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Geschichte

Bildergeschichten: Albert Einstein wird amerikanischer Staatsbürger

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1940, als sich Albert Einstein entschloss, vor dem Naziterror zu flüchten.

Albert Einstein, Physiker, Deutschland/USA c: ullstein bild/The Granger Collection

Albert Einstein mit seiner Stieftochter Margot

Während in seiner alten Heimat Millionen Menschen willig den rechten Arm zum Hitler-Gruß ausstrecken, erhebt dieser Herr seine rechte Hand, um seinen Schwur auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika abzulegen: Albert Einstein, neben ihm seine Stieftochter Margot, wird an diesem 1. Oktober 1940 Staatsbürger der USA. Wieder ein Flüchtling mehr, der vom dem nationalsozialistischen Terror endgültig Zuflucht in Übersee findet, und wieder ein Intellektueller mehr, der dem oft so genannten Land der "Dichter und Denker" den Rücken kehrt. Albert Einstein ist einer der berühmtesten, aber nur einer von zu vielen Intellektuellen, den diese Nation nicht liebt und der schließlich verjagt wird.

Der Physiker ist schon seit über sieben Jahre ein Flüchtling. Von einer Reise in die USA im Dezember 1932 kehrte er erst gar nicht mehr zurück, der Pazifist war den Nazis bekanntermaßen verhasst, seine Bücher lässt Propagandaminister Goebbels verbrennen. Einstein erklärt im Februar 1933, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, dabei beschwört er die große kulturelle Vergangenheit des Landes: "Ich hoffe, dass in Deutschland bald gesunde Verhältnisse eintreten werden und dass dort in Zukunft die großen Männer wie Kant und Goethe nicht nur von Zeit zu Zeit gefeiert werden, sondern dass sich auch die von ihnen gelehrten Grundsätze im öffentlichen Leben und im allgemeinen Bewusstsein durchsetzen."

Die Hoffnung trog bekanntlich, am Ende stehen Weltkrieg und Holocaust, Europa liegt in Trümmern. Die Katastrophe ist vollständig – und dies übrigens auch für die deutschen Geist: Im "Dritten Reich", das Einstein in der Ferne überlebt, wird der Begriff "Intellektueller" zum Schimpfwort. Als Kampfbegriff verwendet ihn die NS-Propaganda gegen jede Form von Vernunft, von Toleranz und Kritik. Nun steht die (nationalsozialistische) Tat im Vordergrund, die Ratio ist verpönt. Diese tief sitzende Intellektuellen-Feindlichkeit hat das NS-Regime leider überstanden – die Vorbehalte gegen Intellektuelle sind noch in der deutschen Gegenwart erkennbar. Und der Schatten des intellektuellen Verlustes – eben auch eines Albert Einsteins – liegen noch immer über Deutschland.

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