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Deutschland

"Bio-Sprit ist eine gute und moderne Idee"

Monika Lohmüller, Wirtschaftsredaktion (Foto: DW)

Monika Lohmüller, Wirtschaftsredaktion

"Biosprit trägt wenig zu einer besseren Ökobilanz bei! E10 macht die Nahrungsmittel teurer! Mit Ethanol können die Motoren krepieren!" In den letzten Wochen ist eine Diskussion entbrannt, die sich als "typisch deutsch" überschreiben lässt. Es wird nicht mehr sachlich argumentiert, sondern Horrorszenarien werden an die Wand gemalt, dass einem schwindlig werden kann.

Fakt ist: Die Information der Öffentlichkeit über E10 war katastrophal, ja stümperhaft. Hier haben alle versagt: die Mineralölwirtschaft, die Autoindustrie und die Politik. Sie alle haben es versäumt, die Autofahrer aufzuklären, dass ihr "liebstes Kind" auch mit einer anderen als der herkömmlichen Energie angetrieben werden kann. Denn die herkömmliche Energie, also Öl - und das ist die wichtigste Botschaft - geht langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. Die Förderung wird immer aufwändiger und umweltschädlicher, beispielsweise durch Tiefseebohrungen.

Keine Konkurrenz zu Lebensmitteln

Dass die Bauern in Deutschland nun weniger Lebensmittel, dafür aber mehr Pflanzen anbauen, die zu Biokraftstoffen verarbeitet werden, ist Unsinn. Die Europäische Union hat beschlossen, den Anteil der erneuerbaren Energie im Verkehrssektor zu steigern - und zwar auf zehn Prozent bis 2020. Eine direkte Förderung für den Anbau von Pflanzen, die zu Biokraftstoffen verarbeitet werden, kennt die EU nicht. Vielmehr wurden Flächen, die bislang brachlagen, von der EU wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise und der zunehmenden Produktion von Biokraftstoff wieder in Betrieb genommen.

Hierzulande scheint man mit der reibungslosen Einführung eines modernen Produkts hoffnungslos überfordert zu sein, während in anderen Ländern bereits seit Jahren Bio-Sprit gezapft wird. Die USA, mit Brasilien der weltweit führende Produzent von Biotreibstoffen, setzen dabei vor allem auf Mais. Seit Beginn des Jahres muss dort jeder Biospritanbieter nachweisen, dass die Pflanzen, aus denen sein Kraftstoff hergestellt wird, unter einigermaßen umweltverträglichen Bedingungen angebaut wurden. Auch EU-Länder wie die Niederlande oder Frankreich gehen diesen Weg. In Frankreich wurde E10 schon 2009 weitgehend reibungslos eingeführt. Österreich will im Herbst 2012 folgen. In Schweden werden Ethanol-Fahrzeuge subventioniert - und der Biosprit-Anteil ist teilweise viel höher als derzeit in Deutschland. Kaum auszudenken, wenn jemand hierzulande nur auf eine solche Idee kommen würde.

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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