1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Reise

"Bier?! So etwas haben wir hier nicht!"

In der Bankenmetropole Frankfurt kann man sich auch trefflich amüsieren. Wir begleiten Ricardo aus Brasilien, Sheryl aus Singapur, Na aus China und Chad aus Australien durchs Nachtleben - kleine Kulturschocks inklusive.

Zu sehen ist die Sykline von Frankfurt. Rechte: DW/Jens Kemle

Frankfurt bei Nacht

Tagsüber shoppen die Menschen in den Boutiquen und Geschäften auf der Zeil. Abends gehen die Frankfurter dann zum "Schoppen" in ein Apfelweinlokal. Ein traditionsreiches ist das "Apfelwein Wagner" im Stadtteil Sachsenhausen. "Bier?! Wir sind ein Apfelweinlokal - so etwas haben wir nicht", sagt der Kellner leicht gereizt. Ricardo und Chad sind verdutzt: Eine deutsche Gaststätte, in der es kein Bier gibt - unvorstellbar! So herb die Frankfurter manchmal sind, so herb ist auch das Nationalgetränk selbst.

Beim Apfelwein versteht der Frankfurter keinen Spaß

Gäste im Apfelwein Wagner in Frankfurt. Rechte: DW/Jens Kemle

Auf Mispel in Calvados können sich alle einigen

Auf unserem Tisch steht ein grauer, bauchiger Steinkrug, der Bembel. "Als ich das erste Mal Apfelwein getrunken habe, hat mich der Geschmack an Salatsauce erinnert", erzählt Ricardo Pedeida Viviani. Wie dem Theater-Choreograph aus Brasilien geht es am Anfang vielen mit dem Frankfurter Nationalgetränk. Eine hessische Redewendung besagt denn auch, man müsse sieben Gläser Apfelwein trinken, bevor er schmeckt. "Apfelwein erinnert mich an Cidre, den es bei uns gibt", sagt Julie Collet, Übersetzerin aus Frankreich, begeistert. Doch Chad Sidler bleibt eisern - selbst Sprudel sei besser als Apfelwein.

Auf Mispel in Calvados, ein weiteres typisches Frankfurter Getränk können sich hingegen alle verständigen. Die goldgelbe Frucht, die einer Mirabelle ähnlich sieht, hat einen festen Biss und der Calvados rinnt süßlich die Kehle hinunter. Ein willkommener Kontrast zum "Äppelwoi". Die Wände sind holzvertäfelt, alle rund 200 Plätze im Restaurant besetzt. Man redet und lacht, hier mischen sich alteingesessene Frankfurter, Eintracht-Fans und Touristen aus aller Welt. Auf den Tellern liegen Rippchen mit Sauerkraut, Grüne Soße mit Ei und andere deftige Gerichte. Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen.

Von der Wolkenkratzer-Lounge bis zur Underground-Bar

Zu sehen ist die Lounge 22 in Frankfurt. Rechte: DW/Jens Kemle

Bar mit Aussicht: "Lounge 22"

Vom urigen gutbürgerlichen Lokal geht es weiter auf die andere Mainseite, mitten hinein ins Bankenviertel. In einem der obersten Stockwerke eines Bürohochhauses befindet sich die "Lounge 22". Die Cocktails sind zwar etwas teurer, aber dafür entschädigt der spektakuläre Blick aus dem Fenster. Vor uns liegt ein Lichtermeer, aus dem sich die Wolkenkratzer wie Obelisken erheben. "Das erinnert mich an zu Hause", schwärmt Sheryl Loh aus Singapur. "Aber Frankfurt bietet viel mehr Ruhe und Freiraum", meint die junge Frau, die in ihrer Heimat für die Regierung gearbeitet hat und erst im September mit ihrem Mann nach Deutschland kam.

Zu sehen ist die Rote Bar (Außenansicht) in Frankfurt. Rechte: DW/Jens Kemle

Hinter einer unscheinbaren Fassade...

Frankfurt ist eine Stadt der Kontraste. Nach dem Zwischenstopp in der schicken Clublounge gönnen wir uns ein bisschen Understatement. Die "Rote Bar" ist ein Geheimtipp. Schon das Betreten ist ungewöhnlich. Die Holztür eines unauffälligen Wohnhauses öffnet sich langsam: "Wie viele Personen sind Sie? Kommt noch jemand nach?", fragt ein livrierter Mann. Drinnen wartet ein skurriles Ambiente aus verschiedenen Stilen des 20. Jahrhunderts, zwischen Antiquariat und Underground. Die Musik ist gedämpft, die Cocktails lecker. Hinter der Bar mixen zwei Männer Hochprozentiges. Auf ihr Bier müssen Ricardo und Chat aber weiter verzichten.

Innenansicht der Roten Bar in Frankfurt. Rechte: DW/Jens Kemle

...liegt die charmante "Rote Bar"

"Vor vier Jahren war ich das erste Mal in dieser Bar", sagt Software-Ingenieurin Na. Die junge Frau kommt aus der chinesischen Metropole Shanghai. "Wenn ich mit Freunden zu Hause ausgehe, dann steuern wir meist eine Karaoke Bar an", erzählt sie. "Aber ich kann nicht gut singen, mir machen diese Besuche überhaupt keinen Spaß. Super, dass Karaoke in Deutschland kaum verbreitet ist."

Nach Mitternacht wird die Auswahl kleiner

Unter der Woche schließen viele Kneipen in Frankfurt schon um halb Eins. Im "Yours - Australian Bar" finden wir doch noch ein Plätzchen. Chad und Ricardo bekommen endlich ihr Hefeweizen. Heute ist ein besonderer Abend. Der vierwöchige Intensivkurs am Goethe Institut, an dem beide ihre Deutschkenntnisse verbessert haben, geht am nächsten Tag zu Ende. Bevor Chad in seine Heimat zurückkehrt, will er noch einen Zwischenstopp in Berlin einlegen. "Hefeweizen gibt es in Australien nicht", erzählt der Student der Betriebswirtschaft und nimmt genussvoll einen Schluck. "Und ein normales Weizen kostet mindestens 10 Euro."