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Aktuell Asien

Bis zu 10.000 Beben-Tote in Nepal befürchtet

Drei Tage nach dem gewaltigen Erdbeben werden in den Trümmerbergen immer mehr Leichen geborgen. Die Regierung schließt nun auch 10.000 Todesopfer nicht aus. Zugleich räumt sie erstmals ein, Warnungen ignoriert zu haben.

Nach dem Beben müssen die Menschen nun noch Dauerregen ertragen (Foto: AFP)

Nach dem Beben müssen die Menschen nun noch Dauerregen ertragen

Die nepalesische Regierung hat angesichts der verheerenden Folgen des Erdbebens erstmals öffentlich eingestanden, trotz zahlreicher Warnungen vor einem bevorstehenden großen Beben nicht ausreichend gewappnet gewesen zu sein. Innenminister Bam Dev Gautam erklärte im staatlichen Fernsehen, die Behörden hätten Schwierigkeiten, die Krise zu meistern. "Auf ein Desaster dieses Ausmaßes waren wir nicht vorbereitet", räumte der Minister ein.

Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Ministerpräsident Sushil Koirala sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man schätze, dass bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten.

Deutscher Geografie-Professor unter den Opfern

Bislang wurden allein in Nepal 5057 Todesopfer gezählt, wie das Innenministerium auf Anfrage der Nachrichtenagentur afp mitteilte. Die Zahl der Verletzten stieg auf mehr als 10.000. Unter den Toten ist auch ein international renommierter deutscher Geografie-Professor der Universität Göttingen. Die genauen Umstände seines Todes sind noch unklar. Der 67-Jährige wurde nach Angaben der Hochschule zusammen mit 15 Studenten und einem weiteren Wissenschaftler während einer Exkursion in einem Gebiet nordwestlich von Kathmandu von dem Beben überrascht. Einige der Studierenden wurden verletzt. Derzeit sei die Gruppe in Arughat Bazar in Sicherheit, hieß es weiter.

Derweil berichtet der Gouverneur des Distriks Rasuwa, Uddhav Bhattarai, dass nach einer Schlammlawine in einem Dorf nördlich der Hauptstadt Kathmandu bis zu 250 Menschen vermisst werden. Möglicherweise seien auch ausländische Touristen betroffen. Der dortige Naturpark ist bei westlichen Trecking-Touristen sehr beliebt.

Entwarnung gibt es in den Bergsteiger-Gebieten im Himalaya. Die in den Hochlagern am Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde, festsitzenden Kletterer wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht, wie ein Sprecher mitteilte.

Schlechte Koordination

Die internationale Hilfe kommt wegen schlechter Koordination und der zerstörten Infrastruktur nur schleppend voran. Außerdem erschweren schlechtes Wetter und Nachbeben die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen. Die Meteorologen sagen auch für die nächsten zehn Tage Regen voraus.

Eine ehemalige Straße in der Hauptstadt Kathmandu (Foto: AFP)

Eine ehemalige Straße in der Hauptstadt Kathmandu

Vom Flughafen in der Hauptstadt Kathmandu starteten Dienstag früh mehrere Maschinen mit Flüchtlingen und machten so den Weg für ankommende Flugzeuge frei. Der einzige internationale Flughafen Nepals war am Montag wegen des Andrangs überlastet. Mehrere Transportmaschinen mit Hilfsgütern und Helfern mussten umkehren.

Zehntausende flüchten

In der Hauptstadt Kathmandu beschweren sich zahlreiche Überlebende über die mangelnde Koordination der Behörden. "Wir leben hier auf der Straße, ohne Essen und Wasser, und wir haben in den vergangenen drei Tagen keinen einzigen Beamten gesehen", beklagte ein Mann, der mit seiner Familie im Freien campiert. Auch die Stromversorgung ist unterbrochen. Die meisten Geschäfte und Banken in der Hauptstadt sind geschlossen.

Auf der Suche nach Wasser und Nahrung verließen inzwischen Zehntausende Menschen das von dem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal. Nach Berichten der nepalesischen Zeitung "Himalayan Times" flüchteten bereits mehr als 72.000 Menschen.

Acht Millionen Menschen leben im Bebengebiet

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag weite Teile Nepals sowie die angrenzenden Länder Indien und das chinesische Tibet erschüttert. Auf chinesischer Seite stieg die Zahl der Toten auf 25, in Indien starben mindestens 72 Menschen.

Laut UN-Angaben sind etwa etwa acht Millionen Menschen von den Auswirkungen des Erdbebens in Südostasien betroffen. Mehr als 1,4 Millionen Menschen sind nach bisherigen Erkenntnissen auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

se/ml/kle (rtr, dpa, afpe, ape)