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Wirtschaft

Billigflieger: An der Sicherheit gespart?

Im internationalen Flugverkehr stieg 2014 die Zahl der Unfallopfer so stark wie lange nicht. Allein der Absturz der AirAsia-Maschine forderte 162 Menschenleben. Indonesien will Billigflüge für mehr Sicherheit reduzieren.

Nicht nur in Asien, auch in Europa hat der Wettbewerb der Fluglinien zu einem Preiskampf geführt. Über billigere Angebote sollen Marktanteile bei den Reisenden gewonnen werden. Immer schon gab es den Verdacht, dass dabei an Sicherheitsstandards gespart wird. Tatsächlich gab es bedenkliche Ereignisse:

"Mayday,Mayday" - diesen Notruf setzten innerhalb von wenigen Minuten gleich drei Piloten aus Flugzeugen der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair ab. Ihren eigentlichen Zielort Madrid konnten sie wegen eines schweren Gewitters nicht anfliegen und versuchten, nach Valencia auszuweichen. Doch für dieses Ausweichmanöver hatten sie zu wenig Sprit getankt, wie es in mehreren Presseveröffentlichungen hieß. Eine Sparmaßnahme, auf die angeblich die Geschäftsleitung gedrängt habe, sagen die Piloten. Ryanair-Chef Michael O'Leary dementiert das und verweist auf die Feststellungen des IAA-Reports. Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Ryanair bezeichnet die Meldungen über Spritmangel ebenfalls als komplett falsch und führt aus, die Flieger hätten noch eine weitere Stunde ohne Probleme fliegen können. Tankfüllungen entsprächen bei Ryanair stets den EU-Sicherheitsrichtlinien. O-Leary damals dazu: Der Vorfall ist gut ausgegangen. Nicht ein einziger Passagier ist dabei zu Schaden gekommen.

An die Öffentlichkeit gelangte jedoch ein "Fuel-Monitoring": Listen, die Soll-Verbrauchswerte an Flugbenzin für eine Route mit der tatsächlich verbrauchten Spritmengen vergleichen. In einer TV-Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks äußern sich Ryan-Air-Bedienstete, dass mit diesen Listen Piloten angehalten worden seien, sparsamer zu fliegen. In der Europäischen Union sind zwar Tankmengen für alle Routen gesetzlich vorgegeben, aber es gibt wohl Spielräume, berichten Insider.

Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit (Foto: Reuters)

Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit

Piloten als Leiharbeiter

Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit erklärt, warum der Spardruck gefährlich werden könnte: "Viele Piloten sind gar nicht bei Ryanair direkt angestellt, sondern in einer Art Leiharbeitnehmerschaft. Wenn ihnen etwas nicht gefällt oder sie etwas für nicht sicher halten, haben sie keine Chance, sich zu wehren." Rund 50 Prozent der Piloten bei Ryanair sind nicht festangestellt, sondern werden nach Bedarf rekrutiert. Ryanair ist mit rund 80 Millionen Passagieren und einem Umsatz von fünf Milliarden Euro der größte sogenannte "Low-Cost-Carrier" in Europa. Deutlich dahinter rangieren Easyjet, Vueling, Wizz und Germanwings.

Piloten von Billigfluglinien beklagen den enormen zeitlichen Druck, unter dem sie stehen. Für die Passagierabfertigung beim Ein- und Aussteigen, für Reinigung, Tanken und das Be- und Entladen des Gepäcks bleiben nach einer Landung nur 25 Minuten. Dann muss die Maschine wieder in der Luft sein, um Geld zu verdienen. Zeit für Flüchtigkeitsfehler?

Flugzeuge von Ryanair (Foto: dpa)

In Europa führend: Ryanair

Ergebnisse von Sicherheitschecks

Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamtes führen regelmäßig Kontrollen ohne Vorwarnung für die Flugzeugcrews durch. Dazu gehört die Prüfung der gesamten Technik sowie der Zustand der Kabine und die strenge Kontrolle der Sicherheitscomputer im Cockpit. Einer der Kontrolleure ist Marco Lütkemeyer. Er bilanziert: "Insgesamt haben wir eigentlich ein sehr gutes Bild von den Billigfliegern. Viele davon haben relativ neue, moderne Flugzeuge und ein entsprechendes Sicherheitskonzept. Wir können nicht erkennen, dass dort vermehrt Beanstandungen auftreten als bei anderen Flugzeugen."

Die international anerkannte Institution JACDEC in Hamburg protokolliert seit 1989 weltweit Unregelmäßigkeiten und Unfälle in der kommerziellen Luftfahrt. Führende Luftfahrtbehörden unterstützen JACDEC. Das Berichtswesen ist in den vergangenen Jahren immer transparenter geworden. Selbst der Iran zeigt sich offen. Jan Arwed Richter von JACDEC bestätigt nach Auswertung von 10.000 Zwischenfällen in 20 Jahren: "Wir können nicht feststellen, dass sich bei Billigfliegern eine erhöhte Unfallhäufigkeit ergibt."

Aufgeschreckt habe die Tatsache, dass es auch bei den großen, renommierten Fluggesellschaften immer wieder zu bedrohlichen Zwischenfällen komme. Dazu zählen zum Beispiel der Austritt sogenannter Aerotoxide, Giftstoffe, die aus den Triebwerken mit der dort entzogenen Luft in die Kabine gelangen. Pasagiere und Piloten klagten schon öfter über plötzliche heftige Übelkeit. Die Bundesstelle für Flugunfälle meldete zudem noch im vergangenen November und Dezember die Häufung von "Loss-of-Controle-Situationen." Dazu kommt es vor allem in der Steigphase, wenn die Messtechnik zur Geschwindigkeit etwas anderes anzeigt als der Bordcomputer im Cockpit ausweist.

Ranking der Sicherheit

Maschine der Gesellschaft Cathay Pacific Airways (Foto: dpa)

Nummer 1 im Sicherheits-Ranking - unfallfrei seit 40 Jahren: Cathay Pacific

Die britische Unternehmensberatung Skytrax verleiht seit 1990 die "World Airline Awards". Aus Befragungen von 19 Millionen Passagieren aus 105 Ländern im Zeitraum von August 2013 bis zum Mai 2014 ergab sich eine Liste der besten Billigflieger in Europa. Platz 1: Norwegian. Platz 2: Easyjet. Platz 3: Germanwings.

Am 16. Januar 2015 will das deutsche Flugmagazin Aero International zusammen mit JACDEC eine Liste der 60 sichersten Airlines weltweit veröffentlichen. Die ersten Plätze stehen jetzt schon fest. Sie berücksichtigen Airlines, die über Jahrzehnte keine Unfälle mit Flugmaschinen verzeichnen.

Platz 1: Cathay Pacific Airways, Hongkong. Platz 2: Emirates, Vereinigte Arabische Emirate und Platz 3: Eva Air aus Taiwan. In den Vorjahren lag die kleine Gesellschaft Finnair immer vorne. Seit 90 Jahren unauffällig. Die deutsche Lufthansa belegt im übrigen aktuell Platz 12. Immerhin verlor die Gesellschaft seit über zwanzig Jahren kein einziges Flugzeug; neben Air Canada, Air New Zealand und Quantas ein zuverlässiger Riese. Die sichersten Flugrouten liegen in Europa. Als riskanter gelten laut Unfallstatistik Strecken in Afrika, Pakistan und Nepal.