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Wirtschaft

Bilanzierte Ungewissheit in der NAFTA

Zehn Jahre nach der Gründung der nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA bleiben Befürworter und Gegner zerstritten. Uneinigkeit herrscht vor allem in der Frage, wer vom Freihandel profitiert hat.

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Die Freihandelszone in Nordamerika steht in der Kritik

Niemand scheint sagen zu können, ob das North America Free Trade Agreement (NAFTA) die Erwartungen der drei Teilnehmerländer USA, Kanada und Mexiko erfüllt hat. Mit immer neuen Statistiken versuchen Forschungsinstitute und Regierungen, ihre Standpunkte zu untermauern.

So verhält es sich etwa mit der Entwicklung der Arbeitsmärkte in den einzelnen Ländern. Als die Freihandelszone 1994 eingerichtet wurde, gehörten steigende Löhne und die Entstehung höher bezahlter Arbeitsplätze zu den wichtigsten Versprechungen.

Löhne sind gesunken

Wie die Weltbank vorrechnet, sind gerade im Bereich der Exportindustrie tatsächlich Arbeitsplätze geschaffen worden. Allerdings sind nach Informationen der mexikanischen Regierung allein in den letzten drei Jahren wieder 20 Prozent dieser Arbeitsplätze verloren gegangen. Zudem sind die Reallöhne in Mexiko heute geringer als 1994.

Besonders hart soll die Einrichtung der NAFTA-Zone die mexikanische Landwirtschaft getroffen haben. Importe aus den USA haben nach Informationen der Carnegie-Stiftung in Washington die Produkte der heimischen Bauern verdrängt und dadurch mindestens 1,3 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Dass die Agrarexporte gestiegen seien, soll indes auf die Ansiedlung von großen landwirtschaftlichen Unternehmen zurückzuführen sein.

Arbeitsmarkt unter Druck

In Bedrängnis gerät der mexikanische Arbeitsmarkt zudem aus Asien. So werden in China weitaus niedrigere Löhne gezahlt als in Mexiko. Entsprechend werden immer mehr Billigjobs in das Reich der Mitte verlegt. Für höher bezahlte Arbeiten fehlt den mexikanischen Arbeitskräften jedoch die Ausbildung. Das Bildungssystem sei in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt worden, betont auch die Weltbank in einer Studie.

In den USA blieben die Effekte ebenso hinter den Erwartungen zurück. Ein Exportüberschuss gegenüber den anderen Ländern sollte schon in den ersten zwei Jahren 170.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Als jedoch viele Konsumenten die billigere Ware aus dem NAFTA-Ausland bevorzugten, nahmen die Importe zu. Da zudem viele US-Unternehmen ins Billiglohnland Mexiko abwanderten, kamen letztlich kaum Arbeitsplätze hinzu.

Arbeitnehmerschutz in der Kritik

NAFTA Handelsminister in Montreal

Vom Erfolg überzeugt: Handelsmininister der NAFTA-Staaten

Als besonderen Erfolg der Freihandelszone hebt ein Papier der Handelsminister der drei Staaten einen verbesserten Schutz der Arbeitnehmer in ihren Ländern hervor. Gerade hier regt sich jedoch Protest. Nach Angaben des Institute of Policy Studies in Washington ist es beispielsweise für die Gewerkschaften in den USA schwieriger geworden, sich den Unternehmen gegenüber zu behaupten. Diese drohten im Konfliktfall immer häufiger mit einer Abwanderung nach Mexiko.

In Kanada berichtet indes das Centre for Policy Alternatives von einem massiven Abbau von Sozialleistungen. Nur noch 39 Prozent der Arbeitnehmer haben ein Anrecht auf Gelder aus der staatlichen Arbeitslosenversicherung. 1989 waren es noch 87 Prozent. Begründet wird dies mit dem Wettbewerbsdruck durch die USA, wo die sozialen Sicherungssysteme weniger stark ausgebaut sind.

Freihandel von Alaska bis Feuerland

Weiter streiten vermeintliche Sieger und Verlierer um die richtige Bewertung von zehn Jahren Freihandel. Nur die USA sind sich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Im Dezember 2003 haben sie zusammen mit El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua das Central American Free Trade Agreement (CAFTA) unterzeichnet.

Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick zeigte sich begeistert: Dies sei "eine wichtige Station auf unserer Reise" zu einer pan-amerikanischen Freihandelszone. Im Januar 2005 sollen die letzten Handelsschranken zwischen Alaska und Feuerland fallen.

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