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Bildung

Bildungsaktivisten machen mobil

Zehntausende Schüler und Studenten haben ihren Bildungsstreik fortgesetzt. Mit Aktionen in rund 70 Städten wenden sie sich gegen die ihrer Ansicht nach unzumutbaren Zustände im deutschen Bildungssystem.

Protestierende Studentinnen in Berlin (Foto: AP)

Aktionstag in Berlin: "Wie soll man die Welt verändern, wenn nicht durch Bildung?"

"Wir haben 2009 nicht gestreikt und Hörsäle besetzt, um jetzt durch den bildungspolitischen Kakao gezogen zu werden", sagen junge Bildungsaktivisten. Jetzt gehen sie wieder auf die Straße und demonstrieren.

"Es hat sich nicht viel verändert", findet Judith Häuser, eine Schülerin aus Köln. Das Abitur in zwölf Jahren (G8) bedeute Dauerstress für Schüler wie Lehrer. Die Eltern müssten oft als Nachhilfelehrer herhalten oder aber teure Fachkräfte bezahlen. Wer sich das nicht leisten könne, verringere automatisch die Chancen seines Kindes. Deshalb protestiert die Bildungsaktivistin nun wieder öffentlich.

Alles beim Alten

Sie seien 2009 für Chancengleichheit und ein soziales Bildungssystem auf die Straße gegangen, sagt Dennis Petzold, Auszubildender aus Berlin. Aber an seiner Berufsschule seien die Lehrmittel noch immer veraltet, noch immer säßen dort Abiturienten und Hauptschüler zusammen in viel zu großen Klassen. Und immer noch fehle es den Lehrern an Möglichkeiten, die Schwächeren gezielt zu fördern.

Protestierende Studenten in Halle (Foto: AP)

Studierende der Universität Halle: "Lasst uns die Bildung befreien!"

"Der Bologna-Prozess erhöht den Druck auf die Studierenden", meint Franziska Hildebrandt, Studentin aus Hamburg. Die Prüfungslast steige, das Studium sei starr geworden, der Zugang zum Masterstudium begrenzt. Darüber hinaus sei die BAföG-Vergabe, das zinslose Darlehen des Staates, bislang nicht an die neuen Rahmenbedingungen angepasst worden. Wie solle jemand, der nach dem Bachelor-Abschluß zunächst berufstätig wird, dann aber, ein paar Jahre später, doch den Master draufsetzen möchte, dieses Studium finanzieren? Wer keine Eltern hat, die ihm unter die Arme greifen können, hat es schwer.

Ausbildungsförderung wird nämlich nicht geleistet, wenn der Auszubildende bei Beginn des Ausbildungsabschnitts das 30. Lebensjahr bereits vollendet hat. Das passt so gar nicht zu der Vorstellung der Politik, dass junge Menschen nach dem Bachelor-Abschluss zunächst berufstätig werden und später an die Uni zurückkehren, um sich im Master-Studium weiter zu qualifizieren.

Investitionen in die Zukunft

Protestierende Studentinnen in Köln (Foto: dpa)

Protest in Köln: "Mein Papa kauft mir meinen Abschluss"

Der Bereich Bildung und Forschung soll von dem am Montag (7.6.2010) beschlossenen Sparpaket der Bundesregierung verschont bleiben. Die Koalition aus Christdemokraten und Liberalen will an dem Ziel festhalten, zwölf Milliarden Euro zusätzlich für Forschung, Bildung und Entwicklung bis 2013 bereitzustellen. Gleichzeitig appellierte die Bundesregierung an die Länder, "das Ziel, zehn Prozent für Forschung und Bildung auszugeben, weiter zu verfolgen".

Beim dritten Bildungsgipfel am Donnerstag (10.6.) zeigte sich aber, das der Weg zum Ziel recht steinig ist. Angela Merkel konnte sich mit den Ministerpräsidenten der Länder nicht über die Finanzierung dieser 10 Prozent einigen. Die Haushaltslage sei angespannt und da sehe man in den Bundesländern kaum Spielräume für Mehrausgaben, betonten die Minister. Sie forderten einen höheren Anteil aus der Umsatzsteuer mit der sich der Bund an den Bildungsausgaben beteiligen soll.

Bundesweite Streiks

Die Bildungsstreik-Aktivisten werden auch in dieser Woche wieder auf die Straße gehen. Denn die Politik, meint die Heidelberger Abiturientin Hannah Eberle, streue den Menschen doch nur Sand in die Augen. So hätten Bund und Länder bis 2015 für die zu erwartenden zusätzlichen Studienanfänger zwar 275.000 weitere Studienplätze in Aussicht gestellt, diese seien aber bis heute nicht finanziert.

Studierende, Schüler und Auszubildende protestieren in Berlin (Foto: dpa)

In Berlin fordern Studierende, Schüler und Auszubildende: "Reichtum besteuern, Bildung finanzieren."

Weil auch immer mehr Lehrende unter der Situation an Schulen und Universitäten leiden, hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nun mit den Bildungsaktivisten solidarisiert. Sie fordert bessere Betreuungsverhältnisse und ein Programm, um die Qualität der Lehre an den Hochschulen zu steigern. Um internationale Standards zu erreichen, müssten in Deutschland noch einmal 50 Milliarden Euro mehr in die Bildung investiert werden, sagt Vorstandsmitglied Andreas Keller und bezieht sich dabei auf eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Gaby Reucher

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