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Asien

Birma hisst neue Flagge

Zwei Wochen vor der Parlamentswahl am 7. November hat Birma eine neue Nationalfahne bekommen. Eine Fahne, mit der die regierende Junta nicht zuletzt auch eine Botschaft an das Ausland senden will.

Trompeter mit der gehissten neuen Flagge im Hintergrund (Foto: AP)

Mit musikalischer Begleitung wurde an den Regierungsgebäuden die neue Flagge gehisst

Drei waagerechte Streifen, oben gelb, in der mitte grün, unten rot, und in der Mitte ein großer weißer Stern. So sieht sie aus, die neue Landesflagge. Um Punkt 15 Uhr Ortszeit am Donnerstag (21.10.) wurde sie auf Anordnung der Militärregierung in sämtlichen Regierungsgebäuden feierlich gehisst. Die alte, rote Flagge mit einer von Sternen umgebenen Reispflanze in der Ecke hat damit ausgedient, sie wurde im Rahmen der Auswechsel-Zeremonie symbolisch verbrannt. Die bisherige Fahne war 1974 unter dem damaligen Machthaber Ne Win eingeführt worden.

Birmanische Farbenlehre

Die alte Flagge

Die alte Flagge

Das neue "Gewand" der Nationalflagge kommt nicht von ungefähr: Das Design ist vielmehr genau durchdacht und in der im Jahr 2008 per Volksentscheid abgenommenen neuen Staatsordnung exakt vorgegeben. So stehen gelb, rot und grün laut Verfassung für Solidarität, Frieden, Ruhe, Mut und Entschlossenheit. Noch ist diese neue Verfassung allerdings gar nicht in Kraft - erst nach den Wahlen am 7. November soll sie offiziell gelten.

Für die Bevölkerung kam der Zeitpunkt für die Flaggen-Änderung trotzdem überraschend, denn der Wechsel wurde erst unmittelbar vor den Einweihungszeremonien im Staatsfernsehen angekündigt. "Vielleicht hat es etwas mit Astrologie zu tun", meinte ein Beamter. Die Vermutung liegt insofern nahe, als Juntachef Than Shwe als höchst abergläubig gilt. Der Militärmachthaber legt wichtige Termine traditionell nur nach Empfehlung von Astrologen fest. Die bedeutungsvolle Farbwahl wird zudem auch als bewusst lancierte Botschaft der Junta an das Ausland interpretiert: ein demonstratives Zeichen dafür, dass sich das international weitgehend abgeschottete und isolierte südostasiatische Land in Richtung Demokratie entwickelt. Doch ob diese Botschaft auch so ankommt, scheint zweifelhaft.

Eine Mutter und ihr Kind schauen auf einen Flyer der Demokratischen Partei (Foto: AP)

Vor den Wahlen verteilen die Parteien Flyer mit ihren Zielen - hier einer der Demokratischen Partei

Neue Flagge = neues Land?

Zwar ist die Bevölkerung im November erstmals seit 20 Jahren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben und über das künftige Parlament abzustimmen. Doch schon im Vorfeld droht der Urnengang zur Farce zu werden. Kaum jemand glaubt daran, dass die Wahl frei und fair ablaufen wird. In dieser Woche appellierten UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der UN-Menschenrechtsbeauftragte für Birma, der argentinische Anwalt Tomas Ojea Quintana, zum wiederholten Mal an die Verantwortung der Militärregierung: "Es ist wichtig für die Behörden sicherzustellen, dass die Wahlen auf glaubhafte und transparente Weise unter Mitwirkung aller Parteien durchgeführt werden", heißt es in Bans Bericht vor der UN-Generalversammlung. Außerdem forderte Ban zum wiederholten Mal die Freilassung der unter Hausarrest stehenden Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und aller anderen politischen Gefangenen.

Porträt des Wahlleiters Thein Soe (Foto: AP)

Thein Soe ist der Wahlleiter in Birma

Die Zeichen allerdings deuten zur Zeit nicht darauf hin, dass dieser Appell von den Militärs gehört wird. Im Gegenteil: Erst vor wenigen Tagen kündigten die Machthaber an, zu den Wahlen keine ausländischen Beobachter oder Journalisten ins Land zu lassen. Insgesamt 37 Parteien und mehr als 3000 Kandidaten treten am 7. November an. Nicht dabei ist die Partei von Aung San Suu Kyi, die Nationalliga für Demokratie (NLD) - sie wurde im Vorfeld der Wahlen zwangsaufgelöst, weil sie sich geweigert hatte, ihr wohl prominentestes Mitglied aus der Partei auszuschließen. Die letzten Wahlen in Birma im Jahr 1990 hatte die NLD haushoch gewonnen. Die Junta aber ignorierte damals das Ergebnis. Suu Kyi steht seither fast ununterbrochen unter Hausarrest.

Autorin: Esther Broders (dapd/dpa)
Redaktion: Thomas Latschan

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