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Politik

Bin Laden entlastet Moussaoui

Mit einer neuen Botschaft versucht der El-Kaida-Chef Osama bin Laden Zacarias Moussaoui zu entlasten. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Moussaoui habe nichts mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zu tun.

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Osama bin Laden meldet sich zu Wort

11. September 2002 - Jahrestag

Anschlag auf das World Trade Center am 9. September 2001

Nach längerem Schweigen hat sich Terroristenführer Osama bin Laden erneut zu Wort gemeldet und den in den USA wegen seiner Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September inhaftierten Zacarias Moussaoui zu entlasten versucht. In einer vom arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira am Dienstagabend (23.5.) ausgestrahlten Tonaufnahme stellte sich der Anführer des Terrornetzwerks El- Kaida zum wiederholten Male als Drahtzieher der Anschläge in New York und Washington dar.

"Persönlich ausgewählt"

Bin Laden versichert darin, dass er persönlich die 19 Attentäter vom 11. September 2001 ausgewählt habe. Der in den USA vor kurzem im Zusammenhang mit den Anschlägen verurteilte Franzose Moussaoui sei jedoch nicht von ihm beauftragt worden. "Ich bin derjenige, der für die Auswahl der 19 Personen, die die Anschläge ausführten, verantwortlich war, und ich habe Moussaoui mit keinerlei Funktion beauftragt", heißt es in der Botschaft.

Zacharias Moussaoui

Zacarias Moussaoui

Er habe den Attentätern persönlich ihre Aufgaben zugeteilt, betonte Bin Laden in der Aufnahme, die auf der Website mit einem Foto des Terroristenführers und einer englischen Transkription veröffentlicht wurde. "Ich habe Zacarias nicht angewiesen, mit ihnen an dieser Mission teilzunehmen." Moussaouis Geständnis vor dem Gericht in Alexandria in Washington sei darauf zurückzuführen, dass dieser zuvor viereinhalb Jahre lang unter Druck gesetzt worden sei. Das Geständnis sei falsch.

"Krieg gegen die Mudschaheddin"

Moussaoui sei zwei Wochen vor den Anschlägen festgenommen worden, heißt es in der Aufnahme. Wenn er tatsächlich in die Attentate verwickelt gewesen wäre, hätten seine Komplizen die USA sofort verlassen, anstatt die Anschläge zu vollenden. Der 39-jährige Moussaoui war Anfang Mai wegen seiner Beteiligung an dem Komplott zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte nach eigenen Angaben ein Flugzeug in das Weiße Haus steuern sollen. Wenige Tage später zog er sein Geständnis überraschend zurück und legte Berufung ein.

Bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und auf das Pentagon in Washington waren im Jahr 2001 fast 3000 Menschen gestorben. Bin Laden äußerte sich in der Aufnahme auch zum US-Gefangenenlager auf Guantánamo. Viele der dort einsitzenden Gefangenen hätten keinerlei Verbindungen zu El Kaida und seien auch nicht in die Anschläge vom 11. September verwickelt. Der Regierung von US-Präsident George W. Bush sei dies bekannt. Sie verberge dieses Wissen jedoch, um einen Vorwand dafür zu haben, Milliardenbeträge in die Verteidigung und ihren "Krieg gegen die Mudschaheddin" stecken zu können. Eines Tages werde "vielleicht" einer aus den Reihen der US-Bürger nach Gerechtigkeit verlangen, "das wird dann den Weg zur Sicherheit eröffnen."

Das Band wurde von den US-Geheimdiensten geprüft. Ein Behördenvertreter ging jedoch davon aus, dass es sich bei dem Sprecher tatsächlich um Bin Laden handelte. Der Terrorführer wolle mit dieser "Propaganda-Nachricht" unter Beweis stellen, das er weiterhin einflussreich und auf der Höhe der Ereignisse sei.

Zuletzt hatte sich Bin Laden vor einem Monat in einer von dem Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlten Tonbandaufnahme an die Öffentlichkeit gewannt. Damals hatte er die internationale Isolierung der Hamas-Regierung und die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen durch eine dänische Zeitschrift scharf kritisiert. (stu)

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