bloßen Händen nach Verschütteten. 150 Menschen konnten bis zum Samstagnachmittag lebend aus den Trümmern befreit werden, darunter ein einjähriges Kind. Dagegen wurden innerhalb einer Stunde 200 Tote in einer einzigen Straße gefunden, wie der Leiter eines Rettungsteams mitteilte. Auf einem Friedhof wurde am Samstag ein Massengrab ausgehoben. Einige Verletzte wurden bis in die 1000 Kilometer entfernte Hauptstadt Teheran geflogen, weil die Krankenhäuser in Kerman vollkommen überlastet sind.

Die Europäische Union (EU) hat unterdessen ihre Erdbeben-Nothilfe für den Iran von bisher 800.000 Euro auf 2,3 Millionen Euro aufgestockt. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel soll das Geld für die Arbeit von Hilfs- und Suchteams, für die ärztliche Versorgung sowie Wasser, Unterkunft und Heizung für die Obdachlosen in der Krisenregion verwendet werden.

Zu wenige Notunterkünfte

Die erste Nacht nach dem Unglück verbrachten Tausende von Menschen bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt im Freien. Die von Rettungskräften errichteten Notunterkünfte reichten nur für wenige 100 Personen, am Samstag trafen jedoch weitere Zelte ein. Ob es in der folgenden Nacht genug geschützte Schlafplätze gibt, ist ungewiss. Das Beben der Stärke 6,3 hatte am Freitag unter anderem die historische Altstadt und die 2000 Jahre alte Zitadelle von Bam dem Erdboden gleich gemacht. Die UN-Kulturorganisation UNESCO bat die iranische Regierung um Erlaubnis, Experten für eine Begutachtung der Schäden nach Bam schicken zu dürfen.

"Die Katastrophe ist viel zu gewaltig, als dass wir alleine damit fertig werden könnten", erklärte der iranische Präsident Mohammed Chatami am Freitag. Die internationale Hilfe ließ nicht lange auf sich warten. Unter anderem trafen in Bam am Samstag 30 Erdbebenspezialisten des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) ein, um mit Rettungshunden nach Verschütteten zu suchen. Auch Einsatzteams aus der Schweiz, aus Großbritannien, Tschechien, Russland und der Türkei trafen im Erdbebengebiet ein. Zahlreiche weitere Länder boten Hilfe an, auch die USA, die seit mehr als 20 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr zum Iran unterhalten. Bürgermeister Alawi der Stadt Kerman erklärte, Hilfe aus allen Ländern außer Israel sei willkommen. Die Regierung öffnete den iranischen Luftraum für alle ausländischen Flugzeuge mit Rettungskräften oder Hilfsgütern. (kap)

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