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Geschichte

Bildergeschichten (22)

Gitarren, Lauten, roter Tee - 1929: Schüler singen hoch über dem Rhein

Schüler spielen Gitarre vor der Jugendherberge Burg Stahleck in Bacharach (Foto von 1929) - Foto: ullstein bild - A. & E. Frankl

Deutschland Geschichte Jugendherberge Bacharach Burg Stahleck

Wer bei diesem Bild an muffige Schlafsäle und roten Tee aus Blechkannen denkt, hat fraglos selbst reiche Erfahrungen mit einem deutschen Mythos gemacht: den Jugendherbergen. In sie kehrte man (oft genug mit der Schulklasse) entweder unfreiwillig ein, oder man war als jugendlicher Wanderer regelrecht begeistert von ihnen, weil sie die ersten Herbergen waren, die die Eltern als Übernachtungsmöglichkeiten weit weg von Zuhause akzeptierten (oft traf übrigens beides zu). Auf diesem Foto scheint die Freude zu überwiegen: Es wurde im Sommer 1929 hoch über dem Rhein aufgenommen (der unten im Tal vorbeiströmt) und zeigt vier Schüler bei einem fröhlichen Lied.

Die Jungs haben (samt Gitarren und Lauten) den beschwerlichen Aufstieg zu den Überresten der Burg Stahleck geschafft, die hoch über dem Städtchen Bacharach liegt und einen herrlichen Blick über das Rheintal freigibt. Wie zahlreiche andere mittelalterliche Burgruinen auch ist Burg Stahleck restauriert und umgebaut worden, um hier eine Jugendherberge zu eröffnen. Diese Häuser sind damals schlicht der große Renner: bürgerlich geprägte Wandervögel, die Mitglieder der Arbeiterjugend und der zahllosen lebensreformerischen Strömungen treffen sich hier.

Den Anfang der deutschen Jugendherbergsbewegung machte vermutlich ein ziemlich heftiges Gewitter im Sauerland: Von diesem wurde nämlich während einer Wanderung im Sommer 1909 der Lehrer Richard Schirrmann mit einer Gruppe Schüler überrascht; nur mit knapper Not fanden sie schließlich eine schlichte Herberge für die Nacht. Schirrmann ersann anschließend die dann so erfolgreiche Idee eines landesweiten Netzes von Übernachtungsmöglichkeiten für wandernde Schüler.

Der Nationalsozialismus machte bekanntlich weder vor der Jugendbewegung noch vor den Jugendherbergen Halt: Das Jugendherbergswerk wurde gleichgeschaltet, jetzt zog die Hitler-Jugend in die Häuser ein, später oft genug die Wehrmacht, zuweilen – wie auch im Fall der Burg Stahleck – wurden sie Internierungslager für missliebige Jugendliche. Mit Glück gelang nach 1945 ein Neuanfang, zivile Schülergruppen eroberten sich die alten Orte der Jugendbewegung zurück. Heute schätzen übrigens immer mehr Familien die Jugendherbergen. Gesungen wird nicht mehr ganz so viel, aber den roten Tee gibt es immer noch …

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