Bildergeschichten: Ein Telegramm für Seine Majestät | Geschichte | DW | 24.06.2014
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Geschichte

Bildergeschichten: Ein Telegramm für Seine Majestät

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1914: Wilhelm II. erfährt vom Attentat in Sarajevo

Es ist Sonntag. Auf diesen 28. Juni 1914 hat sich der deutsche Kaiser ganz besonders gefreut, denn er nimmt auf der Ostsee an einer prestigeträchtigen Regatta teil. Sie ist der sportliche Höhepunkt der "Kieler Woche". Dieses maritime Spektakel hat der Kaiser selbst initiiert, um öffentlichkeitswirksam für seine Lieblingsidee von Deutschlands Zukunft auf dem Wasser zu werben. Was Rang und Namen hat, feiert mit: europäische Fürsten und amerikanische Millionäre, rheinische Großindustrielle oder hanseatische Patrizier. Viele nehmen mit ihren schicken Segeljachten auch an der kaiserlichen Regatta teil. Doch die soll ein jähes Ende finden …

Seit Stunden läuft die Regatta, als sich vom Kieler Hafen ein motorgetriebenes Hafenschiff nähert (dieses Ölgemälde von 1917 soll diesen Moment zeigen). Sie bringt eine wichtige Nachricht für den Kaiser, der auf seiner Jacht "Meteor" weder per Telefon noch über Funk erreichbar ist. Aber ihn muss dieses Telegramm erreichen, das kein Geringerer als Admiral Georg von Müller in den Händen hält, der Chef des Marinekabinetts. Mit Volldampf geht es auf die "Meteor" zu, doch ein Anlegen ist laut Regattaregeln verboten. So nimmt der Admiral sein Zigarettenetui, steckt das Telegramm hinein und wirft alles zusammen in hohem Bogen an Bord der kaiserlichen Segeljacht. Nachricht überbracht!

Ein Matrose überreicht Wilhelm das Etui, der sofort das Telegramm liest: "Sarajewo, den 28. Juni, um 12 Uhr. Seiner Majestät, Kiel. Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Thronfolger und Höchstdessen Gemahlin sind soeben Opfer eines Revolverattentats geworden. Generalkonsul Eiswaldt." Der Kaiser ist schockiert. Im Gegensatz zu anderen Herrschern (und selbst dem Hof in Wien) hat er stets einen freundlichen Umgang mit dem Paar gepflegt, erst vor zwei Wochen war er noch Gast bei Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie in ihrem Jagdschloss gewesen. Wilhelm II. bricht die Regatta und auch die "Kieler Woche" ab.

In den europäischen Hauptstädten löst die Nachricht vom Attentat ebenfalls einen Schock aus, aber deshalb denkt in diesem Moment – jedenfalls außerhalb von Österreich – kaum jemand ernsthaft an einen Krieg. Allerdings sind führende Kreise Österreich-Ungarns bereits jetzt entschlossen, diesen Zwischenfall als Anlass für eine Militäraktion gegen Serbien zu nehmen. Dass sie in den nächsten Wochen dafür massive Unterstützung aus Deutschland bekamen, sollte diesen Krieg dann möglich machen.

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