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Politik

Billige Krieger: Ugandische Söldner im Irak

US-Amerikanische und britische Sicherheitsfirmen haben tausende Männer aus Uganda im Irak-Krieg unter Vertrag. Die desolate Arbeitsmarktlage in ihrem Heimatland wird ausgenutzt, um ihren Sold zu drücken.

(AP Photo/Maya Alleruzzo)

Angehörige der US-Armee erhalten Hilfe von ugandischen Söldnern

Moses Matsiko überwacht auf einem Sportplatz in Kampala das Training seiner Rekruten. Männer robben mit Kalaschnikows durch Pfützen. Magazine ohne Patronen werden durchgeladen. Sie trainieren für ihren Einsatz als Sicherheitskräfte im Irak. Matsiko war vor fünf Jahren der erste Mann aus Uganda im Irak, der dort für eine US-amerikanische Sicherheitsfirma arbeitete. Und der Job im Irak hat ihn reich gemacht.

Der heute 28-Jährige ist Chef seiner eigenen Sicherheitsfirma. 1200 seiner Jungs bewachen in Bagdad den Flughafen. Auf dem Sportplatz bildet er 300 neue Rekruten aus. Denn er findet, dass es unfair sei, einen Rekruten ohne Training in den Irak zu schicken. "Die Jungs sind alle verzweifelt, einen Job zu bekommen und Geld zu verdienen - sie werden ausgebeutet. Der Irak ist der gefährlichste Ort der Welt. Ohne Training setzen sie ihr Leben aufs Spiel. Es ist unsere Verantwortung, sie richtig auszubilden."

12.000 Sicherheitskräfte aus Uganda

Doch mit der Verantwortung ist es in diesem Geschäft nicht weit her. Denn mit dem privatisierten Irak-Krieg lässt sich in Afrika sehr viel Geld verdienen. 12.000 Sicherheitskräfte aus Uganda arbeiten derzeit im Irak. Sie sprechen Englisch, sind kampferprobt, waren arbeitslos und vor allem billig. Sie verdienen 600 Dollar pro Monat. Für dieses Geld würde kein Europäer einen Schritt in den Irak wagen. Doch in Uganda liegt die reale Arbeitslosenrate bei 30 oder gar 50 Prozent.

Auch Paul Mugabe hatte die Wahl zwischen 600 Dollar im Irak und Null Dollar in Uganda, erklärt er. "Es ist nicht schön, seine Familie zu verlassen. Aber wenn man Geld verdienen will, muss man hart arbeiten, um seine Familie zu ernähren. Deswegen bin ich den Irak gegangen."

Globales Preisdumping

Dieses Dilemma gibt auch der ugandische Staatsminister für Arbeit, Mwesigwa Rukutana, zu. Es liegt in seiner Verantwortung, die Verträge zwischen den Männern und den Firmen im Irak zu überwachen. Doch diese suchen sich weltweit die billigsten Rekruten. Staatsminister Rukutana hat sich herunterhandeln lassen. Auf 600 Dollar kürzte er die Gehälter. "Sie haben ursprünglich 1000 Dollar pro Monat bezahlt. Doch es gibt einen harten Wettbewerb zwischen Uganda und anderen afrikanischen Ländern. Wenn ich die Wahl habe, 12.000 ugandischen Jungs einen Job zu verschaffen, dann gebe ich mein OK dafür."

Der Minister schiebt die Verantwortung für das Preisdumping den US-amerikanischen Firmen in die Schuhe. Wenn er Nein gesagt hätte, hätten die sich Männer für 400 Dollar aus Kenia geholt. Stattdessen ist er stolz, dass die Männer Geld ins Land bringen. "Die Gelegenheit im Irak bringt uns 90 Millionen Dollar im Jahr. Im Vergleich erwirtschaften wir aus unserem Hauptexportprodukt Kaffee zwischen 60 und 70 Millionen Dollar. Wenn die Leute zurückkommen, haben sie genug Geld, um kleine und mittelständische Unternehmen zu gründen."

"Die Bosse kennen dich nicht"

Matsiko macht diese Haltung wütend. Er musste am eigenen Leib erleben, dass die Verträge über Entschädigungszahlungen und Krankenversicherung, die der Minister überwacht, Lippenbekenntnisse sind. Ihn trafen sieben Kugeln. Bis heute hat er keine Entschädigung erhalten, obwohl er die US-amerikanische Firma verklagte, seufzt er. "Die Firmen sind nicht erpicht, den Männern aus den Drittweltstaaten zu helfen. Das liegt im System. Wenn man als Verletzter nach Uganda zurückkehrt, hört in den USA keiner mehr von dir. Die Bosse in Amerika kennen dich nicht. Ob du tot oder lebendig bist, schert sie einfach nicht."

Matsiko befürchtet, dass unter dem neuen US-Präsidenten Barack Obama die Gelder für den Irak-Krieg weiter gekürzt werden. Er weiß, dass an den Gehältern für seine afrikanischen Rekruten zuerst gespart wird.

Wenn Matsiko Weihnachten nach Bagdad fliegt, hat er neue Verträge im Gepäck. Er muss die Schichten auf zwölf Stunden verlängern. Wieder eine Forderung, die kein Europäer für 600 Dollar im Monat unterzeichnen würde. Doch Paul Mugabe hat keine Wahl: Das Leben seiner Familie hängt davon ab.

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