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Aktuell

Bildungsprogramme: "Bandtagebuch" überwindet Barrieren in Israel

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums deutsch-israelischer Diplomatie und auf Einladung des Goethe-Instituts Tel Aviv zu den Deutschlandtagen war das "Bandtagebuch" auf Tour in Israel. Eine besondere Herausforderung.

Videodreh in Jaffa: EINSHOCH6 zusammen mit der israelischen Sängerin Yael Izkovich. Foto: Friederike Rohmann/DW Akademie

Videodreh in Jaffa: EINSHOCH6 zusammen mit der israelischen Sängerin Yael Izkovich

30 Grad, pralle Sonne, blaues Meer, weißgetünchte Häuser. Freitagnachmittag in Jaffa, einem Stadtteil von Tel Aviv, direkt an der Küste. Und mitten drin neun Musiker aus Deutschland, singend, tanzend, rappend. Was auf den ersten Blick wie Urlaub aussieht, ist harte Arbeit unter schweißtreibenden Bedingungen. Die Videoproduktion zum DW Bandtagebuch findet dieses Mal mit einem ganz besonderem Gast statt. Die israelische Sängerin Yael Izkovich unterstützt die neun Musiker der Band EINSHOCH6 - auf Hebräisch und Arabisch. Deutsch-Israelischer Austausch in der Praxis. "Lasst uns alle nochmal den Text üben, bevor wir anfangen! Gebt alles!", ruft Projektleiterin Shirin Kasraeian der Band zu. Sie steht am Set, hinter der Kamera und hält alle Fäden in der Hand.

Alle Fäden in der Hand halten - das macht Shirin Kasraeian auch, wenn sie nicht gerade mit der neunköpfigen Band beim Videodreh in Israel ist. Zusammen mit der Münchner Band EINSHOCH6 hat sie 2011 das "Bandtagebuch" ins Leben gerufen und übernimmt seitdem die didaktische Leitung für das musikalische Deutschlern-Projekt. Das DW Bandtagebuch ist ein kostenfreies Online-Angebot der Bildungsprogramme der DW Akademie, das aus mehr als 50 Videos besteht, in denen die Band Deutschlerner in ihren Musiker-Alltag mitnimmt, ihnen Deutschland vorstellt und die deutsche Sprache vermittelt. Auf der Grundlage des Online-Angebots touren die Macher des DW Bandtagebuchs seit 2013 auch offline - im realen Leben. Zusammen mit Veranstaltern vor Ort konnten inzwischen in mehr als fünfzehn Ländern Workshops und Konzerte durchgeführt werden. Beim "Bandtagebuch auf Tour" stand nun ein weiteres Ziel auf dem Tourplan: Israel.

Deutsch wird wieder beliebter

In Aktion: Tobias Baum, Kevin Auld und Kurt Achatz (v.l.n.r.) von EINSHOCH6. Foto: Friederike Rohmann/ DW Akademie

In Aktion: Tobias Baum, Kevin Auld und Kurt Achatz (v.l.n.r.) von EINSHOCH6

Auch wenn das Projekt "Bandtagebuch auf Tour" bereits an vielen Orten in der Welt war, ist und bleibt eine Tour durch Israel besonders - gerade wenn es sich bei den Reisenden um deutsche Musiker handelt, die Werbung für Deutschland und die deutsche Sprache machen. Doch wie schafft man es, junge Israelis für Deutsch zu motivieren - eine Sprache, die für viele nach wie vor mit den Gräueltaten der nationalsozialistischen Diktatur verbunden ist? "Für Israel haben wir uns aufgrund der schwierigen gemeinsamen Geschichte sehr bewusst vorbereitet", erzählt Jakob Haas, Cellist bei EINSHOCH 6. Zugleich seien sie aber mit der Erwartung hierher gekommen, dass die Leute sehr offen sind. "Und ich denke, wir sind alle sehr überrascht davon, wie gut es uns gefällt und auch wie positiv wir als Band wahrgenommen werden."

"Momentan sind wir in einer Phase, in der wir in die Zukunft schauen und in der Deutsch immer beliebter wird. Die Vergangenheit wird dabei zwar nicht vergessen, doch unsere Perspektive für Deutschlernen in Israel ist ganz klar nach vorn gerichtet", erklärt Jörg Klinner, Leiter der Abteilung Spracharbeit beim Goethe-Institut Tel Aviv und stellvertretender Institutsleiter. Jetzt sei aber die Chance da, viel zu erreichen. Daher haben er und seine Kollegen den sogenannten Deutschlandtag in Haifa, etwa eine Stunde nördlich von Tel Aviv, organisiert, der anschließend auch in Eilat und Be’er Sheva veranstaltet wurde.

Musik überwindet Sprachbarrieren

Das Bandtagebuch auf Tour: Konzert beim Deutschlandtag in Haifa. Foto: Friederike Rohmann

Das Bandtagebuch auf Tour: Konzert beim Deutschlandtag in Haifa

Klinner und sein Team haben ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt: Deutsches Kino, Improvisationstheater und Showkochen mit Tom Franz, dem aus Köln stammenden Gewinner der israelischen Kochshow "Masterchef".

Ein Tag in entspannter Atmosphäre, an dem sich Studierende, Lehrer, Schüler und andere Deutschinteressierte tummeln. Israelis und überraschend viele Deutsche. Alle freuen sich auf das Highlight des Tages - das Konzert von EINSHOCH6. Und die verstehen ihr Handwerk, heizen den Besuchern ein, die begeistert singen, tanzen und feiern. "Die Leute gehen mit - egal, ob sie Deutsch können oder nicht. Das läuft alles über die Musik, die kennt keine Sprachbarrieren", so Shirin Kasraeian. Musik, die neugierig auf die deutsche Sprache macht. Das Konzept des Bandtagebuchs funktioniert.

"Man darf nicht vergessen, dass wir hier in einem Land sind, das mit Deutschland viele negative Assoziationen verbindet. Umso erfreulicher ist es daher, dass die Rückmeldung der Besucher so positiv ausgefallen ist", erklärt Klinner. Auch Rita Lanczet, Besucherin des Deutschlandtages und seit 1991 Deutschlehrerin an einem Gymnasium in Haifa, berichtet von dem zwar langsam, aber stetig wachsenden Interesse für die deutsche Sprache: "Als ich vor über 20 Jahren angefangen habe, in Israel als Deutschlehrerin zu arbeiten, gab es für Leute, die Deutsch lernen wollten, kein großes Verständnis. Es kam auch vor, dass ich wegen meiner Arbeit stark kritisiert worden bin." Inzwischen habe sich aber vieles geändert. Heute gebe es kaum noch Vorurteile oder Hemmungen gegenüber der deutschen Sprache. Insbesondere Berlin sei momentan bei jungen Leuten ein angesagtes Ziel. Ein guter Zeitpunkt also, um mit dem Bandtagebuch der DW Akademie für Deutsch zu werben.

Rappende Lehrer

Die Macher des Bandtagebuchs: EINSHOCH6 und Projektleiterin Shirin Kasraeian mit Gastsängerin Yael Izkovich

Die Macher des Bandtagebuchs: EINSHOCH6 und Projektleiterin Shirin Kasraeian mit Gastsängerin Yael Izkovich

Der nächste Tag: Goethe-Institut Tel Aviv, Workshop für Deutschlehrer. Ein wichtiger Bestandteil jeder Tour ist neben den Konzerten der direkte Austausch mit Lehrern und Schülern vor Ort. Auch Rita Lanczet ist gekommen: "Ich möchte neue Ideen für meinen Unterricht sammeln. Damit ich in Zukunft noch mehr Schüler für Deutsch begeistern kann!" Shirin Kasraeian und die Mitglieder der Band zeigen, wie viel Spaß Deutsch auch im Unterricht machen kann. "Am Ende des Tages haben wir einen Haufen singender und rappender Lehrer, voller Inspiration für die nächste Unterrichtsstunde", freut sich Shirin Kasraeian. Die Zusammenarbeit mit den Multiplikatoren, den Lehrern, ist einer der wichtigsten Aspekte des Bandtagebuchs. Sie tragen einen großen Teil dazu bei, Schüler für die Sprache zu motivieren. Und das ist das Konzept, auf das das Bandtagebuch baut: Motivation durch Musik und Spaß.

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