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Globale Zusammenarbeit

Bio-Importnation Deutschland

Die Marke Bio ist weiter auf dem Vormarsch. Bei der internationalen Fachmesse der Branche in Nürnberg buhlen Hersteller aus vielen Ländern um den zweitgrößten Markt der Welt: Deutschland.

Tomaten aus den Niederlanden, Gurken aus Spanien, Bananen aus Kolumbien, Linsen aus Kanada – ein Streifzug durch das Bioangebot deutscher Supermärkte gerät schnell zur kulinarischen Weltreise. Allein 18.000 Tonnen Bio-Tomaten wurden vergangenes Jahr nach Deutschland importiert. Der Umsatz von Bioprodukten legte 2011 um fast zehn Prozent zu. Mit der Produktion kommen heimische Landwirte nicht mehr hinterher. Immer mehr Bauern bauen lieber Mais für Biogasanlagen an und verzichten auf ökologischen Anbau.

Importe stützen Bio-Boom in Deutschland

IFOAM-Geschäftsführer Markus Arbenz fordert einheitliche Bio-Standars (Foto: Biofach)

IFOAM-Geschäftsführer Markus Arbenz fordert einheitliche Bio-Standars

Bei Kartoffeln liegt der deutsche Produktionsanteil noch bei vergleichsweise guten 72 Prozent. Andere Gemüseabteilungen in Bioläden würden ohne Importe allerdings leer bleiben. "Bei Möhren haben wir etwa einen Anteil von 50 Prozent, der importiert wird, und wenn sie dann weiter gehen zu Paprika oder Tomaten, dann sind wir bei 80 Prozent Importanteil oder mehr“, sagt der Geschäftsführer des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Alexander Gerber, der DW. "Die Milch kommt zum Beispiel aus Österreich und Dänemark, Schweinefleisch aus Dänemark, den Niederlanden, Italien."

Jeder fünfte Kunde greift in Deutschland mittlerweile mindestens einmal pro Woche zu Bioprodukten. Jede Ware soll zu jeder Jahreszeit verfügbar sein. Deutschland deckt seinen Bedarf an Bio-Waren vor allem aus den europäischen Nachbarländern. Dabei entwickelt sich Osteuropa immer mehr zur Kornkammer der deutschen Bio-Verbraucher.

Vor allem bei Reis, Kaffee und Bananen spannt sich das System Bio aber über die ganze Welt. Aus Pakistan, Ecuador und Brasilien müssen die Waren dann nach Deutschland gebracht werden. Um die Bioqualität auf der Reise zu erhalten, ist die Logistik aufwendig und teuer. Bio-Experte Gerber erklärt das mit den vergleichsweise kleinen Handelsmengen: "Außerdem müssen alle Handelsstufen von der Herstellung über die Lieferetappen bis in den Laden hinein kontrolliert werden. Ein großer Aufwand, damit wir am Ende ein sicheres Bioprodukt haben."

Europäisches Biosiegel bestimmt weltweite Produktion

Tee-Pflückerin bei der Abeit: Indien exportiert bislang vor allem Bio-Tee nach Deutschland

Indien exportiert bislang vor allem Bio-Tee nach Deutschland

Wer auf dem deutschen Markt Fuß fassen will, der muss außerdem nach europäischen Standards produzieren und das europäische Bio-Siegel tragen. Gerade aber diese Zertifizierungen machen es Bioproduzenten außerhalb Europas oft schwer. "Bei Fair Trade haben wir globale Standards, bei Bio nicht", so Markus Arbenz, Geschäftsführer der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM). Jedes Land produziere nach seinen eigenen Standards.

Länder wie Indien, Argentinien und Costa Rica haben sich mit der Europäischen Kommission auf vereinfachte Importverfahren geeinigt. Andere aufstrebende Bioproduzenten wie China stehen dagegen immer öfters in der Kritik. Biosiegel könnten hier gekauft werden, mutmaßen amtliche chinesische Agenturen.

Den größten Bioskandal der vergangenen Jahre leisteten sich aber  italienische Hersteller – aus dem wichtigsten Importland für den deutschen Markt. Waren im Wert von 220 Millionen Euro sollen mit falschen Biosiegeln ins Ausland verkauft worden sein – unter anderem auch nach Deutschland.

Indien will mit Bio-Mode in Deutschland punkten

Asit Tripathy, Geschaeftsfuehrer APEDA, und Bernd A. Diederichs, Geschaeftsfuehrer NuernbergMesse unterzeichenen einen Vertrag. Indien ist Land der BioFach 2012 Copyright: Biofach Februar 2012, Nürnberg

Biobaumwolle soll indische Textilien für den europäischen Markt attraktiv machen

Auf der diesjährigen Biofach-Messe in Nürnberg steht Indien im Mittelpunkt. Traditionell verkauft das Land vor allem Bio-Tee nach Deutschland. Jetzt will Indien aber von einem neuen Trend profitieren, der Bio-Mode. Das erklärte der Präsident der indischen Exportfördergesellschaft APEDA, Asit Tripathy, der DW im Rahmen der Messe. "Bio-Baumwolle ist in Europa sehr beliebt. Wir konzentrieren uns jetzt auf zwei Felder: Textilien und Gewürze", so Tripathy.

Gut sechseinhalb Milliarden Euro gaben deutsche Verbraucher vergangenes Jahr für Bio-Produkte aus. Deutschland als Bio-Importnation wird auch in Zukunft weiter auf Produzenten in aller Welt angewiesen sein, um seinen Bedarf an hochwertigen Lebensmitteln decken zu können.

Autor: Matthias Rüd
Redaktion: Mirjam Gehrke

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