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Geschichte

Bildergeschichten: Der Feind steht rechts

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1922: Außenminister Rathenau wird ermordet

Die Polizei ist da, doch sie kann nur noch den Tatort sichern und den Ablauf des Geschehens rekonstruieren. Was an dieser Stelle nur Stunden zuvor geschehen ist, erschüttert die Republik wie kein Ereignis je zuvor: Reichsaußenminister Walther Rathenau ist am 24. Juni 1922 auf der Königsallee im Berliner Grunewald auf offener Straße ermordet worden. Die junge Demokratie, die sich gerade mit so großen Hoffnungen und unter immensen Schwierigkeiten etabliert hat, ist im Mark getroffen – vergleichbar vielleicht wie fast 50 Jahre später die USA nach dem Attentat auf John F. Kennedy.

Der 54-jährige Rathenau ist an diesem 24. Juni 1922 von seinem Wohnhaus zum Auswärtigen Amt aufgebrochen – heute erwartet ihn dort unter anderem eine Attachéprüfung. Es ist eine liebe Gewohnheit des Zigarre rauchenden Ministers, dass er sich von seinem Fahrer ohne Verdeck chauffieren lässt. Seine Mörder haben damit kalkuliert: Sie überholen seinen Wagen und feuern mit einer Maschinenpistole auf den Politiker. Der ist schon tödlich getroffen, als noch eine Handgranate geworfen wird, die zu seinen Füßen explodiert. Die Täter entkommen unerkannt.

Der liberale Rathenau, der sich nach dem Zusammenbruch der Monarchie stets um eine bürgerliche Sammlungspartei bemüht hat und fraglos zu den überzeugtesten Demokraten im Reich gehört, steht politisch schon lange im Visier der rechtsextremen Republikfeinde. Auch, aber nicht allein weil er Jude ist.

Als Reaktion auf den Anschlag findet Reichskanzler Joseph Wirth von der Zentrums-Partei die gleichermaßen zutreffenden wie visionären Worte: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts.“ Er spricht die Worte im Reichstag zwischen höchst turbulenten Szenen.

Hinter dem Anschlag steht tatsächlich die rechtsextreme „Organisation Consul“, die das Land mit zahlreichen Attentaten in Chaos und Bürgerkrieg treiben will. Die Drahtzieher des Mordes an Walther Rathenau indes bleiben unbekannt: Nach einer reichsweiten Jagd auf die Täter werden Wochen später zumindest die beiden Mordschützen entdeckt, einer wird von der Polizei getötet, der andere erschießt sich selbst – und nimmt das mögliche Wissen um die Hintermänner mit ins Grab.

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