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Afrika

Billigimporte ruinieren Kameruns Bauern

Milchpulver, Palmöl, Weizen - die Industrieländer überschwemmen Kamerun mit vermeintlich hilfreichen Produkten. Doch die Billigpreise zerstören die heimische Landwirtschaft. Dagegen kämpft Bernard Njonga.

Frauen in Kamerun (Foto: John Hay)

Obst und Gemüse von lokalen Bauern ist häufig zu teuer

Getreide wird aus einem Anhänger geschüttet (Foto: DW-TV)

Getreide und Milchpulver überschwemmen Afrika

Wenn er kommt, herrscht Aufbruchstimmung. Bernard Njonga ist aus der Hauptstadt Yaounde in den tiefen Nordosten Kameruns gereist. Er führt einen Protestmarsch von Bauern an, spricht ihnen Mut zu - denn sie haben Angst um ihre Milch, und die ist ihre Zukunft. Bernard Njonga kennt den Ernst der Lage. Molkereibetriebe machen der Reihe nach dicht, weil die Menschen nur noch das billige Milchpulver aus Europa kaufen.

Die kamerunische Milch dagegen wird sauer. Und Kameruns Milchbauern sind es schon lange. Auch Bernard Njonga ist wütend: "Die Leute wollen sich entwickeln, sie wollen den Fortschritt! Kameruns Bauern sind durchaus in der Lage, das Land mit Milch zu versorgen - aber man lässt sie nicht!" Noch fehle die Technologie, um Milch zu pasteurisieren und Milchpulver selbst herzustellen. Das sei teuer und werde noch Zeit brauchen, erklärt Njonga. Aber er ist fest davon überzeugt, dass Kamerun das Potential hat.

Teurer Transport gegen saftige Subventionen

Männer bei der Fleischverarbeitung in Kamerun (Foto: DW-TV)

Fast hatten billige Importe den Fleischmarkt komplett ruiniert

Als Präsident einer Vereinigung von fast 50 Organisationen vertritt Bernard Njonga die Interessen von Kameruns Bauern. Er kämpft unermüdlich für ihre Produkte - und gegen die Zerstörung der Landwirtschaft durch subventionierte Importe. Vor sechs Jahren überzeugte er die Regierung, die Überschwemmung von Kameruns Fleischmarkt mit gefrorenen Hähnchenflügeln aus der Europäischen Union zu bremsen. Die billigen Überreste der Produktion von Hähnchenbrustfilets hatten Kameruns Geflügelzüchter fast komplett ruiniert.

Und Njonga klärt weiterhin auf, damit die Bauern Bescheid wissen - über die Börsenspekulation mit Getreidepreisen, über Tomaten und Zwiebeln aus Holland, über Palmöl und Reis aus Südostasien. Das Problem in Kamerun sei der Transport, erläutert der Bürgerrechtler. Ein Kilo Reis von der Provinz nach Yaounde zu bringen, sei unglaublich teuer - viel teurer als in Thailand und anderswo. Kameruns Straßen seien schlecht, außerdem hätten die Bauern keine Fahrzeuge, um ihre Ernte in die Stadt zu bringen. "Deshalb können unsere Preise nicht mithalten", sagt Njonga, "Die Produkte aus den Industrienationen werden zu Hause kräftig subventioniert, und hier bei uns sind ihre Preise unschlagbar - da haben die lokalen Produkte keine Chance!"

Robin Hood der Bauern

Bernard Njonga gilt als José Bové von Kamerun: Nicht nur weil er einen Schnauzbart trägt, ähnlich wie der berühmte französische Bauernrebell, sondern weil er in Kamerun zum Sprachrohr der Globalisierungskritiker geworden ist, zum Robin Hood der Bauern. Traktorenangriffe auf Fast-Food-Restaurants, wie sie José Bové berühmt gemacht haben, sind zwar nicht Njongas Sache. Allerdings landet auch er immer wieder im Gefängnis, zuletzt nach dem Sitzstreik vor der Zentrale der Weltbank in Jaunde. Gerade erst wurde Njonga wieder zu mehreren Monaten Haft verurteilt, er hatte einen Korruptionsskandal im Landwirtschaftsministerium aufgedeckt.

Menschen auf dem Maoua Markt, einem der wichtigsten Handelsplätze im Norden Kameruns (Foto: picture-alliance / dpa)

Viele Bauern bekommen ihre Ware auf dem Markt nicht los

Für die Regierung ist er ein unbequemer Ruhestörer, den man am liebsten aus dem Verkehr ziehen würde. Denn er stellt unangenehme Fragen. Er will wissen, wie viel Schmiergeld die Politiker einstecken, warum sie Weizenimporte zulassen, statt in die heimische Landwirtschaft zu investieren. "Da wird viel geredet und viel versprochen, aber ich sehe da keine Strategie, keinen politischen Willen, um die Landwirtschaft wirklich zu stärken. Nach all den Jahren haben die da oben einfach noch immer nicht verstanden, wie wichtig es ist, die Zukunft der Bauern zu sichern", bedauert Njonga.

Und deshalb geht der Bürgerrechtler weiter mit den Bauern auf die Straße. Und er hofft darauf, dass er bald wieder Unterstützung bekommt, von seinem Freund, dem echten José Bové. Bei Njongas letzter Demonstration in Yaounde war der Franzose zwar eingeladen - wurde aber nach der Landung mit dem Flugzeug sofort wieder nach Hause geschickt. Zwei José Bovés sind für Kameruns Regierung einer zuviel.

Autor: Alexander Göbel
Redaktion: Carolin Hebig