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Reise

Biikefeuer verabschieden den Winter

Ob auf Sylt, Amrum oder in St. Peter-Ording, beim Biike-Brennen in Nordfriesland lodern am Sonntag wieder Dutzende große Feuer. Ein Volksfest, das Tausende Schaulustige anlockt.

Die Tradition der Frühlingsfeuer ist an der Nordsee mehr als 2000 Jahre alt. Vielen Friesen gilt die sogenannte Biike (friesisch für Feuerzeichen) als "Nationalfest". Der Ursprung des Brauchs sei schlicht die Freude über das Ende des Winters, erklärt Thomas Steensen, Historiker an der Universität Flensburg. "Wenn man so will, ist es eine friesische Variante des Karnevals", sagt Steensen. Zumal die Feuer trotz ihrer heidnischen Herkunft lange Zeit mit dem Beginn der Fastenzeit zusammenfielen.

Die Ursprünge des Biike-Brennens gehen auf die heidnischen Germanen zurück. Wotan, höchste Gottheit und Herrscher über Krieg und Sturm, sollte mit Hilfe des Feuers günstig gestimmt werden. Andere Erklärungen seien nicht belegt, stellt Thomas Steensen klar. So sei das Biikefeuer zu keiner Zeit ein Abschiedfest für Walfänger gewesen, wie oft behauptet wird. "Aber viele Legenden haben ja auch einen wahren Kern", räumt Thomas Steense ein. So seien Walfänger im 18. Jahrhundert einst tatsächlich zu dieser Jahreszeit in See gestochen und hätten am Petritag, dem 22. Februar, ihre Verträge unterschrieben.

In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sich die wärmenden Flammen zum Winterende auch zu einer touristischen Attraktion in der bei Küsten-Urlaubern ansonsten wenig gefragten Jahreszeit. Gemeinsam mit den Einheimischen wird gesungen, getanzt und getrunken. Sind die Biike-Feuer abgebrannt, geht es in die Gasthäuser zum gemeinsamen Grünkohlessen.

Deutschland bewirbt sich mit der Tradition des Biikefeuers um die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menscheit der UNESCO. Die Entscheidung wird Ende 2016 erwartet.

at / ks (dpa)