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Deutschland

Bis dass die nächste Währung kommt

Ernst Woll hat vier Währungen erlebt. Entwerte Sparbücher, astronomische Preise und geringe Kaufkraft haben Spuren hinterlassen.

Ostmark und D-Mark (Foto: DW)

Währungsunion 1990: aus DDR-Mark wird D-Mark

Ernst Woll (Foto: DW)

Ernst Woll fehlt inwzischen das Vertrauen in Geld

Als die D-Mark kam, war Ernst Woll beinahe schon im Ruhestand. Ein Leben lang hatte der 1931 geborene Erfurter als Tierarzt gearbeitet, zuletzt in einem planwirtschaftlichen Fleischbetrieb, dem Fleischkombinat. Sein Gehalt hatte er immer in Ost-Mark bekommen. Jetzt löste die Ankunft der D-Mark um ihn herum Freudentaumel aus. Der Sekt floss in Strömen, Feuerwerke wurden abgebrannt und die Menschen drängelten sich in Autokorsos auf der Straße.

Denn mit der vier Mal kaufkräftigeren D-Mark ging ein Traum in Erfüllung. Die meisten DDR-Bürger knüpften große Hoffnungen an das neue Geld: "Für die D-Mark kann ich mir alles leisten", so beschreibt Ernst Woll die Stimmung der Zeit. Auf Plakaten der Demonstration von 1989 hatte es schon geheißen: "Kommt die D-Mark, dann bleiben wir. Kommt sie nicht, gehen wir zu ihr!"

Touristen zweiter Klasse

An den konstanten Wertverlust der Ostmark gegenüber der Westmark hatten sich die DDR Bürger 40 Jahre lang gewöhnen müssen. Die Schwarzmärkte blühten, es wurden Waren getauscht. Selbst beim Sommerurlaub im sozialistischen Ungarn gab es im Restaurant eine Zwei-Währungsgesellschaft: die DM-Touristen und die DDR-Bürger. "Wir hatten ja nur Ost-Mark In der Tasche", erzählt der heute 79-jährige Rentner. "Da wurden wir ganz schön anders behandelt, und das hat manchmal auch ein kleines bisschen frustriert."

Am 1. Juli 1990 dann der Umtausch. Löhne, Gehälter, Renten und Mieten wurden 1:1 umgestellt. Geldbeträge über 6000 Ost-Mark für alle im Verhältnis 2:1 in D-Mark umgetauscht. Bei kleineren Beträgen bekamen die Menschen gestaffelt mehr. Auch Schulden wurden halbiert. Kein Wunder, dass damals viele DDR-Bürger alles in Westdeutschland verklärt gesehen hätten, erinnert sich Woll. Vor allem was mit dem Statussymbol DM zu tun hatte.

Flash-Galerie Deutsche Währungsgeschichte

Eine 10-Mark-Banknote aus der DDR

Gespartes Schulgeld wurde vernichtet

1948: Umtausch von Reichsbankgeld in Ostmark

Das alte Reichsbankgeld wird am 24. Juni 1948 gegen Ostmark umgetauscht

Ernst Woll blieb misstrauisch. Einmal, weil er an einen reformierten Sozialismus glaubte. Wohl aber auch, weil er schon andere Währungen kommen und gehen gesehen hatte. Als Kind erlebte er 1948 die Währungsreform in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Es sei blanker Diebstahl gewesen. Damals wurden nur Beträge bis zu 70 Reichsmark pro Person 1:1 mit der neuen Ost-Mark umgetauscht - dann bis zu 5000 Reichsmark im Verhältnis 1:10.

Ihm sei traurig in Erinnerung geblieben, wie schnell dieses Geld bei der Umstellung auf Ost-Mark den Wert verlor: "Ein von meinen Eltern bei der Geburt 1931 angelegtes Sparbuch mit einigen tausend Reichsmark bespart, sollte später mal für meine Ausbildung verwendet werden", erzählt Ernst Woll. "Nur leider wies es nach der Umstellung keine großen Summe mehr auf."

Im kriegszerstörten Deutschland lag eine solche Geldentwertung in der Luft, sagt Woll. Aber er wundert sich, warum 1990 nicht aus den Fehlern von 1948 gelernt wurde. "Bei der zweiten Umstellung habe ich bedauert, dass man das nicht ökonomisch mehr durchdacht hat, obwohl ja Frieden war." Die 1:1-Umstellung sei für den Privatmann vorteilhaft gewesen, sagt er. Für die hoch überschuldeten Staatsbetriebe bedeutete diese Umstellung ihrer Schulden aber das Aus. Es folgte Massenarbeitslosigkeit, auch sein Fleischkombinat wurde abgewickelt.

Optisch schön, aber wohl nicht ewig

Euro-Münze (Foto: Wikipedia)

"Das bisher schönste Geld"

Und schließlich erlebte Ernst Woll noch einmal eine Währungsumstellung. 2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt. Das sei die mit Abstand optisch schönste der vier Währungen, die er in seinem Leben in den Händen hielt, sagt Woll. Auf die Frage, ob das die letzte deutsche Währung sei, schmunzelt er in sich hinein und verneint. "Welcher Zeitraum es sein wird, bis die nächste Währung kommt, weiß ich nicht. Aber ich befürchte, dass man sich jetzt derart in Schulden stürzt, dass letztlich gar kein anderer Ausweg bleibt." Dass bislang noch nach jeder Währungsumstellung das Leben weiter ging, sollte vor allem Nachgeborene trösten. Man müsse sich halt nur an neue Namen gewöhnen.

Autor: Richard A. Fuchs
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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