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Politik

Bis heute ungesühnt

Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat der Oberste Gerichtshof neue Ermittlungen angeordnet. In Moskau glaubt aber kaum jemand, dass die Verantwortlichen je verurteilt werden.

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Sie wirkt zerbrechlich. Fast wie ein Mädchen. Vera Politkowskaja, die Tochter der ermordeten Journalistin, stellt sich an diesem Tag im "Unabhängigen Pressezentrum" in Moskau den Fragen der Journalisten. Drei Jahre sind seit dem Mord an ihrer Mutter vergangen. "Unsere Familie verliert die Hoffnung, dass die Menschen, die dieses Verbrechen begangen haben, je gefunden und verurteilt werden", sagt Vera Politkowskaja, die inzwischen selbst Mutter ist. "Die Zeit vergeht, und damit schwinden die Chancen, den Mord je aufzuklären." Ihr Bruder, Ilja Politkowskij, sitzt neben ihr und nickt.

Die beiden blicken in ein Dutzend Kameras, die vor ihnen aufgestellt wurden. Es sind vor allem ausländische Medien, nur einige wenige russische Sender. Politkowskajas Einfluss in der Heimat sei unbedeutend gewesen, sagte der damalige russische Präsident, Wladimir Putin, kurz nach der Tat. Dennoch schade der Mord an Politkowskaja Russland "viel mehr als ihre Veröffentlichungen." Das Verbrechen müsse bestraft werden, forderte Putin. Es bleibt aber bis heute ungesühnt.

Eine couragierte Reporterin

Alexandra von Nahmen (Foto: DW)

Alexandra von Nahmen, DW-Studioleiterin Moskau

Am 7. Oktober 2006 wurde Anna Politkowskaja im Treppenhaus ihres Hauses erschossen. Die couragierte Reporterin der Zeitung "Nowaja Gazeta" hatte sich international einen Namen gemacht, weil sie mutig und schonungslos die Gräueltaten russischer Soldaten während des Tschetschenienkrieges anprangerte. Dabei schreckte sie auch nicht davor zurück, die russische Führung und Wladimir Putin persönlich anzugreifen.

Ein Jahr nach ihrem Tod erklärten die russischen Behörden die Ermittlungen für beendet. "Hinter dem Mord steht eine kriminelle Organisation, die von einem Tschetschenen angeführt wird. Eine Organisation, die sich auf Auftragsmorde spezialisiert hat", erklärte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika. Drahtzieher der Bluttat würden im Ausland sitzen. Der mutmaßliche Killer sei in Westeuropa auf der Flucht, seine Komplizen habe man aber festnehmen können.

Prozess mit Pannen

Schnell wurde vier Männern in Moskau der Prozess gemacht. Doch immer wieder gab es Pannen und Peinlichkeiten. Akten fehlten, Beweise verschwanden. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten daraufhin frei. Russlands Justiz zeigt in diesem Fall, dass sie unfähig und unwillig ist, die Schuldigen zu ermitteln, kritisieren Politkowskajas Kollegen

Nun hat der Oberste Gerichtshof neue Ermittlungen in dem Mordfall angeordnet. Angeblich seien inzwischen neue Verdächtige ins Blickfeld der Justiz geraten. "Es ist unsere letzte Chance", sagt Ilja Politkowskij. Und seine Schwester meint: "Wenn es politisch gewollt ist, wenn der politische Wille da ist, dann kann der Mord aufgeklärt werden." Aber, fügt die junge Frau hinzu, "der Kreml ist an der Aufklärung des Verbrechens nicht interessiert."

Autorin: Alexandra von Nahmen

Redaktion: Dirk Eckert