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Bildergeschichten: Der Himmel über Berlin

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1910: Paul Guthnick schaut nach den Sternen.

Dieses Foto auf dem Dach eines Hauses ist fraglos gestellt. Nachgestellt. Aber das ist eben der Preis dafür, diese drei Herren überhaupt bei ihrer Arbeit abzulichten, der sie sonst bevorzugt in der Nacht nachgehen. Ihr Beruf ist nämlich die Beobachtung der Sterne, und dafür brauchen sie eine dunkle Umgebung. Angeführt wird die kleine Gruppe vom Herrn in der Mitte, dem 31-jährigen Paul Guthnick, Observator der Königlichen Sternwarte von Berlin. Er sollte später zu einem der berühmtesten Vertreter seines Faches aufsteigen. Doch 1910 gilt auch sein Interesse zunächst einmal dem Halleyschen Kometen, der – wie ziemlich genau alle 76 Jahre – wieder einmal über Deutschland zu sehen ist.

Wenn ein Komet am Himmel auftauchte, sorgte das zu allen Zeiten für große Aufregung. Bis weit in die Neuzeit hinein deuteten Menschen solche Erscheinungen als Zeichen drohenden Unheils, von Hungersnöten, Kriegen und Krankheiten, manchmal indes auch als Hinweis auf ein gutes Weinjahr oder nur schlicht auf auffällig geformte Hühnereier. Längst hatten Wissenschaftler auch den Halleyschen Kometen als ein Gebilde aus Staub und Gas enttarnt, doch auch 1910 glaubten viele Deutsche erneut an den Weltuntergang. Geschäftstüchtige Zeitgenossen boten sogar sogenannte "Kometenpillen" feil. Ob sie geholfen haben? Der Weltuntergang blieb zumindest aus …

Der Astronom Paul Guthnick hatte indes sein ganz eigenes Interesse an den Sternen entwickelt. Genauer gesagt: an ihrer Helligkeit. Diese wollte er messen und dokumentieren. Dazu setzte er als einer der ersten seines Faches auf die Nutzung von Fotozellen und führte schließlich die sogenannte photoelektronische Photometrie und die fotografische Dauerbeobachtung von Himmelskörpern ein. Gerade weil ihm die Helligkeit und ihre Messung so am Herzen lagen, sorgte er sich um die Dunkelheit: Der Himmel über Berlin machte den Sternenguckern ihre Arbeit immer schwerer, zu sehr störten die Lichter der Großstadt inzwischen die gepflegte Beobachtung des Alls.

So machte Paul Guthnick den Vorschlag, die Sternwarte nach Babelsberg zu verlegen, was 1913 auch geschah. Dort fanden er und seine Kollegen für Jahrzehnte beste Arbeitsbedingungen. Bis 1946, einem Jahr vor seinem Tod, leitete Guthnick als Direktor die Sternwarte. Heute arbeiten dort Wissenschaftler des "Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam". Sollten sie einen Moment Zeit haben und in den Mond schauen, können sie vielleicht einen Krater von mehr als 30 Kilometer Durchmesser sehen. Er ist nach Paul Guthnick benannt.

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