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Wirtschaft

Billig oder gar nicht

Terror, Krieg und Krankheiten wie SARS sind nur die offensichtlichen Gründe der derzeitigen Krise in der Luftfahrt- und Reiseindustrie. Verstärkt wird diese Entwicklung durch einen rasanten Strukturwandel.

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Weitab und dennoch erfolgreich: Flughafen Hahn im Hunsrück

Im Comic würde diese Geschichte in etwa so beginnen: "Im Jahr 2003 war die ganze Luftfahrtindustrie von einer Krise befallen. Die ganze? Nein, denn einer wachsenden Zahl an Billigfliegern ging es immer besser..." Gemeint ist die beispiellose Erfolgsstory zahlreicher Billigfluganbieter. Gemessen an ihren Preisen sind sie gegenüber den traditionellen Airlines ohne Konkurrenz.

Steil aufwärts

Doch das allein erklärt noch nicht, warum die Lufthansa, die zurzeit noch vergleichsweise gut dasteht, weitere Jets stilllegt, während zum Beispiel Ryanair sein Streckennetz ständig erweitert. "Im ersten Quartal 2003 haben wir -verglichen mit dem Vorjahreszeitraum- bei den Passagierzahlen um 138 Prozent zugelegt. Abgesehen von einigen wenigen Charterflügen geht das auf's Konto von Ryanair", erklärt Maria Horber vom Flughafen Frankfurt-Hahn, dem deutschen Hauptstützpunkt der irischen Airline.

Die Deutsche Flugsicherung bestätigt diesen Trend: Der Flugverkehr sei in Deutschland um 2,7 Prozent gestiegen, vor allem wegen der Billigflieger. Anders als die etablierten Airlines fliegen die No-Frills-Unternehmen ("ohne Extras") nahezu ausschließlich innerhalb Europas. Wer günstig sein will, muss sich auf unkomplizierte Angebote beschränken. Und das sind vor allem kurze, überschaubare Reisen ohne Extras. Daher sind die Billiganbieter von der gegenwärtigen Nahost-, Transatlantik- oder Asien-Enthaltsamkeit der Kunden nicht nur nicht betroffen - sie profitieren sogar vom Trend zum Kurztrip.

Aldi statt Reisebüro

Den Trend zur Kurzreise hält Dieter Wilken vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln für ein "Henne-Ei-Phänomen". Der Leiter der Luftverkehrsforschung erläutert im Gespräch mit DW-WORLD: "Erst wenn das Angebot da ist, kommt die Nachfrage." Die Rückbesinnung auf Naheliegendes resultiert nicht allein aus der neuen Angst vor der Ferne. Sie wird dadurch verstärkt, dass immer mehr Direktanbieter ihre Flugreisen ohne Zwischenhändler verkaufen. Das Angebot der flexibleren Direktvermarkter wächst, auf Kosten herkömmlicher Vertriebswege, wie zum Beispiel der Reisebüros.

"Im vergangenen Jahr haben von den etwa 20.000 Reisebüros gut 1000 geschlossen. Und auch in diesem Jahr wird das Sterben ein Stückchen weitergehen", prognostiziert Klaus Laepple, Chef des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbandes. In der Branche spreche man deswegen auch von einer "Aldisierung". Die Direktvermarkter nehmen das wörtlich: Bei Tchibo und einigen Einzelhandelsketten gibt es schon jetzt Reisen zu kaufen, Aldi, Lidl und andere sollen folgen.

Vom Netz in den Flieger

Vorangetrieben wird der Trend zum Reise-Discount zusätzlich durch das Internet. Mit stetig steigenden Nutzerzahlen in Europa steigt auch die Zahl der potenziellen Kunden für diesen günstigen Vermarktungsweg. Den Low-Cost-Carriern, die vor allem auf Kostensenkung setzen, beschert diese Entwicklung wachsende Absatzmärkte. Ryanair-Gründer Michael O’Leary frohlockt: "Während viele Airlines die Preise erhöhen, weil sie ein Kostenproblem haben, werden wir unseren Durchschnittspreis weiter senken. Die Krise bringt doch nur die großen Strukturprobleme vieler Airlines ans Licht."

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