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Bildung

Bildung für Menschlichkeit

In der Schule lernen, wie eine gerechtere Welt funktioniert, dafür plädiert der südafrikanische Bürgerrechtler Denis Goldberg. Mit seinen Vorträgen ist er auch in deutschen Schulen zu Gast.

22 Jahre verbrachte der südafrikanische Bürgerrechtler Denis Goldberg während der Apartheid im Gefängnis. Heute ist er Ehrenpräsident der Wohltätigkeitsorganisation H.E.A.R.T (Health Education and Reconstruction Training), die er selbst 1995 in Großbritannien gegründet hat. Im vergangenen Jahr erhielt Goldberg für seine Verdienste um die deutsch-südafrikanischen Beziehungen und seinen Einsatz für eine gerechte Welt das Bundesverdienstkreuz. Im DW-Interview erläutert er, warum Bildung für Menschlichkeit so wichtig ist.

DW: Herr Goldberg, Sie werben weltweit für Menschlichkeit und soziales Handeln und sehen da auch die Bildungsinstitutionen und die Medien in der Pflicht. Wie sollen die Menschen Ihrer Meinung nach über die Bildung an diese großen humanen Ziele herangeführt werden?

Denis Goldberg (Foto: DW / K. Danetzki)

Der Bürgerrechtler Denis Goldberg

Denis Goldberg: Wenn man hört, dass Leute zur Schule gehen, denkt man unmittelbar, dass ihre Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet sind. Aber was lernen die Schüler? Es sind meist nur Fakten, Daten und die Namen von Königen und welche Kriege es in ihrer Amtszeit gab. Bildung an sich ist wichtig, aber auch, welche Inhalte die Bildung ausmachen. Wir müssen im Geschichts- oder Politikunterricht auch nach den Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft fragen. Sind es zum Beispiel die Reichen, die die Macht haben? Oder wenn der Begriff Sozialdemokratie auftaucht: Was bedeutet sozial, was bedeutet Demokratie?

1943 - also zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Faschismus und des Rassismus überall in Europa - war ich 10 Jahre alt. In meinem Schulbuch stand, Südafrika sei eine Demokratie, weil alle Erwachsenen wählen dürften. Als ich nach Hause kam, habe ich zu meiner Mutter gesagt: "In meinem Schulbuch steht, dass alle Erwachsenen in Südafrika wählen können, aber es sind doch nur die Weißen." Das ist ein Beispiel für kritisches Denken. Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, wo über solche Sachen geredet wurde. Es ist immer wichtig, Hintergründe zu kennen und zu lernen, Dinge einzuordnen.

Das heißt, kritisches Denken und das Hinterfragen von Fakten kommen Ihnen oft zu kurz. Ist das ein weltweites Problem, oder sind die Industrienationen da schon weiter fortgeschritten?

Es gibt eine Schicht in der Gesellschaft, in der die Idee, dass Eltern ihren Kindern die Dinge erklären, einen hohen Stellenwert hat. Ich bin dafür, dass die Schulen, dass Lehrer und Lehrerinnen und auch die Medien, insbesondere das Fernsehen, Werte wie Humanismus und Menschlichkeit überall in der Welt übertragen. Da geht es um das Verständnis der Menschen füreinander.

Ein Wandgemälde für Neslon Mandela in einem Township in Johannesburg (Foto: dpa)

Ubuntu fordert Solidarität von den Menschen

In Südafrika wird es "Ubuntu" genannt. Das ist ein afrikanischer Begriff von Humanismus, und es bedeutet so viel wie: Ich bin nur durch andere. Mit anderen Worten: Ohne Gesellschaft, ohne eine Gemeinschaft bin ich nichts. Ubuntu fordert Solidarität von Menschen. Und in unserer Welt der Ausbeutung, in der es so großen Reichtum und so große Armut zugleich gibt, ist diese Solidarität unter Menschen, die Menschlichkeit, in Vergessenheit geraten.