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Wirtschaft

Billigautos stehlen Luxuslimousinen die Schau

Die weltweite Autoindustrie steht vor einem Boom der Billigautos: Schon bald werden jährlich mindestens zehn Millionen Autos unter 10.000 Dollar verkauft. Vorne dabei ist Indien, deutsche Hersteller halten sich zurück.

Das One Lakh Car (100.000-Rupien-Auto) Tata Nano, Quelle: AP

Das "One Lakh Car" (100.000-Rupien-Auto) Tata Nano

Nach einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen entfallen etwa 3,5 Millionen Fahrzeuge sogar in die Super-Billig-Kategorie von 2000 bis 5000 Dollar (1360 bis 3400 Euro). Die deutsche Autoindustrie ist nach der Studie schlecht auf diese Nachfrage vor allem aus den Schwellenländern vorbereitet. Als Beispiel nannte Dudenhöffer das "One Lakh Car" von Tata für 2500 Dollar (1700 Euro), das am Donnerstag (10.01.2008) in Neu Delhi vorgestellt wurde. Es könnte den Hochglanzlimousinen auf der wenige Tage später beginnenden Automesse in Detroit glatt die Show stehlen, meint der Experte. Schon vorher habe Renault mit dem Dacia Logan gezeigt, dass Billigautos erfolgreich sein können. Noch vor dem Jahr 2010 würden jährlich eine Million Dacia Logans verkauft. Die Marke war erst 2004 auf dem Markt gekommen. Deutsche Konzerne bleiben abseits Nicht ganz so billig plant der Autobauer Ford. Der will in den nächsten zwei Jahren in Indien die Produktion eines weiteren Billigautos starten. Der zweitgrößte US-Hersteller investiert derzeit rund eine halbe Milliarde Dollar zusätzlich in das Werk Chennai, damit die Kapazitäten auf 200.000 Fahrzeuge und 250.000 Motoren pro Jahr hochgefahren werden. Nach Angaben eines Ford-Manager soll der geplante Kleinwagen für den indischen Mark ab umgerechnet 5000 Euro zu haben sein. Erst im vergangenen Jahr hatte Ford Investitionen für den Bau von Kleinwagen in Thailand angekündigt. Auch in China produziert der US-Hersteller Billigautos. Neben Tata, Renault und Ford werden sich nach Einschätzung des Fachmanns aus Gelsenkirchen auch Fiat, Toyota und chinesische Autobauer wie Cherry oder Geely tummeln. Deutsche Vorzeigekonzerne wie Volkswagen haben die Produktion eines Billigautos dagegen klar ausgeschlossen. "Vielleicht, weil es für die Entwickler in Wolfsburg oder Rüsselsheim keine Autos sind, auf die ein deutscher Ingenieur stolz sein kann", mutmaßt Dudenhöffer. Trotz einfachem Design und sparsamer Technik muss sich das indische Billigauto zumindest in Sachen Klimaschutz nicht verstecken - im Gegenteil. Der Viersitzer verbraucht mit seinem 30-PS-Benzinmotor weniger als vier Liter pro 100 Kilometer. Der Kohlendioxid-Ausstoß liegt zudem schon heute unter der geforderten EU-Norm und deutlich unter den Werten der deutschen Autobauer. Wachstum kommt aus neuen Märkten Nach Dudenhöffers Berechnungen werden bis zum Jahr 2020 rund 74,6 Millionen Autos weltweit verkauft, knapp die Hälfte davon in Schwellenländern. "Während die etablierten Automärkte stagnieren, kommt das große Wachstum aus den neuen Märkten", meint der Experte. Dies bringe Veränderungen für die Bedeutung der Automobilindustrie in Europa mit sich. Das Kräfteverhältnis der Branche verschiebe sich nach Asien und Ost-Europa. Nach einer Umfrage der Beratungsfirma KPMG unter mehr als 100 Topmanagern der internationalen Autoindustrie gehen fast alle der befragten Experten (92 Prozent) davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren in Asien die meisten neuen Auto-Produktionskapazitäten geschaffen werden. An der Spitze sehen die Fachleute hierbei chinesische und koreanische Hersteller. 83 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass in fünf Jahren in China bereits mehr als 12 Millionen Autos verkauft werden dürften. 2007 waren es rund neun Millionen. (wga)

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