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Deutschland

Biobauer dank Allergie

Bio-Produkte boomen wie nie zuvor. Der Biohof Bursch hat schon ganz andere Zeiten gesehen: In den 60er-Jahren hielten die anderen Bauern die Idee des ökologischen Landbaus für komplett verrückt.

Gläser mit selbstgemachtem Erdbeeraufstrich (Foto: DW)

Gläser mit Erdbeeraufstrich auf dem Biohof Bursch

Dem Erdbeermus im Glas sieht man nicht an, ob es nach konventionellen Bedingungen hergestellt wurde oder die Früchte nach biologisch-ökologischen Kriterien gezüchtet wurden. Der leuchtendrote Aufstrich schmeckt nach reiner Frucht und nicht süßlich nach Zucker. "Mehr als 90 Prozent Fruchtanteil, nur ganz wenig Zucker und nicht umgekehrt. Dazu Agar-Agar als Geliermittel", lüftet Daniel Fischer das Geheimnis. Der Mitarbeiter stellt Kunden des Biohofes Bursch die neuesten Produkte im Sortiment vor. "Vegan" steht auf dem Deckel des Erdbeerbrotaufstrichs.

Daniel Fischer, zeigt das selbstgemachte Bio-Sauerkraut (Foto: DW)

Daniel Fischer, Mitarbeiter des Biohofs Bursch

Ob Obst, Salat oder Gemüse - alle Nahrungsmittel werden direkt vom Feld eingemacht oder gelangen roh zum Endverbraucher, ohne große Umwege, ohne herben Qualitätsverlust. Das ist einer der Vorteile, die der Biobauernhof im rheinländischen Bornheim bietet. Auf Wochenmärkten in der Region oder übers Internet kann der Verbraucher ökologisches Obst und Gemüse beziehen. Dazu zählen seltene alte Sorten wie Postelein oder Portulak. "Ist sehr mild, sehr, sehr lecker. Vitaminreich. Und von uns aus der Region – mitten im Winter", wirbt Daniel Fischer für den Salat.

Bio-Wintergemüse, angebaut auf dem Biohof Bursch (Foto: DW)

Portulak oder Postelein?

Im eigenen Hofladen kann der Verbraucher zusätzlich ein reichhaltiges Sortiment von mehr als 160 Käsesorten, Tees, Weinen, Milchprodukten und Fleisch einkaufen. Bioläden sind "in", weil die Kunden zeigen, dass sie sich die relativ teuren Lebensmittel leisten können. Doch offen zugeben will das keiner.

Bioprodukte erfreuen den Gaumen und das Gewissen

"Ist gesünder. Dem Händler hier um die Ecke vertraue ich voll und ganz", antwortet eine Frau auf die Frage, warum sie im Hofladen Bioprodukte kauft. Ein Mann stimmt ihr zu: "Ich genieße seit vielen Jahren Bio und fühle mich gesund und wohl". Gar nicht wohl fühlte sich die Frau des Bauern Heinrich Bursch während ihrer Schwangerschaft in den 1960er Jahren. Sie litt an heftigem Sodbrennen und war nicht die einzige. Viele Landwirte in der Gegend klagten damals über Kopfschmerzen, brennende Augen und Atembeschwerden. Heinrich Bursch führte dies auf die neuen Pflanzenschutzmittel zurück, die damals auf Feldern und Wiesen zum Einsatz kamen: Insektizide, Herbizide, Fungizide – und massenhaft Dünger, die das Pflanzenwachstum fördern sollten. Damit wurden zwar auch Schädlinge bekämpft, aber die chemischen Stoffe fanden sich schließlich in den Nahrungsmitteln wieder. Die Böden und Bäume waren durch die künstlichen Zugaben schnell ausgelaugt.

Wer wagt, gewinnt

Heinrich Bursch entschloss sich zu einem Experiment. Gegen den Trend pflanzte er Kartoffeln ohne chemische Zusätze. Der antiquierte Biolandwirt machte sich damit zum Gespött seiner fortschrittlichen Kollegen. Doch die Erdäpfel ohne die Giftkeule schmeckten besser und waren bekömmlicher. Zwei Jahrzehnte später erhielt Heinrich Bursch das Bundesverdienstkreuz, für seine Verdienste um den ökologischen Landbau. Einfach ist das Gewerbe nicht, erklärt Daniel Fischer: "Das braucht ganz viel Erfahrung." Man könne beispielsweise nicht irgendein Mittel nehmen und die Blattlaus damit vertreiben. Man müsse Umgebungsbedingungen schaffen, damit die Pflanze gesund gedeihe und resistent sei gegen Ungeziefer und Schädlinge. Gesteinsmehl oder Brennnesselsud helfen ansatzweise, doch müsse der Biobauer sorgfältig mit dem Boden umgehen. Er müsse ihm Zeit, Ruhe und die Voraussetzungen geben, sich zu regenerieren, sagt Daniel Fischer zur Philosophie der Biolandlandwirtschaft. Für jede der 60 Obst- und Gemüsesorten, die der Familienbetrieb anbaut, gelten in dieser Hinsicht Besonderheiten.

Zartes Pflänzchen Kohl

Mitarbeiterin im Biohofladen Bursch (Foto: DW)

Einblicke in den Hofladen

Das hausgemachte Sauerkraut sei gerade der Verkaufsschlager, doch müsse der Landwirt beachten, dass er nicht jedes Jahr Kohl auf die gleiche Fläche setzen könne. "Gerade beim Kohl gibt es Krankheiten, die setzen sich von Jahr zu Jahr im Boden fest. Wir pflanzen ein Jahr lang Kohl, dann darf kein Kohlgewächs auf die Fläche". Und dann zählt Daniel Fischer auf, welche Sorten zu den Kohlgewächsen zählen: Wirsing, Rosenkohl, Blumenkohl, Brokkoli und auch viele andere Pflanzen. An gleicher Stelle werden abwechselnd Salate und Kartoffeln gepflanzt. Erst nach einigen Jahren wird dort wieder Kohl angebaut.

Sehr umfangreich werden die Betriebe kontrolliert. Die Branche sei um Transparenz bemüht. Trotzdem kann Daniel Fischer nicht ausschließen, dass es unter den Biobauern schwarze Schafe gibt. Aus diesem Grund bezieht der Familienbetrieb in Bornheim-Waldorf Rohstoffe und Produkte von Händlern aus der Region. Daniel Fischer veranschaulicht das Prinzip am Beispiel der Hühnereier. Seit Jahren bekomme der Biohof Bursch die Eier von ein und demselben Lieferanten. Man wisse, woher der Partner das Futter beziehe. Teilweise fressen die Hühner Körner aus eigenem Anbau. Da die Tiere keine Hormone erhalten, nehmen sie sich die Freiheit, Eier zu legen, wann und so viele sie wollen. Daher gibt es an manchen Tagen keine Eier zu kaufen im Biohofladen Bursch.

Autorin: Karin Jäger

Redaktion: Dеnnis Stutе