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Politik

Bin Laden will mit Europa "abrechnen"

El-Kaida-Chef Bin Laden droht in einer neuen Audio-Botschaft Europa wegen der dänischen Mohammed-Karikaturen mit Vergeltung. Die Veröffentlichung der Tonaufnahme fällt mit dem fünften Jahrestag des Irakkrieges zusammen.

Das Bild zur Audio-Botschaft: Bin Laden mit einer AK-47 (Quelle: AP)

Das Bild zur Audio-Botschaft: Bin Laden mit einer AK-47

Eine Web-Site islamischer Extremisten veröffentlichte am Mittwochabend (19.3.2008) eine Audio-Erklärung Osama bin Ladens zusammen mit einem Foto, das den Terrorführer mit einem Sturmgewehr zeigt, einer AK-47.

In Anspielung an den Abdruck der Karikaturen im Februar erklärte Bin Laden: "Ihr habt es in eurem Unglauben übertrieben, indem ihr diese beleidigenden Zeichnungen veröffentlicht habt. Das ist das größte und gefährlichste Unglück und das Urteil dafür wird entschlossener ausfallen." Die Karikaturen seien Teil eines "neuen Kreuzzugs" gegen den Islam, in dem der Papst eine besondere Rolle spiele. "Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört", fügt der El-Kaida-Führer kryptisch hinzu.

Experten sehen "klare Bedrohung" gegen die EU

Europa müsse sich auf eine "Abrechnung" gefasst machen, sagte Bin Laden in der Tonbandbotschaft, von der das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Institut SITE berichtete. Der Leiter des ebenfalls auf Islamisten-Websites spezialisierten US-Instituts IntelCenter, Ben Venzke, nahm die Drohung ernst. Bin Laden hatte sich zuletzt Ende Dezember zu Wort gemeldet.

Der El-Kaida-Chef richtete sich in seiner Tonbandbotschaft laut SITE an die "Intelligenten" in der Europäischen Union. Die Veröffentlichung der Karikaturen sei ein größeres Verbrechen als das Vorgehen der westlichen Truppen gegen muslimische Dörfer und die Tötung von Frauen und Kindern, sagte er. Die "Abrechnung" werde noch "ernster" sein. "Wenn ihr die Freiheit eurer Worte nicht kontrolliert, dann stellt euch auf die Freiheit unserer Taten ein."

IntelCenter-Chef Venzke sagte, Bin Ladens Botschaft sei eine "klare Bedrohung gegen EU-Mitgliedstaaten und ein Hinweis auf einen möglicherweise bevorstehenden bedeutenden Angriff". Es sei allerdings nicht klar, wann sich so ein Angriff ereignen könnte. Laut SITE wurde die fünf Minuten lange Tonbandbotschaft von El Kaidas Medienableger Es Sahab im Internet veröffentlicht. Die Aufnahme ist mit englischen Untertiteln versehen.

Verbale Attacken auf US-Präsident Bush

Bin Laden griff in der Botschaft auch US-Präsident George W. Bush an, den er als Europas "unterdrückerischen Verbündeten" bezeichnete, "der - zusammen mit seiner aggressiven Politik - bald das Weiße Haus verlassen" werde. Die "grausamen Handlungen" der US-geführten Miltärkoalitionen im Irak und in Afghanistan hätten "den Krieg nicht beendet", sondern vielmehr "unsere Entschlossenheit gestärkt, an unseren Rechten festzuhalten, unser Volk zu rächen und die Invasoren aus unserem Land zu jagen", sagte Bin Laden weiter.

Die Veröffentlichung der Botschaft fiel mit dem fünften Jahrestag des Einmarschs der US-Truppen im Irak zusammen. Bush hatte am Mittwoch in einer Rede den Irakkrieg gerechtfertigt und von Forschritten im Anti-Terror-Kampf gesprochen. Der Irak sei zu einem Land geworden, in dem erstmals arabische und US-Streitkräfte gemeinsam gegen das Terrornetzwerk El Kaida kämpften, betonte er.

Zuletzt hatte sich Bin Laden am 29. Dezember 2007 mit einer Tonbotschaft im Internet zu Wort gemeldet. Damals warnte er die muslimische Weltbevölkerung vor einer Unterstützung der irakischen Regierung, die von den USA gesteuert werde und versprach die "Befreiung Palästinas".

Die Veröffentlichung von zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed in einer dänischen Zeitung hatte zwei Jahre zuvor in der islamischen Welt eine Welle der Empörung und Gewalt ausgelöst. Mehr als ein Dutzend dänische Zeitungen druckten im Februar 2008 als Demonstration der Pressefreiheit erneut eine der umstrittenen Karikaturen. Grund war die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner. (stl)

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