1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Geschichte

Bildergeschichten (14)

Freiwahl! 1949: Der erste Selbstbedienungsladen der Nachkriegszeit

Ein wenig ungläubig schauen sie noch, die Kundinnen des ersten Selbstbedienungsladens der Nachkriegszeit: Bewaffnet mit einem der noch ungewohnten Einkaufswagen (für die sie übrigens weder Chip noch Münze brauchen) sollen sie nun selbst ihre Lebensmittel auswählen, wo bislang doch immer eine Verkäuferin Beratung und Bedienung übernommen hatte. "Freiwahl-Laden" nennt sich das neue Geschäft, das am 30. August 1949 in Hamburg eröffnet und von der Konsumgenossenschaft "Produktion" betrieben wird.

Dieser Schritt war für die 1899 gegründete gewerkschaftsnahe Genossenschaft die logische Fortsetzung ihrer jahrzehntelangen Bemühungen: Wie andere dieser seit der Jahrhundertwende entstandenen Zusammenschlüsse zielt sie darauf, Nahrungsmittel zu möglichst günstigen Preisen für breite Käuferschichten zur Verfügung zu stellen – Solidarität statt Ausbeutung.

Schon die Freien Gewerkschaften des Kaiserreichs hatten ihre Mitglieder 1906 aufgefordert, "die Genossenschaftsbewegung in Deutschland aufs tatkräftigste zu unterstützen", und 1910 erklärte die SPD, das "Eintreten für die Konsumvereine entspricht den Klasseninteressen des Proletariats".

Da sich viele Genossenschaften als Vorreiter der Modernisierung verstanden, lag es nahe, dass sie auch das Modell eines "Freiwahl-Ladens" ausprobierten, um für ihre Mitglieder die Kosten möglichst niedrig zu halten. Gerade in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war dies nötiger denn je. Dass schwedische Konsumgenossenschaften hierbei bereits mit entsprechenden Beispielen vorausgegangen waren, dürfte für das Hamburger Projekt ebenfalls von Bedeutung gewesen sein – eingeführt worden war das Selbstbedienungsprinzip allerdings schon lange zuvor in den USA.

Zugleich setzte ein Siegeszug der Selbstbedienung ein, der heute alle Lebensbereiche erfasst hat – vom Selbsttanken beim Auto bis hin zum Telebanking. Mit genossenschaftlichem Denken hat dies längst nichts mehr zu tun, aber immer mit dem ständigen Zwang zu Rationalisierung und Kosteneinsparung.

Die Redaktion empfiehlt