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Geschichte

Bildergeschichten (15)

Tod an der Bernauer Straße - 1961: Berlin trauert um Ida Siekmann, die beim Sprung in die Freiheit stirbt.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin erweist der Toten seinen Respekt: Willy Brandt steht an diesem 29. August 1961 am offenen Grab von Ida Siekmann, die eine Woche zuvor beim Sprung in die Freiheit starb. Ihr Tod erschüttert die West-Berliner: Sie erleben in diesen Tagen unmittelbar nach dem Mauerbau viele dramatische Momente an der Sektorengrenze. Dass aber eine verzweifelte Frau aus dem dritten Stock ihres Hauses springt, erschüttert die Menschen in der Stadt.

Es ist der Tag vor ihrem 59. Geburtstag, als Ida Siekmann morgens um 6.50 Uhr das Fenster ihrer Wohnung an der Bernauer Straße 48 öffnet. Das Haus liegt genau auf der Grenze, die seit dem 13. August 1961 abgeriegelt wurde. In den ersten Tagen danach spielen sich hier dramatische Fluchtszenen ab, die auch außerhalb Berlins für Empörung und Trauer sorgen. Um die Menschen zu stoppen, lässt die DDR-Führung auch die Türen zum rettenden West-Berliner Bürgersteig verbarrikadieren.

Auch Ida Siekmann hat gerade erleben müssen, dass die Tür ihres Hauses verschlossen wurde. Die Alleinstehende packt ihr Bettzeug und einige Kleidungsstücke zusammen und wirft sie aus dem dritten Stock auf den Bürgersteig. Es ist bis heute nicht geklärt, warum sie es jetzt offenbar sehr eilig hat – vielleicht war ihr Vorhaben entdeckt worden. Jedenfalls kommt die West-Berliner Feuerwehr, die schon in den Tagen zuvor mit Sprungtüchern Flüchtlinge aufgefangen hat, nicht schnell genug zur Hilfe. Beim Aufprall zieht sich die Frau schwere Verletzungen zu, an denen sie noch auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt.

Es ist der erste Todesfall an der Berliner Mauer. Schon im September 1961 entsteht ein kleines Denkmal für Ida Siekmann, später gedenken hier auch ausländische Staatsgäste der Opfer der Teilung. Denn Ida Siekmann war nur die erste der später so genannten "Mauertoten", von denen wir heute oft genug nicht einmal ihre Identität kennen. Wie vermerkte an jenem 22. August 1961 der Tagesrapport der Ost-Berliner Volkspolizei: "Die S. wurde durch die Westfeuerwehr abtransportiert. Die Blutlache wurde mit Sand abgedeckt." Die Spuren in der deutschen Geschichte ließen sich so allerdings nicht verdecken.

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