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Wirtschaft

Billiger als ein Haus

Ein guter, neuer Reisebus hat den Wert eines Einfamilienhauses. Zu viel für manche Reiseunternehmen in Osteuropa. Doch eine Veranstaltung in Neu-Ulm hilft den Firmen weiter: die Internationale Gebraucht-Omnibus-Messe.

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Bus günstig abzugeben

Normalerweise dient die Halle 20 des EvoBus-Werkes in Neu-Ulm der Endabnahme fabrikneuer Reisebusse der Marke Setra. Doch am Anfang jedes Jahres verwandelt sich das Gebäude für drei Tage in eine Messehalle – für die Internationale Gebraucht-Omnibus-Messe (IGOM), deren zehnte Ausgabe am heutigen Montag (06.01.2003) zu Ende geht. Über 300 gebrauchte Busse werden hier und auf dem dazugehörigen Freigelände zum Kauf angeboten. Vom Neunsitzer für 23.000 Euro über Niederflur-Linienbusse zwischen 30.000 und 250.000 Euro bis hin zum Luxusliner mit Küche und Bord-Video für schlappe 315.000 Euro, plus Mehrwertsteuer, versteht sich.

Heute ist sie vor allem bei ausländischen Kunden sehr gefragt. Doch eigentlich entstand die Busmesse 1994 aus der Not heraus, erinnert sich Gebrauchtwagen-Vertriebschef Erich Weinstock: "Wir hatten sehr hohe Gebrauchtbestände, über 30 Millionen Mark. Es war ein sehr schlechtes Gebrauchtwagenjahr, und so sind wir auf die Idee gekommen, eine Messe zu veranstalten." Mit Erfolg.

Besucher kommen aus ganz Europa

Im ersten Jahr kamen rund 700 Fachbesucher aus fünf Ländern, jedes fünfte Fahrzeug wurde ins Ausland verkauft. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der angebotenen Wagen verdoppelt, rund 2.600 Besucher kamen aus 19 Ländern. "Im vergangenen Jahr hatten wir einen Exportanteil von 48 Prozent" – Weinstock ist stolz. "Wir haben immer sehr viele Kunden aus Frankreich, Italien, und den skandinavischen Ländern. Dieses Jahr haben wir noch Besuchergruppen aus Ungarn, aus Tschechien, aus Russland - es setzt sich wirklich international zusammen."

Genauso wie das Angebot. Denn die Messe findet zwar im Ulmer Setra-Werk statt, aber es werden auch Busse anderer Marken angeboten. Schwedische Volvo- oder Scania-Modelle finden sich genauso im Angebot wie deutsche Neoplan- oder MAN-Busse. Osteuropa hat zwar eine eigene Busindustrie, angefangen vom ungarischen Ikarus über die polnischen Hersteller Autosan und Solaris bis hin zum tschechischen Bus-Bauer Karosa. Doch etliche Busunternehmer schwören auf deutsche Technik, selbst wenn sie etwas teurer ist. So auch Ebco Babic aus Bosnien: "Die Messe von Setra ist etwas Besonderes. Setra ist König auf der Straße", schwärmt er.

Deutsche Busse rollen ins Baltikum

Eine Faustregel besagt, dass man für einen neuen Reisebus den Gegenwert eines Einfamilienhauses hinblättern muss. Im ersten Betriebsjahr verlieren sie rund 20 Prozent an Wert, in den folgenden Jahren jeweils rund zehn Prozent. Deshalb erfreuen sich gebrauchte Busse zunehmender Beliebtheit in Osteuropa und den baltischen Staaten – zumal sie die strengen europäischen Abgasnormen erfüllen, berichtet Michael Frey, Vertriebschef Osteuropa.

Auch in Russland läuft das Geschäft jetzt besser, nachdem die Regierung zum 1. Januar 2002 die Einfuhrzölle von 40 auf 20 Prozent gesenkt hat. Das nutzt auch Nikolai Sidelev. Er ist Busunternehmer in Kolomna, 120 Kilometer südlich von Moskau, hat 1500 Beschäftigte und mehr als 300 Busse – einige davon aus Neu-Ulm. "Letztes Jahr habe ich hier fünf Reisebusse gekauft", erzählt Sidelev. "Das hilft, ein gutes Geschäft zu machen. Und es ermöglicht uns, auf einem höheren Niveau zu arbeiten."

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