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Nahost

Bildung für syrische Flüchtlingskinder im Libanon

Der Libanon ist das Hauptaufnahmeland für syrische Flüchtlinge. Doch viele Flüchtlingskinder können dort nicht in die Schule gehen, weil es an finanziellen Mitteln fehlt.

Zwölf Kinder sitzen im Kreis. Sie singen ein Lied, das sie zusammen mit ihrem Lehrer geschrieben haben, und klatschen im Rhythmus der Musik. Der Text erzählt vom Leben im Flüchtlingscamp, der Liebe zur Heimat und dem Spaß am Lernen. Sie leben im Flüchtlingslager für Syrer in Dalhamiyeh, im Industriegebiet von Zahle, einer mittelgroßen Stadt im Osten des Libanon. Mit der Musik möchte Lehrer Ahmad Al-Hammoud seine Schüler aufmuntern: "Einige haben Familienangehörige verloren. Hinzu kommt, dass das Leben im Lager sehr stressig ist. Die Unterkünfte sind sehr eng, und die Eltern haben finanzielle Sorgen."

Schule im Zelt

Das große Zelt, in dem die Musikstunde stattfindet, gehört zu der Schule, die vor einigen Monaten für die Kinder von Dalhamiyeh eröffnet wurde. Die Organisation Beyond hat im Auftrag des UN-Kinderhilfswerks UNICEF die Schule aufgebaut. Sie besteht aus dem gleichen Material wie die Unterkünfte der Menschen im Camp: Holz- oder Metallgerüste, bedeckt mit Plastikplanen.

Das Dalhamiyeh-Flüchtlingslager für Syrer in Zahle/Libanon (Foto: DW/Naggar)

Das Dalhamiyeh-Flüchtlingslager für Syrer in Zahle

Der Lehrplan für dieses informelle Bildungsangebot ist eine Mischung aus dem libanesischen und dem syrischen Curriculum, erklärt Maria Assi von Beyond: "Ziel ist es, dass die Schüler im Fall ihrer Rückkehr in die Heimat wieder Anschluss an das dortige Schulsystem finden - oder an einer staatlichen libanesischen Schule aufgenommen werden können."

Beyond betreibt im Auftrag von UNICEF 42 Schulen im Libanon: in der Bekaa-Ebene und im Norden des Landes. "Aber wir brauchen sehr viel mehr von diesen Einrichtungen", ergänzt Assi: "Denn es kommen immer mehr Flüchtlinge, und neue Lager entstehen. Aber UNICEF hat nicht genug Geld, um weitere Schulen aufzubauen."

Wissbegierige Kinder

Einige Kilometer östlich von Zahle liegt das Lager Salih. Es ist eine Ansammlung von Hütten, die aus Plastikplanen gebaut sind - ähnlich wie Dalhamiyeh. Das Lager ist nach dem Besitzer des Grundstücks benannt, auf dem die Flüchtlinge ihr neues Zuhause notdürftig errichtet haben. Hier engagiert sich eine Organisation von Exil-Syrern für die Schulbildung ihrer jungen Landsleute. Die Organisation Alphabet hat für die Kinder von Salih eine kleine Schule eröffnet. Sie besteht aus zwei Klassen, für ältere und jüngere Schüler, mit jeweils etwa 30 Kindern.

Syrische Lehrer aus dem Camp wie Hanadi Al-Husari übernehmen die Stunden. Sie unterrichtet Kinder zwischen acht und zwölf Jahren in den Fächern Arabisch, Mathematik und Englisch. "Die Kinder sind sehr wissbegierig. Sie arbeiten gut mit", sagt die junge Lehrerin.

In den vergangenen drei Jahren hat der Libanon ungefähr eine Million Syrer aufgenommen. Wahrscheinlich sind es mehr, da sich nicht alle beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR registrieren lassen. Anders als in Jordanien oder in der Türkei leben die

Flüchtlinge im Libanon

nicht in Lagern, die vom UNHCR oder von den Regierungen errichtet wurden, sondern sind über das ganze Land verteilt. Sie mieten sich Wohnungen, kommen in Garagen unter oder bauen sich Hütten, wie im Camp von Dalhamiyeh oder in Salih. Trotz der Initiativen von UNICEF und Alphabet gibt es in den meisten Camps keine Schulen. Maria Assi schätzt, dass ungefähr 240.000 syrische Kinder und Jugendliche im Libanon keinen Zugang zu Bildung haben.

Nachmittagsunterricht an libanesischen Schulen

Das Logo der Organisation Alphabet, die sich für die Bildung syrischer Flüchtlingskinder einsetzt(Foto: DW/Naggar)

Die syrische Organisation Alphabet setzt sich für die Bildung von Flüchtlingskindern ein

Internationale Organisationen und Experten warnen vor der dramatischen Bildungssituation syrischer Kinder im Libanon. Kevin Watkins, Direktor des

Overseas Development Institute

, hat im Auftrag des UN-Sondergesandten für Bildung den Libanon bereist und einen Bericht verfasst. Der Experte weist darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft zu wenig für die Bildung der syrischen Flüchtlingskinder tut und die libanesische Regierung in diesem Bereich nicht genug unterstützt. Er fordert einen auf drei Jahre ausgelegten internationalen Plan, der den Ausbau aller Bildungsoptionen finanziert: Das betrifft sowohl den informellen Unterricht, so, wie ihn UNICEF bereits in einigen Camps organisiert, als auch den Ausbau des Unterrichts an staatlichen libanesischen Schule.

Das libanesische Erziehungsministerium hat im vergangenen Schuljahr bereits 40.000 syrische Kinder kostenlos an staatlichen Schulen aufgenommen. In diesem Jahr führte das Ministerium mit einer Finanzierung vom UNHCR eine zweite Schicht an einigen staatlichen Schulen ein, eine Kernforderung von Kevin Watkins. So konnten 30.000 Kinder mehr aufgenommen werden.

Soha Bou Shabke vom libanesischen Erziehungsministerium erklärt, dass die Regierung in Beirut bereit sei, mehrere Schulen für den Nachmittagsunterricht bereitzustellen, wenn es eine Finanzierung gebe. Denn Schulen müssen repariert und neue Lehrer angestellt werden. Doch das UNHCR kann zurzeit keine weiteren Angebote finanzieren.

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