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Geschichte

Bildergeschichten: Fleisch! Extrakt!

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1900: Eine Erfindung von Justus Liebig feiert Erfolge.

Wer sich auf die Ostereiersuche machen will, braucht erfahrungsgemäß ein gutes Auge, Ausdauer und zuweilen (angesichts der Konkurrenz) auch eine gewisse Grundschnelligkeit. Und dafür benötigt man Kraft. Körperliche Kraft. So will es zumindest dieses Reklame-Sammelbildchen glauben machen, das um 1900 im Handel war. Und die notwendige Kraft lasse sich recht einfach erwerben, wenn die Mutter den Kleinen nur "Liebigs Fleischextrakt" einflößt. Diese Erfindung des Chemikers Justus von Liebig war damals eine feste Größe in der deutschen Küche – und Vorläufiger heutiger Fertiggerichte.

Nun wäre es historisch arg verengt, wollte man Liebig nur auf seine Fleischbrühe reduzieren. Der 1803 in Darmstadt geborene Chemiker war ein Tausendsassa seines Faches, schon mit 21 Jahren wurde er Professor in Gießen. Er betrieb das, was man heute Grundlagenforschung nennen würde, etablierte seine Disziplin an der Universität, gab bald eine eigene Fachzeitschrift heraus und hatte stets die praktischen Ergebnisse der Chemie im Auge: Gerade die Förderung der Landwirtschaft und damit die Bekämpfung von Missernten und Hungersnöten waren ihm ein persönliches Anliegen.

Justus Liebig wurde zu einem deutschlandweit gefragten Forscher, der schließlich 1852 von der Universität in München abgeworben wurde. In seinem dortigen Wohnhaus ereignete sich dann der Zwischenfall, der seine Erfindung des "Fleischextrakts" provozierte: Die Tochter eines Freundes erkrankte bei einem Besuch der Familie Liebig schwer an Typhus. Bald war die 17-Jährige zu schwach, um selbst Nahrung aufzunehmen. Ein Arzt prophezeite ihren Tod, wenn man nicht einen Weg finde, sie zu ernähren. Und so machte sich Justus Liebig auf in seine Labors.

Mit einer ausreichenden Menge Hühnerfleisch, einigen Zutaten aus dem Labor (darunter Salzsäure) und seinem ganzen Wissen machte sich Liebig an die Arbeit. Die ganze Nacht braute er an seinem Fleischtrunk, den er dann am nächsten Morgen dem Arzt des Mädchens in die Hand drückte. Der verabreichte ihr halbstündlich etwas davon, und tatsächlich war sie kurze Zeit später genesen. Unter dem Namen "Eine neue Fleischbrühe für Kranke" veröffentlichte Liebig später das Rezept. Damit war zugleich der Weg frei für die industrielle Produktion seines Extrakts, der schließlich zur populärsten Erfindung des berühmten Chemikers wurde. Tausende von Sammelbildchen sollten die Menschen für dieses Produkt gewinnen – nicht nur zur Osterzeit.

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