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Aktuell Welt

Bildungsstützpunkt Faisabad

In einer feierlichen Zeremonie hat die Bundeswehr ihr Feldlager Faisabad im Nordosten von Afghanistan in die Hände einheimischer Behörden übergeben. Wie wird sich die Region nach dem Abzug der Soldaten entwickeln?

Nach acht Jahren hat die Bundeswehr nun das erste ihrer großen Camps außerhalb der Hauptstadt Kabul verlassen. Künftig werden in dem ehemaligen Feldlager in Faisabad afghanische Polizisten ausgebildet und eine Zweigstelle der Universität Zentralasiens der Aga-Khan-Stiftung eingerichtet.

Ein gutes Beispiel für die sinnvolle Nachnutzung eines Stützpunkts der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF, meint Bundesaußenminister Guido Westerwelle in einer Erklärung, die er anlässlich der Übergabe in Berlin abgab.

Deutsche und afghanische Polizisten (Foto: dpa)

Deutsche Ausbilder haben afghanische Polizisten trainiert

Jetzt hat die Bundeswehr noch drei größere Lager: in Masar-i-Scharif, Kundus und Baghlan. In Faisabad waren zeitweise 520 Bundeswehrsoldaten untergebracht. Zuletzt waren es noch 250, von denen der Großteil das Lager schon verlassen hatte.

Langer Weg zum Frieden

Trotz der Rückschläge und Schwierigkeiten komme man dem Ziel näher, die internationalen Kampftruppen bis Ende 2014 abzuziehen und die Verantwortung für die Sicherheit in die Hände der Afghanen zu legen, so Westerwelle in seinem Statement. "Klar ist: Der Weg zum Frieden in Afghanistan ist noch lang, aber wir wollen und werden ihn weiter gehen."

Seit Juli war das Lager in der Bergregion an der Grenze zu China und Pakistan abgebaut worden. 140 Fahrzeuge, die meisten davon geschützt oder gepanzert, mussten in das größte deutsche Camp am Flughafen in Masar-i-Scharif gebracht und von dort in die Heimat geflogen werden.

Einige der 200 Wohncontainer, die als Unterkünfte oder als Büros dienten, bleiben stehen. Dort soll unter anderem die Polizei-Spezialeinheit ANCOP einziehen. Sie wurde speziell für die Unruhebekämpfung aufgestellt und von deutschen Ausbildern trainiert.

Auch nach dem Abzug der Soldaten will die Regierung in Berlin ihre Entwicklungshilfeprojekte in der Region weiterführen. Der Universitätsaufbau in Faisabad ist eins davon. Er wird von Deutschland finanziert und soll bis Sommer 2013 abgeschlossen sein. Bauträger ist die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit.

Probleme mit Taliban und Schmugglern

Wie sich die Sicherheitslage in der Region um Faisabad entwickeln wird, wenn die deutschen Soldaten fort sind, kann niemand vorhersagen. Zu befürchten ist, dass die radikalislamischen Taliban in der Provinz an Macht gewinnen werden. Damit wären viele Entwicklungsprojekte gefährdet. Sabur Nasrati, der Polizeichef der Region Badakshan, zu der auch Feisabad gehört, hält die Lage zurzeit zwar für sicher. Da die Region aber in der Nähe der Grenze zu Pakistan liege, habe man jedoch vor allem mit Gefahren durch Schmuggler oder aus Pakistan einsickernde Kämpfer zu rechnen, erklärte er im gespräch mit der DW.

Die afghanischen Sicherheitskräfte sind nur begrenzt in der Lage, für eine zivile Ordnung zu sorgen. In vielen Landesteilen sind sie in der Defensive und müssen sich mit neuen Machtverhältnissen arrangieren. Auch fehlt es ihnen oft an professioneller Ausrüstung. Polizeichef Nasrati erklärte, seine Einheit habe von den Deutschen Ausrüstung etwa in Form gepanzerter Fahrzeuge erbeten. Auch habe man die Bundeswehr gebeten, die afghanische Polizei im Notfall auch mit der Luftwaffe zu unterstützen. Auf diese Bitten sei die Bundeswehr aber bislang nicht eingegangen, so Nasrati gegenüber der DW.

uh/sti/tl (dpa,dapd,rtr)