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Welt

Biogas in Kenia - wie Abfall zu sauberer Luft führt

Aus Mist Gold machen – in Kenia erfüllt sich der Traum der Alchemisten – und der Regierung. Biogas aus Hinterlassenschaften von Mensch und Tier bringt in den Küchen Maisbrei, Reis und Eintöpfe zum Kochen.

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Bäuerin Lucy Kingori kocht mit Biogas aus Gülle

Viele Frauen in Kenia wachen morgens mit der Sorge aus, womit sie mittags ihre Kochstelle befeuern sollen. “Wir finden hier immer weniger Feuerholz. Bald wird es kein Holz und auch keine Wälder mehr geben.” 2000 Shilling, etwa 20 Euro, muss Lucy Kingori im Monat für Kohlebriketts zum Kochen ausgeben - wenn sie überhaupt genug Geld erübrigen kann.

Jeden Tag genug Gas zum Kochen

Githunguri Bau einer privaten Biogasanlage

Lucys Biogasanlage wird gebaut

Nun baut die Bäuerin auf ihrem Hof in Githunguri, etwa 50 km nördlich von Kenias Hauptstadt entfernt, eine eigene Biogas-Anlage – und befeuert sie mit dem Dung ihrer Kühe. Mit dem Biogas kocht sie, mit den Abfällen aus der Anlage düngt sie ihre Felder, auf denen Tee, Tomaten und anderes Gemüse wachsen. Ihre Nachbarn machen es ähnlich. Inzwischen hat sich das kleine Dorf in eine Hochburg für Biogas-Nutzung verwandelt - dank eines Projekts des kenianischen Landwirtschaftsministeriums und der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ.

Gas aus Gülle

Biogas wird seit dem Jahr 2008 auch im großen Stil eingesetzt. Im Küstenort Kilifi produziert Chris Wilson auf seinem Milch- und Sisal-Hof aus Kuhmist und den Resten der Sisalpflanzen soviel Biogas, dass er seinen großen Betrieb vollständig mit eigenem Strom versorgen kann. “Die Anlage trägt sich mittlerweile selbst. Es ist kein Zuschussgeschäft mehr, die Investitionen zahlen sich schnell aus.” Mit Biogas erzeugt er Wärme, um die Milch seiner Kühe zu pasteurisieren. Mit Biogas erzeugt er aber auch Strom, um die Maschinen zu betreiben und die Fabrik zu beleuchten. Seine Produktionsstätte sei inzwischen völlig energieneutral, sagt er. Meist hat er sogar noch Energie übrig, die er abends ins staatliche Stromnetz einspeist.

Vom Klo zur Küche

Kibera Slum Nairobi Sanitärgemeinschaft Schüler warten aufs Essen

Eine warme Mahlzeit für jeden

Nicht nur Kuhmist ist eine gute Ressource für Biogasanlagen. Auch aus menschlichen Abfällen lässt sich Biogas gewinnen. In Kibera, einen Slumviertel mitten in Nairobi mit fast einer Millionen Bewohnern, steht ein solches Pilotprojekt.

An der Grundschule “Ushirika wa Usafi” – “Sanitärgemeinschaft”, werden die Hinterlassenschaften der 800 Schüler und Lehrer in einem luftdichten Behälter in Biogas umgewandelt, mit dem Schulkoch George seinen Herd befeuert.

Haben "flying toilets" bald ausgedient?

Kibera Slum Nairobi Sanitärgemeinschaft Latrine

"Sanitärgemeinschaft" im Kibera Slum

Die Anlage ist ein Erfolg, etwa 30 weitere sind zur Zeit in den Elendsvierteln Nairobis im Bau. Wenn sie fertig sind, werden sich auch andere Slumbewohner freuen können. Weil es weniger Dreck gibt – dafür aber eine preiswerte Kochstelle. Ein erster Schritt zu einem menschenwürdigeren Dasein. Denn bislang sind sanitäre Anlagen in Kibera Mangelware, stattdessen werden immer noch zu oft “flying toilets” benutzt – schwarze Plastikbeutel mit Exkrementen, die in der Nacht auf offener Strasse entsorgt werden – manchmal mit einem gezielten Wurf aus der Hütte.

Wunderwaffe Biogas

Kibera Slum Nairobi Sanitärgemeinschaft Biogas

Nichts für empfindliche Nasen - eine Biogasanlage

Das Potenzial des Biogases ist so vielversprechend, dass es zur neuen Wunderwaffe der kenianischen Regierung avanciert ist – und entsprechend gefördert wird: mit Biogas aus biologischen Abfällen und Dung lässt sich Geld sparen, Energie gewinnen, Umwelt und Klima schonen, die Armut bekämpfen und die Bildungschancen verbessern. “Wenn man auch in den großen Landwirtschaftszentren auf Biogas umsteigen würde, gäbe es für die Bevölkerung mehr Strom vom Netz.” meint Chris Wilson, der erfolgreiche Besitzer des Milch- und Sisalhofes in Kilifi. Denn die Produktion von Exportgütern wie Treibhausblumen, Obst- und Gemüse verschlingt soviel Strom, dass für die Haushalte nicht genug übrig bleibt – und ihnen abends oft der Strom abgedreht wird. Mit Biogas gäbe es aber auch Strom für die Haushalte, die gar nicht ans Stromnetz angeschlossen sind – und das sind immerhin drei von vier kenianischen Haushalten.

Autorin: Kateri Jochum

Redaktion: Peter Koppen

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