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Wirtschaft

Bilanz und Werte

335 Millionen Euro, für die Deutsche Bank bedeutet das: Vorjahresgewinn halbiert. Nach wie vor kämpft das Institut mit den Folgen der Finanzkrise und mit seinem Image. Ein Kulturwandel soll es nun richten.

Was sollen sie auch sagen, die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank? Ihr Institut sei mit seinem Umbau, der Kapitalausstattung und dem Tagesgeschäft auf Kurs, ließen Jürgen Fitschen und Anshu Jain nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen wissen. "Im zweiten Quartal haben unsere Kerngeschäftsfelder gute Ergebnisse geliefert", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die nackten Zahlen vermitteln allerdings eine andere Botschaft. Der Gewinn vor Steuern schrumpfte um 18 Prozent auf 792 Millionen Euro. Der Nettogewinn brach im zweiten Quartal im Jahresvergleich um die Hälfte ein und lag nur noch bei 335 Millionen Euro.

Die Schatten der Vergangenheit

Es sind vor allem die teuren Rechtsstreitigkeiten, die der Deutschen Bank die Bilanz verhagelt haben. Zehn Jahre zieht sich der Prozess um Schadensersatz für die Pleite des Medienkonzerns Kirch mittlerweile hin. Dazu kommen der Skandal um die Manipulation des globalen Referenz-Zinses Libor sowie Klagen wegen Hypothekengeschäften in den USA. Das Geldhaus hat nun weitere 630 Millionen Euro für juristische Auseinandersetzungen zurückgelegt und seine Rückstellungen damit auf insgesamt drei Milliarden Euro erhöht.

Occupy-Aktivisten im Frankfurter Bankenviertel protestieren. Copyright: DW/Guilherme Correia da Silva

2012 Dauergast im Frankfurter Bankenviertel: Die Protestbewegung Occupy

Die Schatten der Vergangenheit, sie lassen der Deutschen Bank keine Ruhe. Co-Vorstand Jürgen Fitschen ist sich dessen sehr bewusst. "Ein ganz wesentlicher Vorwurf ist doch gewesen, dass die Banken sich nicht in erster Linie um das Interesse des Kunden kümmern, sondern um das, was am Ende für sie selbst dabei übrig bleibt", sagt er durchaus selbstkritisch. Dabei seien viele Prinzipien und Werte "einfach über den Haufen geschmissen" worden. "Es hat einige Anlässe dafür gegeben, insofern muss man das sehr ernst nehmen."

Kulturwandel ausgerufen

Im vergangenen Herbst waren nur noch vierzig Prozent der Kunden mit der Deutschen Bank zufrieden. Anlass genug für die Geschäftsführung, das Ruder herumzureißen und einen "Kulturwandel" in der Bank anzukündigen. "Der Kunde soll das Gefühl haben, dass die Bank ihn in den Mittelpunkt stellt", so Fitschen. "Mit dem, was der Mitarbeiter dem Kunden anbietet, als auch, wie er es tut, soll er das Gefühl vermitteln, dass es darum geht, für den jeweiligen Adressaten die jeweils bestmögliche Lösung darzustellen."

Anshu Jain und Jürgen Fitschen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai 2013. Foto: REUTERS/Ralph Orlowski

Entschlossene Führung: Jain und Fitschen wollen die Deutsche Bank verändern

Sechs Leitlinien umfasst der neue Wertekanon, den die Deutsche Bank ihren knapp 100.000 Mitarbeitern, von denen nur knapp die Hälfte in Deutschland arbeitet, in der vergangenen Woche per Intranet und E-Mail vorstellte. Die Schlagworte lauten Integrität, nachhaltige Leistung, Kundenorientierung, Innovation, Disziplin und Partnerschaft. So heißt es beispielsweise: "Wir tun das, was nicht nur rechtlich erlaubt, sondern auch richtig ist", oder "Wir schaffen Werte für unsere Aktionäre, indem wir langfristigen Erfolg über kurzfristige Gewinne stellen."

Wenn schon keine Liebe, dann wenigstens Respekt

Alle, so sagt Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen, seien derzeit "sehr leidenschaftlich" dabei, einen Zustand herbeizuführen, "wo wir, wenn wir schon nicht geliebt werden, zumindest für das, was und wie wir es tun, respektiert und als Partner voll akzeptiert werden". Der Wandel müsse möglich sein. "Damit tun wir uns allen einen großen Gefallen".

Der Betriebsrat der Deutschen Bank ist davon noch nicht so richtig überzeugt. Er macht sich Gedanken über die Folgen für die Mitarbeiter. Kontrollen und Sanktionen seien stark herausgestellt, so Gesamtbetriebsratschef und Aufsichtsratsvize Alfred Herling. Es müsse genau geklärt werden, wie Verstöße gegen die aufgestellten Werte geahndet werden sollen.

Wie passen Zahlen und Ziele zusammen?

Und welche Folgen wird der Kulturwandel für das Hauptziel der Deutschen Bank haben, nämlich Geld zu verdienen? Passend zu den neuen Werten erhofft sich das Institut vor allem aus der Vermögensverwaltung steigende Gewinne. Einfache Kleinsparer sollen in Zukunft gleichermaßen wie reiche Privatkunden und Profi-Anleger, wie Versicherer und Pensionskassen, besser bedient werden. Auf diesem Weg soll der Gewinn aus der Vermögensverwaltung bis 2015 vor Steuern auf 1,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Ein durchaus ehrgeiziges Ziel, wurden in diesem Segment im zweiten Quartal 2013 doch gerade einmal 82 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen.

Doch Jürgen Fitschen lässt sich nicht beirren. "Entscheidend ist die Erfahrung, die ein jeder Unternehmer, jeder Investor, Sparer mit seiner Bank macht und die ihn voll und ganz davon überzeugt sein lässt, dass er hier einem vertrauenswürdigen Partner gegenübersitzt."

Ärger mit der Schuldenquote

Darüber hinaus arbeitet die Deutsche Bank weiter daran, sich für die strengere Regulierung aller europäischen Banken fit zu machen. Die von der Baseler Bankenaufsicht vorgeschriebene Eigenkapitalquote wurde weiter erhöht. Wie aus den Quartalszahlen hervorgeht, liegt sie bei der Deutschen Bank jetzt bei zehn Prozent, ein Wert, der eigentlich erst für 2015 angestrebt war.

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Schlechtes Quartalsergebnis

Damit ist das Thema aber nicht erledigt. Auch wenn es zunächst einmal paradox klingt: Die Bank muss kleiner werden, um genau zu sein, ihr Umsatz muss schrumpfen. Aktuell liegt die Bilanzsumme der Deutschen Bank bei rund 1,9 Billionen Euro. Ab 2018 will die Bankenaufsicht eine Schuldenobergrenze einführt, die sogenannte "Leverage Ratio". Sie soll bei drei Prozent liegen. So will man verhindern, dass die Banken mit verhältnismäßig zu viel geliehenem Geld arbeiten und in Krisenzeiten in Schwierigkeiten kommen.

Um die Verschuldungsquote nicht zu reißen, muss die Deutsche Bank ihren Umsatz nach eigenen Angaben um 250 Milliarden Euro reduzieren. Analysten halten das für zu wenig und sprechen von bis zu 500 Milliarden. Für die Bank wird das Folgen haben. Überschäumende Gewinne sind wohl auch in absehbarerer Zukunft nicht zu erwarten.

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