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Wirtschaft

Bio-Pionier in der Elfenbeinküste

Der deutsche Importeur Biotropic hat den ökologischen Anbau in der Elfenbeinküste eingeführt. Vor vier Jahren startete das Projekt. Eine Bilanz.

Es riecht nach Zitronen in der kalten Lagerhalle am Stadtrand von Duisburg. Kisten und Paletten mit Bananen, Mangos, Kokosnüssen, Zitrusfrüchten und Ananas stapeln sich bis an die Decke. An einem großen Tor steht ein offener LKW, ein Gabelstapler stellt Kisten voll mit Gemüse auf die Ladefläche.

Die Lagerhalle gehört zur Biotropic GmbH, einem der größten Importeure für Obst und Gemüse aus Bio-Anbau in Deutschland. Mit Bio-Bananen aus der Dominikanischen Republik fing  alles an, 1997 war das. Ob Kiwis, Nüsse, Datteln, Orangen  - heute importiert Biotropic Obst und Gemüse aus aller Welt.

Bio-Ananas aus der Elfenbeinküste

Vor vier Jahren führte Biotropic den Bio-Anbau in der Elfenbeinküste ein. Von Anfang an arbeitete das Duisburger Unternehmen mit der Kooperative Ivoire Organics zusammen, die damals noch unter dem Namen BioIvoire firmierte. "Wir hatten davor ein paar Versuche in anderen Ländern, wie Kamerun zum Beispiel, die leider nicht geklappt haben aus diversen Gründen", sagt Kuemkwong Siemefo, Leiter der Afrika-Abteilung von Biotropic. "Dann sind wir zur Elfenbeinküste gekommen, wo die Infrastruktur hervorragend ist. Wir hatten das Glück, dass die Bauern, mit denen wir arbeiten, eine lange Kultur im Ananas-Anbau hatten."

Die Ananasproduktion hat eine lange Tradition in der Elfenbeinküste. Seit den 1970er Jahren ist das westafrikanische Land der wichtigste Produzent von Ananas für den europäischen Markt. Zu Beginn des Jahrtausends brach der Ananasexport jedoch um mehr als 20 Prozent ein. Der Bürgerkrieg schreckte Investoren und Käufer ab, besonders kleine Produzenten hatten Schwierigkeiten, ihre Ware zu verkaufen. Viele Bauern wurden arbeitslos.

Kakaoernte in der Elfenbeinküste

Neben Ananas ist die Elfenbeinküste einer der wichtigsten Kakaoerzeuger der Welt

Schaffung von Arbeitsplätzen

Durch die Zusammenarbeit mit Biotropic seien viele Jobs entstanden, sagt Paul Stephane Goa Pegnene, Geschäftsführer von Ivoire Organics. "Für die Arbeit haben wir Leute aus den Dörfern rekrutiert. Die kleinen Produzenten hatten vorher keine Mittel, um den Ananasanbau fortzuführen. Aber mit der Investition von Biotropic können wir sie bei der Produktion unterstützen." 

Unterstützung bekam Biotropic von Sequa, einer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit in Bonn. Sequa half zwischen 2008 und 2010 mit Know-How und vor allem mit Geld. Afrika sei ein sehr risikoreiches Investitionsumfeld, so Kuemkwong Siemefo von Biotropic. "Sequa war ein wichtiger Risiko-Minimierungsfaktor. Ohne die finanzielle Unterstützung von Sequa wären wir nicht dorthin gegangen."

Nicht alle Ziele erreicht

Für Sequa stand neben der Einführung des Bio-Anbaus in der Elfenbeinküste auch der Wissenstransfer im Mittelpunkt des Projekts. Über ein neu gegründetes Institut an der Universität Abobo Adjamé sollte Know-How über biologischen Anbau im ganzen Land verbreitet werden. Doch die Kooperation mit der Universität scheiterte aus politischen Gründen, sagt Susanne Sattlegger von Sequa. Trotzdem zieht sie eine positive Bilanz. Die Zusammenarbeit mit der Kooperative und die Bio-Zertifizierung hätten gut funktioniert. "Dass nicht alle entwicklungspolitischen Ziele erreicht wurden, lag an solchen externen Faktoren, wie Umwelteinflüssen, Klimaeinflüssen und eben die problematische Zusammenarbeit mit der Universität aus politischen Gründen", so Sattlegger. "Das sind aber alles Dinge, die weder wir, noch Biotropic hätte beeinflussen können."

Trotz der Probleme hat Biotropic sein Engagement in der Elfenbeinküste ausgebaut. Mit zehn Mitarbeitern und einer Anbaufläche von lediglich zwei Hektar ging es vor vier Jahren los, heute produzieren rund fünfzig Bauern auf insgesamt 70 Hektar für Biotropic. Hinzu kommen noch etwa zwanzig Kleinbauern, die ihre Produkte an die Ivoire Organics verkaufen. Biotropic versorgt die Kooperative mit Saatgut und Maschinen und finanziert die Bio-Zertifizierung. Neben Ananas bauen die Bauern der Ivoire Organics inzwischen Cashewnüsse, Mangos und Kokosnüsse für Biotropic an. Der Anbau von Bananen und Kakao ist in Planung.

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