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Geschichte

Bildergeschichten: Der Kampf ums deutsche Butterbrot

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1965: Ein TV-Spot soll das Image der Margarine verbessern

Mmh, schmeckt das lecker. Das jedenfalls soll dieser Zeichentrick-Spot aus dem Jahr 1965 suggerieren. Ein Löffel von der guten Margarine scheint zu munden – und gesund soll es doch auch sein. Das glauben bis heute viele Deutsche, längst hat das pflanzliche Streichfett seinen festen Platz auf dem deutschen Butterbrot. Das ist auch das Ergebnis von über 100-jähriger Werbearbeit für die Margarine. Ihren Ursprung hat sie übrigens als "beurre artificiel" in Frankreich: angerührt aus geschmolzenem Rindertalg, Milch, Wasser und zerkleinertem Kuheuter. Mmh – das war zunächst alles Mögliche, aber lecker ganz bestimmt nicht.

Den Anstoß zur Entwicklung dieser "Kunstbutter" ging vom französischen Kaiser Napoleon III. aus. Der schrieb 1866 einen Preis für die Entwicklung eines butterähnlichen Speisefettes aus, um Armee und Bevölkerung billiger zu versorgen. Dem Gewinner, dem Chemiker Mège Mouriès, eiferten bald Kollegen und Produzenten in anderen europäischen Ländern nach. Auch in Deutschland wurde die Neuerung zum Streichfett der kleinen Leute, Arbeiterfamilien konsumierten bald dreimal so viel billige Margarine wie teure Butter.

Trotz des Erfolges blieb das Image-Problem: Auch wenn in den 1920er Jahren mit "Markenmargarinen" neue Qualität auf den Tisch kam, haftete ihnen der Makel des bloßen Ersatzstoffes an. Deshalb setzte die Margarine-Industrie verstärkt auf Reklame – schon in der Weimarer Republik wurde auch im neuen Medium Rundfunk massiv für "Rama", "Sanella" und andere geworben. Die Nationalsozialisten setzten übrigens der erfolgreichen Entwicklung ein Ende, zunächst durch die Bevorzugung der heimischen Butterwirtschaft und dann durch die Engpässe bei der Versorgung mit allen Fett-Sorten während des Zweiten Weltkriegs.

Geblieben ist der Streit, ob Margarine denn nun wirklich gesünder ist als Butter. SED-Chef Walter Ulbricht wusste da Rat: Zu hoher Butterverbrauch begünstige Arteriosklerose, erklärte er 1963. "Es ist nur gut, daß ich nicht so viel Butter esse, weil ich nicht nur die Adenauer-Regierung, sondern auch manch andere Regierung in Westdeutschland überleben möchte." Tatsächlich blieb Ulbricht zwar länger im Amt, starb aber mit 80 Jahren, Konrad Adenauer wurde hingegen 91 Jahre alt. Und die DDR wurde bekanntlich auch durch den Margarine-Verzehr der revolutionären Massen nicht gerettet …

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